Das HochSeilNest


HSN - Zwischen Textilie und Immobilie


Josella Simone Playton - Stand 2008-10-05 22:00:00 +0200


StichWorte: Seil, Tau, TauWerk, Trosse, Leine, Hanf, Sisal, PolyHanf, Netz, Nest, Knoten, Alpinismus, KletterTechnik, Wald, Baum, BaumHaus, Fichte, Picea abies, Forst, ForstTechnik, ForstWirtschaft, Propylen, Polyester, WaldMaus, BergWerk, ErdArbeiten, PhotoSynthese, NatriumDampfLampe, HängeBrücke

keywords: rope, hemp, sisal, net, nest, aerie, emplacement, knot, spruce, forest, forestry, timber, tree, treeclimbing, climbing, propylene, polyester, mouse, mining, digging, photo-synthesis, high-intensity-discharge-lamp, suspension bridge


        English Abstract
        VorWort
        HängeMatten etc
        Josella fängt Feuer
        Knoten Lernen
        RegenSchutz
        Der WaldBesitzer
        Lydia und Babsie und Sophie und und und
        Vom Laptop
        IndustrieStandort BaumKrone
        Medizinisches
        Ausblicke
        Technisches
        Die Barriere
        SpannKnoten
        SpontanKnoten
        Was in letzter Zeit passiert ist
        Der Weg zum HochNetz
        Die Harfe
        Tree Climbers International
        Das anisotrope Netz
        RisikoAnalyse
        TageBuch am 1997-02-12: Passivität und Entdeckung
        TageBuch am 1997-02-19: AnlegeLeiter
        TageBuch am 1997-02-20: SturmRitt
        TageBuch am 1997-02-22: PachtVertrag
        TageBuch am 1997-03-09: HochLeiter und Talje
        TageBuch am 1997-03-15: JagdPächter
        TageBuch am 1997-03-19: KassenSturz
        TageBuch am 1997-03-25: Polypropylen?
        TageBuch am 1997-03-28: KarFreitagSturm
        TageBuch am 1997-04-05: Unfall
        TageBuch am 1997-04-12: IG HochSeilNestBau
        TageBuch am 1997-04-30: Die LBG Obb.
        TageBuch am 1997-05-16: HochSeilMaus
        TageBuch am 1997-06-14: Im SteinBruch
        TageBuch am 1997-07-05: RaubSaat
        TageBuch am 1997-07-19: WaldFrevel
        TageBuch am 1997-07-28: AbbruchAktion
        TageBuch am 1997-08-06: WingAttack
        TageBuch am 1997-08-31: Formaldehyd
        TageBuch am 1997-10-03: NestAuge
        TageBuch am 1997-10-04: Shriek!
        TageBuch am 1997-11-16: Schulbank
        TageBuch am 1997-12-22: WinterSchlaf
        TageBuch am 1998-03-01: NatriumDampf
        TageBuch am 1998-03-30: Die HüpfEiche
        TageBuch am 1998-04-12: HängeBrücke
        TageBuch am 1998-05-23: Einweihung
        TageBuch am 1998-07-01: Routine
        TageBuch am 1998-07-11: Das H-Netz
        TageBuch am 1998-07-25: Noch ein Umbau
        TageBuch am 1998-12-31: Sylvester
        TageBuch am 1999-04-11: Kosovo
        TageBuch am 2000-01-15: Lothar
        TageBuch am 2000-07-19: Wieder Sturm - und DumpfBacken
        TageBuch am 2000-07-29: HochSeilLabyrinth?
        TageBuch am 2002-02-13: Mehr DumpfBacken
        TageBuch am 2003-07-27: Update
        TageBuch am 2004-08-01: Update
        TageBuch am 2007-02-12: Update
        TageBuch am 2008-10-05: Das Ende des HochSeilNests
        Wie kommt die Leserin zu einem eigenen HochSeilNest?
        Rechtliches
        Netiquette
        LiteraturListe

        HSN-Bilder (vorläufig)

VorWort

Die Leserin, die hier ein wohl-formuliertes und durchdachtes SchriftStück vorzufinden hofft (so wie sie es von meinen SF-Stories vielleicht erwarten könnte), werde ich gleich einmal enttäuschen. Die verschiedenen Teile des folgenden Textes sind nicht in chronologischer ReihenFolge entstanden, auch nicht die TagebuchAbschnitte im hinteren Teil. Das könnte die eine oder andere UngeReimtheit erklären. Es ist halt ein ArbeitsPapier oder eine StoffSammlung.

Vielleicht gibt es eines Tages ein LehrBuch (Auf Papier) über SeilNetze. Wenn ich vorher nicht abgestürzt bin.

Auch die neuesten HTML-Tricks werde ich hier nicht benutzen, es sei denn, es wird unbedingt notwendig. So kann man auch den dümmsten WWW-Browser benutzen.

Noch etwas gleich zu Anfang: Ich berichte hier über eine potentiell gefährliche Tätigkeit. Nichts, was ich sage, darf für gegeben und sakrosankt angesehen werden, auch wenn ich nach bestem Wissen und Gewissen berichte. Niemandem bleibt das Nachdenken über die eigene Sicherheit erspart. Niemand darf diese Zeilen als die einzige InformationsQuelle zu Themen wie KletterTechnik, SeilKunde und KnotenEigenschaften nutzen. Ich kann für keine UnfallFolgen, gleich welcher Art, haftbar gemacht werden. Es ist auch völlig zwecklos, weil ich nicht reich bin.

Diese Datei ist manchmal nicht vollständig up-ge-ftp-t worden - kenntlich an dem fehlenden HomePage - Link am Ende dieser Seite. Wenn das der Fall ist, versuche ich es zu korrigieren - sowie ich es bemerke.

Mein TeilZeitLebensAbschnittsGschpusi darf in meiner Abwesenheit diesen Text auch bearbeiten, außer, wenn es sachlich notwendig ist, wird er aber den Stil nicht ändern.


HängeMatten etc

HängeMatten - Inbegriff der Unbequemlichkeit. Durchhängen in der Mitte, RückenSchmerzen, nachts fällt man raus, wenn man nicht aufpaßt, und da, wo man eine HängeMatte hinhaben will, ist meistens nichts, um sie zu befestigen. Eigentlich habe ich deshalb auch nie die Absicht gehabt, jemals ernsthaft in Erwägung zu ziehen, eine zu benutzen, wofür auch immer, trotz farbiger Assoziationen mit AbenteuerGeschichten aus früher Kindheit und nachweislicher Verwendung von HängeMatten bei den seefahrenden Nationen, die in der KolonialGeschichte eine Rolle gespielt haben. Wozu brauche ich eine HängeMatte? Bayern ist kein SegelSchulSchiff.

Dann aber schrieb ich selbst eine Story (die nie fertig geworden ist), in der das Ambiente für eine Art Eingeborene auf einem anderen Planeten nach einer intensiv angewendeten SeilBauTechnik verlangte - Hütten, Wände, Dächer, FußBöden aus SeilGeflecht zwischen Bäumen gespannt und eventuell mit pflanzlichem Material ausgekleidet. Auch in meinem Roman 'Welthöhle - Die Granitbeißerinnen' kommt ein VolksStamm vor, der in einem sehr unwegsamen Gelände wohnt, das praktisch nur mit SeilBrücken und SeilPfaden beherrschbar ist, außerdem müssen die handelnden HauptPersonen in 'Welthöhle - Die GranitBeißerinnen' haarsträubende KletterPartien in uralten SeilWegAnlagen unternehmen.

Da schreibt man als naive Autorin sowas und weiß eigentlich gar nicht, ob man sich zu sehr im Reich der Spekulation bewegt. Wie lange dauert es zum Beispiel, eine übernachtungsfähige SeilMatte zu knüpfen, wenn man von den allereinfachsten BauStoffen ausgeht? Eine ViertelStunde? Einen Tag? Wie knüpft man überhaupt? Schließlich wollte ich nicht in die konzeptionellen FußStapfen von Karl May treten und Abenteuer beschreiben, die man nicht nur nicht erlebt hat, sondern die auch gar nicht in dieser Form erlebbar sind!

Das zweite ProblemFeld ist Astronomie. Beobachten tut die SternFreundin nachts - das ist die eine TatSache - und die Sterne sind über uns - das ist die zweite - mit fortgeschrittenen Jahren wird das Genick immer unbeweglicher - das ist die dritte - lichtstarke FeldStecher sind schwer - das ist die vierte. Noch eine TatSache, die fünfte: Ständig ein Stativ mit sich rumzuschleppen ist auch nicht das Wahre. (Und, wie die Leserin wohl weiß, haben uns die mittleren Neunziger Jahre bisher drei Kometen beschert! - Man muß dauernd etwas beobachten.)

Sich hinzulegen auf den Boden, um zenith-nahe Sterne oder andere HimmelsKörper zu beobachten, probiert man auf einer taunassen Wiese nur einmal. Im Winter, wo BeobachtungsBedingungen manchmal besser sind, zeigt sich, daß eine SchneeDecke mindestens ein Komparativ von 'taunaß' ist.

CampingStuhl, CampingLiege? - Siehe oben unter 'Stativ'. Lieber auch nicht.


Josella fängt Feuer

Dann fiel mir in einem KaufHaus eine Rolle Sisal-WäscheLeine in die Hände. Reines NaturProdukt. Kann man überall verwenden. Und schlimmstenfalls liegen lassen, ohne das ökologische Gewissen allzusehr zu belasten. Auf einem SpazierGang fing ich im Januar 1995 an, zunächst ziellos zu spielen, und mehr als ein paar StolperLeinen in verschiedener Höhe kam dabei nicht heraus - ich traute dem Geflecht selbst so wenig zu, daß ich damals nie wagte, mich drauf zu setzen. Und ich glaubte auch noch nicht so recht daran, daß das möglich sei - jedenfalls für mich ZivilisationsMenschin.

So etwa im Juni 1995 machte ich dann meine ersten ernsthaften Experimente. Zwei Bäume im Abstand von etwa 1.20 Meter mußten dran glauben - den Platz hatte mir eine NachbarsTochter, die Lydia, gezeigt - da pflegte sie heimlich zu rauchen ( - das ErwachsenSein zu üben - aber hier und jetzt ist nicht der Platz, sich über pupertären SchwachSinn auszulassen.). Mit einer Sisal-WäscheLeine und noch einigen Rollen unterschiedlichem BindFaden flocht ich eine SitzBank.

Dabei kommt man sehr rasch auf ein grundlegendes KonstruktionsPrinzip. Kaum jemand, nicht einmal eine Frau, hat die KörperKraft, eine geflochtene 5 mm Sisal-WäscheLeine, die bei 180 kp reißt, so zu spannen, daß sie unter einem statischen Zug steht, der einem wesentlichen Teil dieser Kraft entspricht. Was aber möglich ist, ist ein schon fertiges Geflecht immer wieder weiter nachzuspannen, indem man beim Einflechten neuem Materials die vorhandenen Maschen immer wieder überbrückt und schon eingebaute SeilStücke zusammenzieht. Das so erzeugte Netz wird völlig unregelmäßig, aber die MaschenGröße wird ziemlich homogen, weil man ja immer daran arbeitet, die gerade größten Maschen neu zu überbrücken und zusammenzuziehen.

Regelmäßigkeit anzustreben lohnt sich nicht, man braucht es gar nicht zu versuchen. Das gilt für die periodische Regelmäßigkeit, die man bei dem Begriff 'Netz' oder auch 'Kristall' vor Augen hat. Es entsteht dafür die amorphe Regelmäßigkeit, wie etwa im BierSchaum.

An dieser SeilBank habe ich zwei Tage lang je etwa vier Stunden gearbeitet. Sie hält locker soviele erwachsene Personen aus, wie draufpassen, auch jetzt (August 1996) noch, 14 Monate später, wo die ersten Fäden schon gerissen sind. An dieser Bank tue ich auch nichts mehr, um die witterungsbedingte Alterung und Verrottung zu beobachten.

Nächste Idee: Im Wald sitzen ist gut, im Wald pennen ist besser. Bin also auf die Suche nach einem geeigneten Paar Bäumen gegangen, die weiter auseinander stehen als es der eigenen KörperLänge entspricht.

Ich habe auch ein recht brauchbares Paar von großen Fichten in ansprechender Lage gefunden - in etwa am 'UnzugänglichkeitsPol' des betreffenden Wäldchens, wo jahrelang keiner hinkommt. Abstand etwa 3.50 Meter. Ich baute die 'Bank' dazwischen nach schon erprobtem Muster.

Das Ergebnis war wenig überzeugend: Der Seilzug des so erzeugten Netzes zog die Randseile auf wenige Zentimeter zusammen - unmöglich, auf so etwas zu schlafen.

Es gab nur eine Möglichkeit: Einen dritten Baum in etwa 4.50 Meter Abstand von den beiden vorhandenen mit einzubeziehen, um so eine etwa dreieckige HängeMatte zu erzeugen.

Von nun an wurde der MaterialVerbrauch gewaltig und die Finanzierung fühlbar (Spätestens, wenn etwas Geld kostet, dann weiß man, daß man ein neues, ernsthaftes Hobby hat). Dieses Dreieck mit den KantenLängen 3.5 Meter, 4.5 Meter und 4.5 Meter vollständig mit NetzWerk aufzufüllen und dabei noch einen SeilZug sicherzustellen, der auch bei Belastung wenig nachgibt, erforderte einen Monat Arbeit und etwa DM 400.- an BindFäden und Seilen. (Inzwischen weiß ich, daß man das schneller und billiger kann - die Verwendung von BindFäden empfiehlt sich nicht.)

Die ganze Sache steht an einem Hang. Am talseitigen Baum ist das Netz etwa in meiner KopfHöhe befestigt, und der SeilZug auf dem Baum erzeugt über diesen langen HebelArm ein großes DrehMoment. Besonders, wenn die SisalSeile bei Regen naß werden und sich verkürzen, entstehen dabei einige Tonnen seitliche ZugKraft. Eine ausgewachsene Fichte muß zwar bei Sturm eine solche WindLast sogar in ihrer Krone ertragen, aber trotzdem fing ich an, darüber nachzudenken, was man tun kann, um den Baum nicht umzureißen. Eine zusätzliche Verspannung zu einem noch weiter talabwärts gelegenem Baum war die Antwort.

Die bergseitige Seite dieses Netzes ist nur 70 cm über dem Boden. Das ermöglicht bequemes Besteigen, hat aber den Nachteil, daß man beim Übernachten immer ein gewisses BedrohungsGefühl hat: Da ist immer die Vorstellung, daß man plötzlich aufwachen könnte mit einer fremden Hand um die Kehle, oder ein wildes Tier (das es bei uns in Bayern nicht gibt) ist bereits dabei, meine Eingeweide aufzufressen. Vielleicht habe ich deshalb in 1995 nur wenige Nächte im Freien verbracht.

Im April 1996 fing ich an, ein zweites Netz zu bauen - etwa 1.50 Meter über dem ersten. Das war nicht mehr ganz einfach, weil man beim Bauen nicht mehr überall BodenHaftung hat - ich mußte meistens auf dem vorhandenen Netz herumturnen, und, als sich das neue Netz der Vollendung näherte, mußte ich manchmal Seile in das Netz einflechten, während ich auf demselben gerade saß. Das erfordert die zusätzliche Anwendung erheblicher KörperKraft, damit das Ergebnis nicht schlaff in der Gegend herumhängt, was ja immer ein trauriger Anblick ist (;-)). Immerhin, es ging schneller als das erste Mal, und das Ergebnis ist stabiler und billiger.

Die Arbeitstiere des NetzBaues sind inzwischen ausschließlich die SisalSeilStärken 5 mm, 6 mm und 10 mm mit ReißKräften laut Hersteller von 180 kp, 270 kp und 590 kp. Das 5 mm Seil ist die Sisal-WäscheLeine mit der im allgemeinen schlechtesten Qualität, man bekommt 20 m bis 30 m für DM 8.-. Das 6 mm Seil gibt es zu 250 m auf Rolle zu etwas mehr als DM 100.-, und das 10 mm Seil ist als 75 m oder 100 m für ebenfalls etwas mehr als DM 100.- zu haben - worin der Unterschied liegt, weiß ich nicht.

Hanf oder Manila ist etwa gleich stark, aber teurer. Sie sollen wetterbeständiger sein, aber ich möchte erst herausfinden, wie groß die VerrottungsProbleme beim SisalSeil sind.


Knoten Lernen

Während dieser ganzen Arbeiten wuchs in mir der Verdacht, daß ich eigentlich gar keine Ahnung hatte, wie man richtige Knoten legt - die Knoten, die ich verwendete, werden in FachKreisen abfällig als 'HausFrauenKnoten' bezeichnet. Das Netz hielt trotzdem, da ich die fehlende Qualität der Knoten durch deren große Anzahl ersetzte. Das führt allerdings nicht nur zu vermeidbarem ArbeitsAufwand, sondern stellenweise zu großen KnotenKonglomeraten, die nach einem Regen nur sehr langsam wieder trocken werden - die Gefahr der Fäulnis und damit der schnelleren Verrottung der Seile droht!

Also fragte ich einen Freund, der als passionierter Segler etwas von Knoten wissen mußte. Telefonisch erklärte er mir den Palstek.

Die Erklärung war falsch. Erst sehr viel später erfuhr ich aus anderen Quellen, wie ein Palstek richtig gelegt wird. Mein Netz hat aber schon ein paar hundert neue Knoten, die die Welt noch nicht gesehen hat - dieser 'falsche Palstek' hält trotzdem. (Das liegt daran, daß Seile aus NaturFaser sich ganz allgemein besser knoten lassen als aus synthetischem Material, und daß deshalb auch unsachgemäße Knoten oft erstaunlich gut halten, s.u. unter SpontanKnoten.)

Inzwischen - ProblemBewußtsein deutlich geschärft - habe ich mich kundig gemacht, über FachBücher und im Internet. Damit die Leserin nicht ähnlich naive Fehler macht, gebe ich hier einige Links an, bei denen etwas über Knoten zu erfahren ist. Man braucht nicht die Kenntnis der etwa 3800 Knoten, die in einem der Bücher [11] beschrieben ist - weniger als ein halbes Dutzend reicht für die wesentlichsten KonstruktionsProbleme aus:

Ropers Knots Links

Ropers Knots Page

The FisherNet Knots List

Knots on the Web (Peter Suber)

(Diese Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit, und am Ende dieses Beitrages sind auch noch einige LiteraturHinweise zu finden.)

Der Palstek ist übrigens nicht der Weisheit letzter Schluß. Die seemännischen Knoten sind gerade jene, die sich leicht wieder öffnen lassen, auch, nachdem sie unter Last standen. Bei einem BaumNetz bindet man manche Knoten aber für die LebensDauer des Seiles. Da gibt es ein paar noch haltbarere Knoten, und wenn man es ganz professionell machen will, dann verbindet man zwei Seile durch Spleißen - allerdings ist ein LangSpleiß sehr viel zeitaufwendiger [1].

Als weiterer GesichtsPunkt kommt bei den Knoten die SeilKrümmung hinzu. Geringe SeilKrümmung bedeutet geringe SeilAbnutzung und kaum Reduzierung der BruchLast durch den Knoten. Der AchtKnoten in all seinen Variationen fällt da besonders positiv auf, ebenso der WebLeinenStek um ein dickeres Seil oder einen RundBalken.

(Übrigens ist mir die Idee gekommen, einen AchtKnoten durch zusätzliches HindurchStecken eines eigentlich funktionslosen dritten Seils künstlich zu verdicken und so die Krümmungsradien weiter zu veringern. Halten tut er - bei NaturSeilen - immer noch, aber ob eventuell seine BruchLast ansteigt? - Bis jetzt habe ich ein solches Verfahren noch nirgends beschrieben gefunden.)

Ich gebe hier eine geschätzte Häufigkeitsverteilung der von mir verwendeten Knoten an, die ich auch ab und zu korrigiere, wenn ich meine Technik ändere:

                                10 mm Seil        6 mm Seil

        WebleinenStek           12 %              65 %
        MehrFachWebleinenStek    3 %              15 %
        Rolling Hitch           10 %
        AchtSchlaufe            50 %              10 %
        SackStich                5 %
        PalStek                  5 %
        KonstriktorKnoten        5 %
        ÜberHand-Stopper         4 %               3 %
        AchtKnoten-Stopper       4 %               3 %
        SpannKnoten              0 %               2 %
        Große TrossenStek        1 %               1 %
        RefKnoten                1 %               1 %
        AngelSchlaufe            0 %               0 %
        SchotStek                0 %               0 %
        PrussikKnoten
        Spanischer Palstek
        Doppelter Palstek
        Portugisischer Palstek
        SpierenStich
        Doppelter Spierenstich
        Hunter's Knoten
Verwendung von Spleißen:
                                16 mm Seil

        LangSpleiß
        KurzSpleiß
        AugSpleiß
        RückSpleiß             100 %

Die 'NaivKnoten', die ich anfangs verwendete, kann ich inzwischen klassifizieren: Das waren der ÜberHandKnoten in allen möglichen Variationen, der SackStich und der RefKnoten in seiner richtigen und falschen Ausführung. Nur der guten Knotbarkeit der Sisal-Seile ist es zu verdanken, daß das überhaupt gehalten hat!

(Den SackStich hat mir übrigens - vor zehntausend Jahren - meine Mutter gezeigt, wobei sie allerdings nicht dieses Wort gebraucht hat.)


Dieses zweite Netz, das ich baute, ist talseitig etwa 3.50 Meter über dem Boden. Schon bei leichtem Wind fühlbarer Seegang. Zuerst ist man besorgt - dann süchtig (so ähnlich wie beim Alkohol!). Wieviel höher geht es noch?

Im Moment bin ich beim dritten und vierten Stockwerk, wegen der gleichmäßigen Belastung der Bäume talwärts versetzt. Maximale FallHöhe über sechs Meter. Deutlicher Abstand zum BuschBewuchs des Waldes. Und inzwischen deutlich weithin durch die Stämme zu sehen. Um das DrehMoment auf diesen Baum nicht zu groß werden zu lassen, sind weitere Verspannungen notwendig. Noch mehr Bäume müssen einbezogen werden. Und wegen der großen Höhe - für eine QuerschnittLähmung reichts - habe ich meine KletterSteig - Sicherung wieder herausgekramt - HosenGurt, BrustGurt, SteinschlagHelm, KarabinerHaken. GesamtKosten Sisal-Seile bis jetzt schon deutlich über DM 1200.-, aber das rechnet sich leicht, weil man ja bei so einem Projekt auf jede UrlaubsReise verzichten muß.


RegenSchutz

Weil die gelegentlichen NetzÜbernachtungen den Urlaub ersetzen, habe ich auch da bereits etwas mehr ErnstHaftigkeit investiert: Wo steht geschrieben, daß man nur bei schönem Wetter im Freien übernachten darf? Ende Juli 1996 kündigte sich an einem warmen Abend ein Gewitter an. Josella blieb stur und legte sich etliche Quadratmeter AllZweckPlastikFolie bereit. Sehr dünne Folie, sehr platzsparend in der AufBewahrung. Gewitter kam nach Dunkelheit wie erwartet - und ich konnte im Dunklen nicht erfühlen, wo welche Ecke der Folie war. Lichtmachen wenig empfehlenswert - ich war froh, daß sämtliche Insekten des Waldes meinen Standort leidlich vergessen hatten.

Ich konnte den Regen völlig von mir fernhalten - nur Schlafen geht nicht, da eine solche dünne Folie sehr gefährlich ist - da sind schon andere Leute erstickt! Außerdem haben die eigenen KörperAusDünstungen dafür gesorgt, daß KondensWasser unter der Folie entstand. Diese Nacht war also nicht sehr erholsam.

An einem anderen Tag legte ich mich zum Dösen auf das untere, zuerst gebaute Netz und belegte das Netz darüber vollständig mit einer feinen PlastikFolie, die ich mit ein paar schweren Ästen gegen das WegWehen sicherte. Ein LandRegen war im AnMarsch, und den wollte ich, wohlverpackt in ein paar warmen Decken, aussitzen.

Der LandRegen war mit einem LandWind verbunden, der doch diesen oder jenen Tropfen auf mich warf. Der zweite Effekt, der mich besprühte, waren RegenTropfen, die beim AufPrall auf Blätter neben dem Netz zerstieben. Der dritte Effekt war, daß der Regen kühler war als die schwüle Luft, und so unter der Folie schon wieder KondensWasser entstand, daß schließlich heruntertropfte. Außerdem beulte sich nach einiger Zeit die dünne Folie zwischen den NetzMaschen des oberen Netzes nach unten, prall mit Wasser gefüllt.

Fazit: Dünne PlastikFolie ist für RegenSchutz absolut untauglich. Das RegenProblem ist noch nicht zufriedenstellend gelöst - wenn man nicht ein ganzes Zelt auf dem Netz errichten will, was (wahrscheinlich) ohne weiteres möglich ist.


Der WaldBesitzer

Es wurde nun auch dringend Zeit, den WaldBesitzer zu informieren, bevor der von selber dahinter kommt, daß irgend jemand seinen ganzen Wald einschnürrlt. Habe ich im August 1996 auch gemacht - zuerst mit der Idee, einige Bäume zu kaufen oder zu mieten (Gibt es irgendjemand, die schon mal einen Baum gemietet hat?). Der Stand ist jedoch, daß wir jetzt schon über den Kauf des gesamten WaldStückes reden. Wälder rentieren sich wirtschaftlich nicht, und wenn da so eine verrückte Städterin daherkommt, die einen Wald unbedingt haben will, dann soll man sie nicht dran hindern!

Jedenfalls darf ich machen, was ich will, und der WaldBesitzer ist auch ganz glücklich darüber, daß da jemand in seinem Wald tätig ist, die schon beim Anblick des ersten BorkenKäfers Zeter und Mordio schreit. Würde ich auch tun, denn wenn das geschieht, muß so ein Wald schon mal präventiv flachgelegt werden, und dann ist es auch mit meinen Netzen vorbei, weil diese sich alleine ohne Bäume in der Luft nicht halten können.

Nächste Maßnahme, aus rechtlichen Gründen empfohlen: Ein gelbes Schild "Vorsicht, LebensGefahr, Zutritt verboten". Es könnte immer vorkommen, daß spielende Kinder das Netz finden, und wenn sich dann einer zu Tode stürzt, dann ist man in richtig schönen Schwierigkeiten. Andererseits: Hätte ich mich in meiner Jugend von so einem Schild abhalten lassen? Nein.

(Was die Legitimation für ein PlatzVerweis oder für ein HausVerbot auf einem Netz, das einem gehört, in einem Wald, der einem nicht gehört, betrifft, so gelten (wahrscheinlich) ähnliche rechtliche SpielRegeln wie für ein PKW, in dem man auch ein HausRecht hat. HausJuristen fragen!)


Lydia und Babsie und Sophie und und und

Es muß auch nicht unbedingt 'Spielen' sein - es gibt da ein paar junge Mädchen in meiner Nachbarschaft, die mit ihren jetzt 16 Jahren voll in der Pubertät drin sind. Die (schon erwähnte) Lydia und die Barbara haben mich und das Netz schon vor über einem Jahr gefunden, und eine der beiden hat es sofort auf die Brauchbarkeit für amoröse Spiele taxiert. Ich habe das natürlich, angemessen moralisch entrüstet, sofort verboten.

Außerdem hatte ich die Idee viel früher, und wir Autoren sind bei Copyright- und Prioritäts-Fragen empfindlich.

Die beiden waren damals übrigens insgesamt stark beeindruckt, obwohl Abenteuergeschichten, pubertätsbedingt, nicht mehr ihr HauptInteresse ist: In ZentralMagazin deutscher ZahnSpangenTräger ('BRAVO') sind es nicht gerade AbenteuerGeschichten, die durch das Dr.-Sommer-Team fachkundig und einfühlsam kommentiert werden.

Es gab mir Gelegenheit, daran zu denken, wie sehr ich in dem Alter von so einer Konstruktion fasziniert gewesen wäre - und wie sehr meine besorgten Eltern mich davon ferngehalten hätten. Ganz besonders nachts.

Die beiden Mädchen kritisierten ihre Eltern, denen eine solche Idee niemals gekommen wäre. Bis heute wissen die Eltern nicht, daß Lydia und Barbara mich im Jahr 1995 in zwei Nächten sogar nach Mitternacht besucht, und daß wir im Schein von Kaufhaus-Fackeln bis in die frühen MorgenStunden palavert haben. Hier können sie's nachlesen. Den Inhalt unserer Gespräche habe ich auch in mein TageBuch notiert, aber der ist fürs Internet nicht geeignet, und für die Eltern der beiden schon gleich gar nicht.

Außerdem waren diese NachtFeten streßig, da ich wegen des offenen Feuers ständig in leichter AlarmBereitschaft war. Wie oft habe ich den beiden eingeschärft, daß sie das nie alleine machen dürfen?

In letzter Zeit tauchen die beiden wieder seltener am Netz auf. Sie haben wichtigeres zu tun: Sie haben je einen Freund und müssen sich - ihrem Alter entsprechend - in der Kunst des biologisch vorgegebenen Intensiv-KommunikationsModus (Sex) üben (Sie machen richtig Ernst mit dem ErwachsenSeinÜben!). Was interessiert da die alte Wachtel, die in den BaumKronen hockt!

Immerhin hat mich das auf die Idee gebracht, das SeilNetz der Redaktion der bekannten FamilienZeitSchrift PlayBoy als Hintergrund oder Ambiente für ihre aufklappbaren Damen in der HeftMitte anzubieten, als eine Alternative zu den ewigen SüdSeeStränden. Mal sehen.

Das Wegbleiben der beiden hat das Netz aber nicht eben einsam gemacht - nacheinander sind da die Sophie (13), die Ursula (12) und die Verena (12) aufgetaucht. Durch milde Gaben von Baumaterial für ihr eigenes 'Lager' habe ich die Mädchen bestochen, nicht allzusehr vom Netz weiterzuerzählen.

Mal sehen.

Vom Laptop

Es gibt noch ein paar andere Intentionen, die ich mit dem Bau des Netzes hatte. Schließlich bin ich seit April 1995 Besitzerin eines Laptops. Eines funktionierenden Laptops, was nicht selbstverständlich ist (siehe C'T 12/1993, Seite 55). Und eines teuren Laptops: Im Frühjahr 1995 konnte man für einen i486 noch mehr als 12 kiloDM hinlegen, wenn man unbedingt wollte - und Josella mußte natürlich das Beste vom Besten haben.

Einen CampingStuhl zu DM 9.95 anzuschaffen war natürlich so ziemlich das erste, was ich tat, um den Laptop im Freien verwenden zu können und nicht beim Arbeiten stehen zu müssen. Das geht - gerade eben. Diverse Unterlagen um sich herum auszubreiten geht natürlich nicht mehr.

Auch dies ist eine Anwendung des Netzes. Dort kann ich soviel Zeugs lagern, daß allein das HinBringen und das WiederabRäumen nach getaner Arbeit soviel Zeit kostet, daß man kaum noch zum eigentlichen Arbeiten kommt. Außerdem - wenn man auf dem Netz hockt, den Laptop auf den Schenkeln, dann fällt das Auge unweigerlich auf eine Stelle, die noch des konstruktiven EinGriffes bedarf - und schon ist man wieder am Knüpfen.

Aber irgendwann kommt man dann doch zum Arbeiten - meistens, wenn der Vorrat verbaubarer Seile aufgebraucht ist. Anforderungen an das Netz, Stufe 1: Die Maschen dürfen nirgends so weit sein, daß der Laptop durchrutschen kann. Leicht zu erfüllen, denn mit so einer MaschenGröße wäre es auch viel zu unbequem, auf dem Netz zu stehen oder zu gehen.

Anforderung Stufe 2: Eine Diskette darf auch nirgends durchrutschen können. Empfehlung: nicht übertreiben. Wenn die MaschenGröße so eng wird, daß man nirgends mehr mit dem HandGelenk durchkommt, dann wird jede weitere Arbeit schwierig und der GesamtAufwand unangemessen hoch. Außerdem wird, wenn man eine minimale Seilstärke von 5 mm oder 6 mm hat, das Netz so außerordentlich stark, daß man von einer massiven ÜberDimensionierung reden kann.

Außerdem habe ich festgestellt, daß ich noch nie in den letzten 15 Monaten das Bedürfnis hatte, im Freien Disketten zu verwenden - der Laptop kommt zu Hause an die serielle NabelSchnur, um sich mit meinem MainFrame (C'T 12/1993, Seite 55) auszutauschen.

Was die Gefährdung des Laptops betrifft: Auf der großen NetzFläche ist es relativ einfach, sich so weit vom Rande entfernt aufzuhalten, daß die Gefahr, daß der Laptop einfach über den Rand taumelt, gering ist. Aber das Netz bewegt sich dauernd in unerwarteter Weise, und es hängt bei Trockenheit sehr weit durch - Sisal-Seile sind eben sehr feuchtigkeitsabhängig. Gegenstände rollen in unerwarteter Weise durch die Gegend, und die Gefahr, daß der Laptop dahin rutscht, wo man gerade den Fuß aufsetzen oder den Arsch hinrollen möchte, ist durchaus real. Es ist eben wie in der christlichen Seefahrt: "One hand for you, one hand for the ship, one hand for the laptop."


IndustrieStandort BaumKrone

Jetzt könnte ich noch etwas ganz progressives machen und meinem ArbeitGeber die Verwendung solcher Netze als Büro-Ersatz vorschlagen. Ist für beide Seiten ein Geschäft: Netze sind billiger als BüroGebäude, ich brauche die Sisal-Seile nicht alleine zu bezahlen, und für etliche bayrische WaldBesitzer fällt eventuell auch noch ein MietZins ab.

Man würde mir wahrscheinlich mit der Frage nach dem WinterBetrieb kommen, und da muß ich eine Antwort tatsächlich noch schuldig bleiben. Auch andere technische Fragen müßten noch recherchiert werden: Wie macht man für Hunderte von MitArbeitern, die in den Bäumen hocken, einen Internet / Intranet-Anschluß? Wie ist das, wenn Kunden ins Haus - also auf den Baum - kommen? Müssen die alle klettern können, oder sind für Kunden die bodennahen SeilNetze vorgesehen? Und in welcher Höhe über dem Boden wird das Management angeordnet? Wo turnt der BetriebsRat herum? Wie und wo veranstaltet man eine BetriebsVersammlung? Müssen MitArbeiterInnen die ganze ArbeitZeit mit alpinen Methoden gesichert werden? Müßte mein ArbeitGeber die ForstWirtschaft in seine GeschäftsFelder integrieren?

Noch bösartigere UnterStellungen: In Zeiten intensiven PersonalAbbaus geht ein MitArbeiter des PersonalAbteilungs-Netzes nächtens durch den Wald und löst heimlich Knoten. Abfindungen und VorRuhestandsRegeln könnten so völlig überflüssig werden! Die KantinenBetriebe könnten entlastet werden, indem man den Wald mit Obstbäumen auflockert. Die Toiletten könnten eingespart werden, wenn man sich daran erinnert, was Landwirte sowieso auf ihre Felder aufbringen - Der Aufwand reduziert sich auf ein paar Wegweiser, um die richtigen OdelFlächen auszuweisen. Naja, vielleicht noch ein paar Paravane als SichtSchutz auf freiem Feld.

Aber das InnovationsPotential meines ArbeitGebers ist begrenzt, und so will ich diese Überlegungen nicht weiter verfolgen - so sehr ArbeitsUmfeld, Ergonomie und BetriebsKlima im Besonderen und der IndustrieStandort Deutschland im Allgemeinen davon profitieren könnten.


Medizinisches

Apropos Ergonomie: Auch ohne fatal endende Abstürze hat das Netz seine medizinischen Auswirkungen. An die BrennNessel-Stiche, die ich mir jedesmal einhandle, wenn ich mich durch den Wald anpirsche, denke ich schon gar nicht mehr. Viel ärger sind da die blauen Flecken an den SchienBeinen. Man glaubt gar nicht, wie hart so ein Seil ist, bis man auf einem knien muß. Auch ein Grund, warum ich mir im Laufe der Zeit noch etliche Decken zulegte. Das wiederum gibt Anlaß, eine weitere Regel aufzustellen: Nie auf ein Stück Decke treten oder sich drauf setzen, wenn man nicht ganz sicher ist, daß auch ein tragfähiger Teil des Netzes darunter ist!


Ungelöste Probleme: In einem Buch [1] fand ich eine AufStellung von Eigenschaften diverser Natur- und KunststoffSeilMaterialien. Man wird schon neidisch, was die mechanischen Eigenschaften der KunststoffSeile betrifft, und ihre Festigkeit gegen Verottung ist von NaturSeilen auch nicht erreichbar. Eventuell kann man die Seile, auf denen man nicht direkt sitzt oder mit denen man sonst nicht in Kontakt kommt, teeren, so wie das dereinst in der Seefahrt üblich war, als es noch keine KunststoffSeile gab. Weiß jemand, womit man Seile teert? - Experimente mit Altöl zu machen widerstrebt meinem ökologischen Gewissen. O.A. Bekannter (der mit dem falschen Palstek) tippte auf HolzPech. - Vielleicht gibt es falsches HolzPech, das billiger ist (aus falschem Holz?).

Ein anderer Vorteil von geteerten Seilen wäre deren dunkle Farbe, die das SeilNetz nicht so deutlich durch die Bäume hindurch sichtbar werden läßt.


Ausblicke

Die Story ist natürlich nicht zu Ende. Ich will immer höher hinaus - aber die Statik der SeilVerspannungen zwischen den Bäumen wird es nicht zulassen. Das Bett zwischen den BaumKronen, 30 Meter über Grund, ist wahrscheinlich nicht machbar, es sei denn, mit einem gewaltigen Aufwand an SeilMaterial und Zeit. Da sind völlig ungelöste Probleme: eine Fichte wird 5 Meter unter ihrem Gipfel das Gewicht eines Menschen wohl noch tragen, aber kaum mit KraftKomponenten in horizontaler Richtung belastet werden können.

Die andere Idee, die man verfolgen könnte, ist, mehrere solche Netze in einem Wald zu bauen und zu vermieten - Das WochenEnde mit der Familie im BaumHaus - mal was anderes als CampingPlatz oder gar HotelZimmer. Könnte man eventuell einen Huni für drei Tage verlangen. Bräuchte allerdings weitere InfraStruktur wie etwa sanitäre Anlagen - und man bräuchte einen großen Wald, da sich die Netze ja nicht zu nahe rücken sollten, wenn das Erlebnis als solches nicht in seiner Qualität leiden soll. Ebenso müßte man dauernd den Müll der Gäste wieder wegräumen. Abgesehen davon - ist das eine GeschäftsIdee?

Ich stelle diese Idee jetzt einfach mal in den Raum - in das Internet. Vielleicht verwirklicht es jemand irgendwo. Da gibt es in den deutschen Alpen so schöne BannWälder, die man so zu reinen GeldQuellen umwandeln könnte - Und im Winter können diese Netze SchiFahrer auffangen, die von der Piste abkommen!

Wenn das passiert, möchte ich aber doch um ein kleines Schild mit HinWeis auf meine Urheberschaft bitten.


Technisches

Nun für die Nachahmerin noch ein paar technische Informationen, die ich im Laufe der Zeit herausgefunden habe, oder die ich mir gerade erarbeite.

Die große WasserAufnahmeFähigkeit von SisalSeilen und die dann entstehende kraftvolle SeilVerkürzung haben eine Konsequenz: Wenn ein solchen Seil bereits bereits unter großer ZugKraft steht, dann nimmt es weniger Wasser auf, und es wird nach dem Regen auch rasch wieder trockener. Klar: Bei einem unter Spannung stehenden Seil haben die Wassermoleküle nicht die Energie, sich in die Fasern zu drängen. Ein unter hoher Spannung stehendes Seil verändert sich auch weniger im Regen.

Die bautechnischen Konsequenzen, die man daraus ziehen kann, sind leider begrenzt. Man kann das Netz nicht so bauen, daß alle Seile schon im trockenen Zustand unter maximaler Spannung stehen. Irrsinnige Kräfte wären die Folge, und wenn ein solcherart maximal gespanntes Netz von dem Gewicht eines Menschen belastet wird, dann wird es Stellen im Netz geben, die überlastet sind und reißen.

Wenn man das Netz jedoch aus SicherheitsGründen aus Seilen, die sehr stark gespannt sind, und aus solchen, die weniger stark oder garnicht gespannt sind, baut und auf diese Weise einen großen SicherheitsFaktor einbaut, dann hat man doch wieder wasseraufnahmefähige Seile im Netz. Ein PatentRezept ist mir da noch nicht eingefallen. Hat jemand Ideen?

Die talseitige Abspannung muß mit stark gespannten Seilen gemacht werden, damit man konstante mechanische Verhältnisse hat. Ich verwende die Harfe, die weiter unten beschrieben ist. Sie ermöglicht tatsächlich, manuell KraftFlüsse vom 400 kp auf einem 10 mm Seile einzustellen. (Ein früher an dieser Stelle beschriebenes Verfahren, das auf mit Hebeln verdrillten Seilen beruht, hat sich als völlig unbrauchbar erwiesen - ich habe den Abschnitt gelöscht.)

Wie erkennt man, welche Kraft auf einem gespannten Seil liegt? - Erfahrung ist die eine Möglichkeit - man probiert dieses Verfahren mit einem zwischen zwei Bäumen wurzelnah gespannten Seil so lange, bis es reißt. Dann lernt man auch die Erscheinungen kurz vor SeilRiß kennen. Die andere Methode ist ein KraftMesser von 0 bis 20 kp, mit dem man durch seitlichen Zug einen Knick in ein gespanntes Seil bringen kann. Auf dem KnickWinkel und der abgelesenen Kraft erhält man durch ein bißchen Rechnerei die Kraft, die auf dem Seil liegt.

Aber Vorsicht, wenn das Seil reißt! Das kann wortwörtlich ins Auge gehen!


Die Barriere

Oder, wie man Vandalismus verhindert.

Selbst, wenn mir der Wald gehörte, kann ich nicht verhindern, daß zufällig fremde Leute darinnen herumstolpern und zufällig das Netz finden. Ein WaldBesitzer darf nicht durch EinZäunung den Zugang zum Wald behindern. Steht so im BundesNaturschutzGesetz drin. Das heißt aber auch, daß juveniler Vandalismus möglich ist - und solche Leute werden sich auch nicht von meinem VerbotsSchild aufhalten lassen. Aber man kann etwas tun.

Natürlich kann man niemanden, der wild entschlossen ist, den Wald zu betreten oder dort einen bestimmten Platz zu erreichen, davon abhalten. Aber den zufällig daherspazierenden Wanderer kann man sehr gut steuern. Man kann dafür sorgen, daß einige Stellen leicht zu begehen sind und andere schwerer, weil dort ein Dickicht von toten, übereinander getürmten Ästen liegt. Mit demselben Mittel kann man jemanden zwingen, die Augen am Boden zu halten. Eine absolut wirkende Maßnahme ist das nicht - es wird lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung manipuliert. Hoffe ich wenigstens.

Bei meinem Wald habe ich einen solchen VerteidigungsRing von etwa 80 Metern Durchmesser aufgebaut, und die meisten Stellen des Waldrandes sind ebenso manipuliert. Kaum ein vergammelter Ast, den ich nicht woanders hingelegt habe, um diese Wirkung zu erzielen.

Ob es wirklich eine Wirkung gibt, ließe sich nur durch aufwendige VergleichsMessungen zwischen verschiedenen solchen Installationen feststellen. Ich weiß es nicht.

Allerdings gibt es keine Äste mehr an den Stellen, wo ich selbst häufiger entlanglatsche. Und immer dann, wenn es zu kalt ist, um am Netz selbst zu arbeiten - Gerümpel durch die Gegend tragen kann man immer.


SpannKnoten

An einer einzigen LiteraturStelle ([7], Seite 93) fand ich den SpannKnoten, der es ermöglicht, ein Seil zwischen zwei festen Punkten mit wenigstens der eigenen KörperKraft zu spannen. Dieser Knoten ist entsetzlich einfach - genaugenommen eine Variation des ÜberhandKnotens. Warum dieser Knoten sonst nirgends beschrieben ist, weiß ich nicht. Ich experimentiere noch mit ihm herum, um seine Nützlichkeit auszutesten.


SpontanKnoten

Dieser Knoten ist auch nirgends beschrieben. Das sind die Knoten, die von selbst in ein Seil kommen - immer dann, wenn man es am allerwenigsten brauchen kann. Die seemännische Bezeichnung ist Wuhling.

Ich habe schon recht innovative Knoten gesehen, die auf solche Weise entstanden sind. Vielleicht wäre es eine lohnende Aufgabe, sich einmal einer Klassifizierung dieser Knoten zu widmen. Ich selbst mache es nicht, weil ich nicht die Zeit habe. Aber ich habe trotzdem bemerkt, daß die häufigsten SpontanKnoten der ÜberHandKnoten und der AchtKnoten sind.


Was in letzter Zeit passiert ist

Dieser Bericht ist etwas chronologisch geordnet - falls die eine oder andere Leserin sich an Inkonsistenzen stört. Ein paar Aha-Erlebnisse aus der letzten Zeit, die in dem vorhergehenden Text nicht erwähnt sind. - Vielleicht bringe ich das Ganze auch irgendwann einmal in eine geschlossene Form!

Die starke, talseitige Abspannung hat sich nicht bewährt. Nach etlichen Regen - TrocknungsPerioden hängen die Seile schlaff durch. Auch die Verwendung des Netzes selber ist stark durch die FeuchtigkeitsAbhängigkeit gestört - wenn man bei einer TrockenWetterPeriode etliche Nächte hintereinander draußen verbringen kann, merkt man, daß man jede Nacht tiefer durchhängt als die vorhergehende.

Aus diesem (und anderen, s.u.) Gründen sehe ich mich nach einem anderen SeilMaterial um. Da gibt es in der Münchner InnenStadt ein Geschäft in der SendlingerStraße, das ich zufällig gefunden habe - nur Seile! Dort ließ ich mich fachkundig beraten.

So ungern ich von reinem NaturSeilen abgehen möchte, so notwendig wird es auch: Mein ganzes außen verwendetes SisalMaterial dürfte in 3 Jahren bis zur Unbrauchbarkeit verrottet sein, bei derzeit DM 3_000.- verbautem Material werde ich also an jedem Tag um etwa DM 3.- ärmer. Man riet mir zu Poly-Hanf.

Poly-Hanf ist offenbar aus KunstFaser (PolyPropylen) gefertigt, sieht aus wie HanfSeil, ist etwa 30% reißfester als Sisal und verrottet wesentlich langsamer. Außerdem soll es sich nicht so stark verkürzen, wenn es Wasser aufnimmt. Wenn es so ist, werde ich es demnächst hier berichten, wenn nicht, dann erst recht.

Ein zweiter Grund für das neue Material ist das Netz in 20 Meter Höhe, das sich im wesentlichen immer noch im PlanungsZustand befindet. In der Höhe will ich BauStoffe mit konstanten Eigenschaften haben!

Der Weg zu diesem Netz ist steinig. Ich kaufte ein richtiges BergSeil, um das Abseilen zu üben - das ging. Im Dülfer-Sitz, nicht mit Abseilachter! Meine Versuche, an einem glatten BaumStamm nach oben zu kommen (Prussik-Knoten um den Stamm, übliches Verfahren), schlugen jedoch fehl. Da mache ich wohl noch etwas falsch. Auch wenn ein nackter BaumStamm den alpinen SchwierigkeitsGrad 6 hat, sind 60 cm HöhenGewinn pro Stunde zu wenig.

Bleibt die 'brute-force' Methode: Zwischen zwei Bäumen kleine Netze jeweils zwei Meter übereinander, StrickLeitern dazwischen. Schon dafür brauche ich Seile mit konstanten Eigenschaften, da die beiden Bäume durch diese temporären Netze stark belastet werden und abgespannt werden müssen. Das dauert noch etwas, bis ich da zu Ergebnissen komme - schließlich wird es allmählich Winter.


Der Weg zum HochNetz

Inzwischen (96-11-12) bin ich bei einer ArbeitsPlattform in 11.20 m Höhe. Ich berichte hier die neuen Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Die Idee, einen SicherheitsKäfig über dem anderen zu bauen, funktioniert tatsächlich. Wegen des geringen Abstandes der beiden verwendeten Bäume ist das Problem, daß diese durch den Seilzug aufeinander zugezogen werden, nicht so schlimm: wurzelnah können diese Bäume die Kräfte ertragen, und weiter oben handelt es sich ja nur um maximal 20 Zentimeter SeilVerkürzung - viel weniger, als die Bäume in einer leichten Brise schwanken.

Der MaterialVerbrauch ist noch höher als erwartet. Folgende Tricks:

Man muß dauernd tote Äste entfernen, die einem im Wege stehen. Säge ist zu mühsam, und an einer Axt hatte ich mich schon beim ersten Versuch verletzt, als ich versehentlich in die Schneide griff. Aber ein VorschlagHammer (600 Gramm) ist brauchbar! Tote Äste können leicht am Stamm bündig abgeschlagen werden. Außerdem braucht man einen Hammer, um die Knuddeln einzuschlagen.

Die Knuddeln sind eine unbedingt notwendige Erfindung. Die SicherheitsKäfige sind nämlich nur so breit wie der Stamm der beiden Bäume, und das wird weiter oben immer weniger. Man kann sich kaum noch umdrehen. Um die beiden SeitenNetze, die je einen SicherheitsKäfig bilden, weiter voneinander zu entfernen, winde ich mir kleine SeilRöllchen aus jeweils 3 Meter 6 mm Seil und drücke diese so zwischen BaumStamm und umlaufendem Seil, daß dieses um 2 bis 3 cm vom Stamm abgehoben wird. Bringt 5 cm zusätzliche Käfigbreite! - Diese Knuddeln müssen bei straffen KäfigSeilen mit dem Hammer an ihren Platz eingetrieben werden.

Noch weiter oben, wo der Stamm noch dünner sein wird, sind lebende Äste, die man (vermutlich) für die KäfigVerbreiterung verwenden kann.

Ausblick: Wenn ich etwa 16 oder 17 Meter erreichen sollte (Also noch 6 Meter), dann bin ich über dem FunkHorizont meines schnurlosen Telefons - meine Wohnung ist nämlich gerade 300 Meter vom Netz entfernt. Das läßt daran denken, auf dem HochNetz nicht nur den Laptop benutzen zu können, sondern von dort auch wieder ins Internet zu kommen! Endlich eine echte Begründung für diese ganzen Aktivitäten!


Die Harfe

Inzwischen ist der 7. Dezember 1996 - während ich diesen Abschnitt schreibe. Alle Tätigkeiten ruhen - mit klammen Fingern kann man nichts knoten. Aber es gibt doch ein paar neue Entwicklungen;

Vor drei Tagen habe ich mich einmal auf die allererste SeilBank (s.o.) gesetzt. Dabei brachen innerhalb weniger Sekunden die meisten der tragenden Sisal-WäscheLeinen - alle schon schwarzgrau verrottet. Noch im Mai habe ich auf dieser Bank mit der Lydia zusammen gesessen - und die ist nicht gerade ein Leichtgewicht.

Nun ja, diese Seilbank war der erste Versuch, und die WäscheLeinen waren wohl kaum das beste Sisal-Material, das man bekommen kann. Trotzdem haben wir jetzt die erste Lebensdauer-Messung: Juni 1995 bis Dezember 1996 - 18 Monate

Ich schnitt die Bank ganz herunter und entsorgte eine Plastiktüte voller vergammelter Seile - einzelne BindFäden, die ich damals noch verwendete, schienen aber noch völlig neu. Zeigt die Überlegenheit von KunstStoff!

Die PolyHanf-Seile, die ich schon in großer Menge auf Lager habe, sind noch nicht im ernsthaften Einsatz. Einige sind mehr dekorativ als Geländer auf dem SechsMeterNetz gespannt, und in der Tat scheinen sie sich bei Regen deutlich weniger zusammenzuziehen. Andererseits scheinen sie auch gegen Schamfilen empfindlicher zu sein, und die Enden dröseln sich schneller und feinfädiger auf als die von SisalSeilen. RückSpleiß oder Takling ist nötig, aber das Verschmelzen der einzelnen Enden mit einem FeuerZeug geht schneller - übliches Verfahren bei synthetischen Seilen. (Daß die fanatische und militante NichtRaucherin Josella mal ein FeuerZeug mit sich führen würde - wer hätte das noch vor 6 Monaten gedacht?) - Ob da überhaupt echter Hanf drinnen ist? Auf meinen 6 mm PolyHanf-Seilen steht

"100% Polyester".

Die Harfe. Weiter oben habe ich beschrieben, wie man eine Abspannung macht. Mit dem auch schon erwähnten SpannKnoten gehts besser. Das Ende eines Seiles (i.A. 10 mm oder mehr), das zum Abspannen verwendet wird, wird über etliche Schlingen, die je mit einem SpannKnoten fixiert sind, an einem Abspannpunkt gebunden - also etwa wurzelnah an einem Baum. Man muß dabei diese Schlingen so positionieren, daß man die ganze KörperKraft oder sogar das KörperGewicht einsetzen kann. Rasch reihum alle Schlingen maximal zu spannen führt auf dem eigentlichen AbSpannSeil dann zu einem KraftFluß, der der Summe dieser Kräfte entspricht. Vorteil: Jederzeit ist eine schnelle Nachspannung möglich, oder auch das Hinzufügen weitere SpannKnotenSchlingen.

Harfe nenne ich diese Konstruktion, weil mehrere solcherart sauber übereinander angeordnete SpannSchlingen entfernt an eine Harfe erinnern. Man kann allerdings die SpannSchlingen ziemlich chaotisch durcheinander legen - dann verliert man beim NachSpannen leicht die Übersicht oder vergißt sogar, einzelne Knoten nachzuspannen.


Tree Climbers International

Bei all diesen Aktivitäten erfuhr ich übrigens von einer Tree Climbers International - Assoziation in den USA. Die haben sogar einen eigenen Server. Da ist zu erfahren, daß es solche Dinge wie tree-top-camping oder tree-top-parties schon längst gibt - ich habe das nicht erfunden!


Das anisotrope Netz

Noch etwas, worüber ich bis jetzt nur spekulativ berichten kann: Das Anisotrope Netz. Wenn man ein hohes, möglichst stark gespanntes Netz haben will, so muß man SeilVerspannungen an die NachbarBäume rundherum führen, wie schon erwähnt. Das geht aber nicht, wenn man ein Netz in Bäumen am WaldRand hat - in einer Richtung sind dann keine Bäume zum Abspannen mehr.

Wahrscheinlich muß man sich auf die Abspannung parallel zum WaldRand beschränken. Das sollte ausreichend sein, um das Netz am Durchhängen zu hindern, wirkt sich aber wahrscheinlich auf die mechanischen Eigenschaften aus.

Bei einem Netz an einer WaldEcke oder zwischen einzeln stehenden Bäumen geht natürlich nicht einmal das.


RisikoAnalyse

Etwas RisikoAnalyse. Daß die Arbeit in einem Baum nicht ganz ungefährlich ist, wir die Leserin wohl einsehen. Andererseits führt sich der NormalBürger immer wieder selbst hinters Licht, wenn es um die realistische EinSchätzung von Gefahren geht. Wie gefährlich ist das Ganze?

Im TeenagerAlter hat man die geringste Wahrscheinlichkeit, zu sterben. In diesem Lande ist das etwa ein Promille pro Jahr. Mit Erreichen des führerscheinfähigen Alters steigt dieser Wert sofort an, woran man sieht, was einen in unserer Zivilisation am meisten bedroht, solange man noch jung und gesund ist. Wen genaueres interesiert, der kann sich die SterbeTafeln ansehen.

Wenn ich einer Tätigkeit nachgehe, die diese geringe SterbeWahrscheinlichkeit nicht wesentlich erhöht, sollte dies vertretbar sein. Rechnen wir mal nach: Ich will eine zusätzliche SterbeWahrscheinlichkeit von nicht mehr als einem zehntel Promille pro Jahr haben, wenn ich meine ganze freie Zeit in den BaumKronen herumturne. Das ist pro Tag eine SterbeWahrscheinlichkeit von etwa 0.000_000_3, und bei 12 Stunden Aufenthalt im Netz etwa 0.000_000_025 pro Stunde - ein VierzigMillionstel. Ist das zu erreichen?

Man müßte jetzt Statistiken heranziehen. Ich nehme an, daß das bloße HerumKlettern in Bäumen gefährlicher ist - AusRutschen, AstBruch, UnAchtsamkeit. Bei einer derartig geringen UnfallWahrscheinlichkeit würde man kaum je von Unfällen beim BaumKlettern hören.

Um die UnfallWahrscheinlichkeit noch weiter zu drücken, muß man es so einrichten, daß mehrere Dinge schieflaufen müssen, damit etwas passiert. Beispiel NetzVersagen: Es müssen mehrere Seile reißen, bevor man herunterfällt.

Das läßt sich sicher erreichen - problematischer wird das eigene Verhalten. Man kann zum Beispiel in exponierter Position angeseilt arbeiten. Dann könnte es in einer typischen Situation für einen fatalen Unfall notwendig sein, daß Versagen des SeilNetzes (mehrere SeilRisse), Versagen der Sicherung und UnAchtsamkeit zusammenkommen müssen, bevor ein Unfall passiert. Wahrscheinlich sind die geringen gewünschten UnfallWahrscheinlichkeiten dann gegeben. Aber diese Situationen sind genau die, wo man sich so teuflisch sicher fühlt, daß man dann auf einen Teil der SicherheitsMaßnahmen verzichtet - etwa auf das lästige Anlegen von Hosen- und BrustGurt. Und schon hat man eine winzige Wahrscheinlichkeit, ums Leben zu kommen, um zwei ZehnerPotenzen erhöht. Sie ist immer noch winzig, aber über die Jahre hinweg akkumuliert ...

Jeder muß seinen eigenen Weg zur Sicherheit finden. Ich habe Menschen gekannt, die eine so große motorische Ungeschicklichkeit hatten und eine solche Tapsigkeit, daß im allgemeinen etwas zu Bruch ging, kaum daß sie 5 Minuten im Zimmer waren. Für solche Menschen ist eine BaumKrone, ob mit oder ohne SeilNetz, wohl nie der richtige AufenthaltsOrt. Für die anderen: Ständig MitDenken, und die Es-müssen-mehrere-Sachen-Schiefgehen Strategie. Mehr kann man nicht tun.


TageBuch am 97-02-12: Passivität und Entdeckung

Ein Überblick über das, was in den letzten paar Monaten passiert ist.

Seit November hält der Frost das Land im Griff. Solange Seile noch trocken sind, könnte man sie noch bei Minus-Temperaturen knoten - aber meine Finger machen nicht mehr mit. Erst jetzt, Anfang Februar, waren mal wieder ein paar AußenÜbernachtungen möglich - bei minus 25 C habe ich mir das nicht getraut. Mit diesen AußenÜbernachtungen war es möglich, ohne allzu große Investitionen an FrühAufstehen einen Blick auf den Kometen Hale-Bopp zu werfen, bevor der OstHimmel hell wurde.

Die Harfen haben sich leidlich bewährt - wenn sie lange im Einsatz waren, kann man sie aber erst nachspannen, wenn die Seile wieder ganz trocken sind - dann ist es aber auch am notwendigsten.

Die wenigen provisorisch benutzen PolyHanfSeile zeigen nur wenig Reaktion auf Feuchtigkeit - aber sie sind in der Tat empfindlicher gegen Schamfilen. Rückspleiß am Ende oder EinSchmelzen der SeilEnden ist unbedingt erforderlich.

Einen Tag vor HeiligAbend hat es EisRegen gegeben - und zwar so gründlich, daß sogar im Wald ein VorwärtsKommen schwierig war - alle talwärts liegenden Äste hatten sich in Mini-RutschBahnen verwandelt, die später dann ganz tückisch unter Schnee lagen. Zeitweise schwebte das SeilNetz, durch RauReif in einen wirklicheitsfernen KristallPalast verwandelt, ganz unnahbar zwischen den Bäumen.

Die Zeit erzwungener Untätigkeit im Winter ließ sich nutzen. Zum Einen habe ich mehr alpintechniches SicherungsMaterial beschafft - ExpreßSchlingen, Karabiner, AbseilAchter, BandSchlingen, HMS-Karabiner. Außerdem laß ich noch mehr über alpine KletterTechnik, was aber am Baum häufig nicht nützlich ist. So verbietet sich natürlich die Anwendung von FelsHaken, und KlemmGeräte und Hexcentrics können gar nicht genutzt werden und wurden deshalb auch gar nicht angeschafft.

Dann wurde auch mehr Aufwand in KraftTraining investiert - einen einarmigen KlimmZug kann ich zwar immer noch nicht, aber etwa auf einer StrickLeiter vorübergehend die Sprossen unter den Füßen zu verlieren bringt mich noch lange nicht in Panik. (Abgesehen davon ist die Arbeit am Netz sowieso ein KraftTraining an sich - das RumKlettern auf demselben, das SeilFestZiehen und das SeilDurchHolen.)

Das HochNetz wird nicht wesentlich höher als 16 Meter über dem WaldGrund sein. Möglicherweise wird es am Anfang nicht horizontal sein, und ich spekuliere über eine Methode, das HochNetz an Geländern aufzuhängen, daran hochzuziehen und ständig höhere neue Geländer anzubringen und die jeweils unteren wieder abzubauen. Ganz zum Schluß, wenn das HochNetz die gewünschte Höhe und eine perfekte horizontale Lage erreicht hat, wird es erst endgültig gestrafft.

Aber das ist im Moment noch Theorie. Man wird sehen.

Am 10. Februar haben dann doch Jugendliche das Netz entdeckt. Damit war natürlich zu rechnen. Erstaunlich war, wie schnell und wie unbefangen sie diese doch offenbar in PrivatBesitz befindliche Einrichtung zum Klettern benutzen - bis ich dazwischenfunkte. Allzuviel UnrechtsBewußtsein schien da nicht vorhanden zu sein. Also habe ich die Namen in Erfahrung gebracht und reihum die Eltern zwecks RechtsBelehrung angerufen.

Allerdings werden für die Zukunft echte Hindernisse gegen Besteigen des HochNetzes erforderlich sein.


TageBuch am 97-02-19: AnlegeLeiter

Ich brauche einen griffigen Namen für die ganze Angelegenheit - für den Fall, daß man - oder jemand - die Sache doch mal kommerziell betreiben will. Ich denke, SeilNest ist gut, vielleicht auch HochSeilNest oder HochNest. Jede Assoziation mit 'Netz' führt etwas in die Irre.

Außerdem denke ich daran, in diesem Jahr ein völlig neues Nest schnell hochzuziehen - erstens durch Verwendung vorgefertigter PolyHanfNetze - sowas muß es geben - und zweitens durch Verwendung einer AnlegeLeiter - auch diese Konzession an AufbauGeschwindigkeit müßte gemacht werden. AnlegeLeitern gibt es bis 8 Meter Länge, was für viele Leute hoch genug ist.

Ich selber habe jetzt in RekordZeit - unser AllesWarenLaden im Dorf ist manchmal wirklich schnell - eine 18-sprossige und 5.30 Meter lange AnlegeLeiter beschafft, um etliche Arbeitsvorgänge zu beschleunigen. Wahrscheinlich müssen ja alle Netze unter 5 Meter Höhe abgebaut werden, um widerrechtliche FremdNutzung zu verhindern. Eine Erfahrung, schnell hier mitgeteilt: Es ist bei einer AnlegeLeiter auf unebenem WaldBoden immer eine Sicherung derselben durch Seile erforderlich. 20 - 30 Meter ReepSchnur reichen - die läßt sich gut knoten und nachher problemlos wieder abziehen.

Noch eine Erfahrung: Die Sprossen sind für die Karabiner der KletterSteigSicherung zu dick. Aber man kann sich jeweils mit einer ExpreßSchlinge behelfen.

Abgesehen davon ist es wieder saukalt, man kann nichts tun.


TageBuch am 97-02-20: SturmRitt

Heute habe ich mich nicht an die Empfehlung unten gehalten und habe stundenlang bei StarkWind geflochten - Eine neue WartungsPlattform in 7 Metern Höhe, die das darunterliegende Netz - nein Nest - eins und zwei ersetzen soll, da diese abgebaut werden müssen. Außerdem leide ich durch den langen Winter an SeilNestFlechtEntzugsErscheinungen.

Die andere Empfehlung unten mit dem AnseilGurt und der SelbstSicherung habe ich auch nicht befolgt - das ist kein Grund, das nachzumachen!

Jetzt noch ist mein GleichGewichtsSinn gestört, und die Küche scheint zu schwanken. Außerdem bin ich müde - acht Stunden lang hat meine Muskulatur ganz autonom versucht, das GleichGewicht zu halten. Dazu noch der Druck in den Ohren durch den lauten Wind.

Da es sich um ein ZwischenHoch gehandelt hat und meistens die Sonne schien, habe ich angenommen, daß ganz starke Böen, die Bäume brechen können, nicht auftreten werden. Wenn das doch mal passiert, werden diese WWW-Seiten eigenartigerweise lange Zeit oder nie mehr aktualisiert werden ... jedenfalls eine gute Vorbereitung für das 16-Meter-Nest.

Bei dem stürmischen Wind hätte man das Knirschen der Seile, das einen Bruch ankündigt, nicht hören können. Andererseits - ich bilde mir ein, daß ich die Eigenschaften der Seile, wenn sie neu sind, im Gefühl habe.

Dieser Tag war nicht vorbildhaft für die auf Sicherheit bedachte Leserin. Aber es macht süchtig. Außerdem war es interessant, zu beobachten, wie das Netz durch die Reibung zwischen den Seilen die BewegungsEnergie der schaukelnden Bäume abbaut.

Ich bemerke eine neue Krankheit an mir: Wohin immer ich komme, und wo immer Bäume stehen, überlege ich: Wo kann eins hin?


TageBuch am 97-02-22: PachtVertrag

Heute bin ich mir mit dem WaldBesitzer einig geworden - es ist ein PachtVertrag. DM 300.- pro Jahr. Billig, verglichen mit einem Urlaub in der Karibik. Als er von unten durch den Wald zu mir heraufstiefelte und ich vom Netz herabstieg, weil ich ihn erkannte - ich in vollem Alpin-Ornat, im AnseilGurt und mit SteinSchlagHelm - fiel mir eine PlastikTüte herunter. Da war der Hammer zum EinKnuddeln drin. Deutliche Demonstration der Notwendigkeit von SicherHeitsMaßnahmen, nicht?

Nach SonnenUntergang habe ich noch einmal zwei Stunden im VollMondLicht oben verbracht, um etwas zu arbeiten. Das geht tatsächlich, solange man nur Routine-Knoten legt. Sowie es etwas kompliziert wird, könnte man mehr Licht gebrauchen.

Jetzt muß ich noch etwas meine schriftstellerische Phantasie obwalten lassen, um den PachtVertrag zu schreiben.


TageBuch am 97-03-09: HochLeiter und Talje

Es ist geschehen - die beiden unteren Netze sind weg, das 6-Meter-Nest nur noch mit der AnlegeLeiter erreichbar. Erinnerungen bleiben ein paar. Egal - weiter. Die AnlegeLeiter erhält ihren festen Platz unter den Nestern, bei NichtGebrauch mit zwei Ketten und zwei VorhangSchlössern an zwei Bäumen befestigt.

Das NetzMaterial wird kannibalisiert - ein paar brauchbare Tampen sind da noch drin, und kurzseilige Abfälle werden, soweit es sich ausschließlich um Sisal handelt, verwendet, um einen Trampelpfad in 'meinem' Wald rutschfest zu machen. Trotzdem ist ein ganzer MüllSack voller unverwertbarer Abfälle bereits den fürsorglichen Händen der kommunalen MüllAbfuhr überlassen worden.

Heute habe ich verschiedene Variationen der Technik, die Anlegeleiter vom 6-Meter-Nest aus zu verwenden, um auf 12 Meter Höhe zu kommen. Es sah von außen wahrscheinlich wackeliger aus als es war. Allerdings hat ein mäßiger Wind für ständige 'mechanische Unruhe' gesorgt. Es ist noch nicht alles ausprobiert. Bis jetzt ist die Methode, die man bei einer AnlegeLeiter auf festem Boden verwendet, auch die machbarste - also Stellung im Winkel von 15 bis 20 Grad. Unbefriedigend, da man die Leiter unten mit Seilen sichern kann, und ebenso, wenn man oben angekommen ist. In der Mitte kommt man nicht an den Stamm, um ihn umarmend mit einem Seil mit der Leiter zu verbinden. - Weitere Experimente werden folgen.

Dafür scheint die Luv-Abspannung mit Talje möglicherweise ein Erfolg zu werden, in Ersetzung oder Ergänzung der Harfe.

Eine Talje ist letzten Endes ein FlaschenZug. Allerdings möchte ich kein FremdMaterial in meinem Netz haben - UmlenkRollen aus Metall, zum Beispiel, und auck keine HolzBlöcke wie in der frühen SeeFahrt. Und die SeilUmlenkung einfach über dicke MehrFachSchlingen (wegen des KrümmungsRadius) zu bewerkstelligen kann eigentlich nicht funktionieren, wegen der Reibung. Möchte man meinen.

Nach nur einem Tag scheint sich aber zu zeigen, daß es doch geht. Ständig bewegt sich alles, Bäume, Seile, durch den Wind und durch die Begehung des Nestes. Ständig rutschen SeilVerbindungen in die energetisch günstigste Konfiguration - so wie auch ein frisch geknüpftes Nest aus keinem anderen Grunde abschlafft als durch die Repositionierung ungünstig verlaufender Seile. Deshalb wird sich auf einem FlaschenZug mit der unter reibungsfreihen Bedingungen bestehenden KraftVerteilung 1/2 + 1/4 + 1/8 + 1/8 trotz der Reibung mit der Zeit ganz genau diese KraftVerteilung einstellen. - Tja, und dann spannt man den 1/8 - Strang nach - eventuell mit einer Harfe. Eine solche Abspannung muß man oft nachspannen, bis sie ihre BetriebsWerte erreicht hat - in Abhängigkeit vom Wind und den sonstigen dynamischen Belastungen.

Ein bißchen ist das noch Theorie. Man wird sehen. Immerhin ist das der Weg, um KraftFlüße zwischen Punkten einzustellen, wo eine Harfe einfach unerreichbar wäre - man muß ja nur den NachSpannStrang erreichen können!

Für die Talje gibt es hier noch ein bißchen Theorie.

Ein großer Vorteil des PolyHanf-Materials: das Feeling ist besser - wenn man einen ganzen Tag mit SisalSeilen gearbeitet hat, muß man abends etliche feine Splitter aus der Haut ziehen. PolyHanf ist viel weicher im Griff.

Noch ein Vorteil: Nach 'Sisal' kann man nicht gescheit mit einer Internet-SuchMaschine suchen, weil es eine gleichnamige ProgrammierSprache gibt. Nach 'PolyHanf' schon: Lycos findet null Treffer.

Mit dem neuen Zugang kann ich es mir jetzt leisten, einen größeren Teil meines MaterialLagers draußen zu halten. Das wird manchen Gang ersparen.

Heute Nacht penne ich - wie gestern - wieder draußen.


TageBuch am 97-03-15: JagdPächter

Denkt man, man hat an alles gedacht - ein paar Behörden gefragt, PachtVertrag mit dem WaldBesitzer - dann kommt doch noch etwas. Vorgestern tauchte ein Mann in dem Wald auf, der sich äußerst ungehalten über das HochSeilNest zeigt. Es stellte sich heraus, daß dieser Herr ein JagdPächter (oder ein JagdBegeher, was immer das sein mag) war. Seinem Wunsch, daß das 'Zeug' verschwinden möge, habe ich natürlich nicht entsprochen.

Es hagelte Vorwürfe, die auf eine Störung der WildPopulation in der Gegend hinausliefen. Daß der Zuzug in unserem Dorf und dessen Wachstum verbunden mit einem größeren SpazierGängerAufkommen in den letzten Jahren das WildVerhalten zwangsläufig ändern muß, wollte er nicht einsehen, ebenso die Auswirkungen eines neugebauten ReitStalles in 300 Meter Entfernung. Es ist mir wohl nicht gelungen, ihn davon zu überzeugen, daß es in dieser Welt und ganz besonders in diesem Wald jemanden geben muß, die einmal den Bau eines HochSeilNestes ausprobiert.

Mit weiteren MißfallensÄußerungen entfernte er sich wieder. Mal sehen, was da noch kommt. Vielleicht sollte ich in einem kurzen Schreiben BürgerMeister und GemeindeRat von der Existenz des HochSeilNestes unterrichten.

Die Barriere muß überdacht werden. Da die Entdeckung durch Jugendliche nun geschehen und der ZugangsSchutz des HochSeilNestes nicht mehr aus Verstecktheit, sondern aus ZugänglichkeitsErschwerung beruht, hat die Barriere einen Teil ihrer ExistenzBerechtigung verloren. Zusammengehäufeltes Holz könnte aber in trockenen Sommern eine FeuerGefahr darstellen. Da muß etwas getan werden. Wahrscheinlich reicht es aus, die größten Haufen wieder zu zerstreuen.

Etwas anderes ist mir jetzt erst aufgefallen oder so richtig zu BewußtSein gekommen: Das EigenGewicht des Netzes. So ein paar Seile hoch zwischen den Bäumen sehen vielleicht auf den ersten Blick filigran aus, sind es aber nicht. Das habe ich bei den abgenommenen unteren Netzen gemerkt. Da hängt durchaus mein KörperGewicht zwischen den Bäumen, und es wird noch mehr werden! Für die Zukunft: Bei statischen Überlegungen berücksichtigen.

(Ich hätte das hohe EigenGewicht der Seile auch früher bemerken müssen - schließlich habe ich ja die ganzen Seile irgendwann einmal gekauft und nach Hause geschleppt.)

Heute habe ich das erste reine PolyHanf-Nest angefangen. Damit die Leserin nicht den ÜberBlick verliert, welche Nester es gibt und welche nicht mehr: Da ist das 6-Meter-Nest als tiefstes - alles darunter ist abgebaut - und dieses Nest bietet die AnlegeKante für die Leiter an der BergSeite, wo es nur etwas über 4 Meter hoch ist. Außerdem beherbergt es mein MaterialLager.

Hangaufwärts ist das 8-Meter-Nest, das erst Ende Februar entstanden ist - es kann vom 6-Meter-Nest durch eine fast 3 Meter lange StrickLeiter erreicht werden, und es hängt zwischen jenen drei Bäumen, die einst viel tiefer die bodennahen Netze getragen haben.

Zwei Meter über dem 8-Meter-Nest habe ich heute also das 10-Meter-Nest angefangen. Zuvor machte ich mit meinem BergSeil ein provisorisches Geländer um das 8-Meter-Nest herum, in das ich mich zum Sichern immer einklinken konnte, besonders beim Überkopf-Arbeiten - es ging heute wieder etwas Wind. Das BergSeil ist jetzt noch da - normalerweise lasse ich sicherheitstechnisches Material höchst ungern am HochSeilNest. Aber wer sollte im nachtdunklen Wald meine Leiter losschneiden, um sie anzustellen, dann raufzuklettern und meine Sachen zu beschädigen oder zu stehlen?

Während die tragenden RandSeile bei allen früheren Nestern zwei oder mehr SisalSeile mit 10 mm DurchMesser waren, sind es jetzt zwei gedrehte 12 mm PolyHanfSeile. Der größeren Höhe muß durch einen größeren SicherHeitsFaktor Respekt gezollt werden. Morgen sollte ich soweit kommen, daß ich drauf sitzen kann - die Strickleiter, um vom 8-Meter-HSN auf das 10-Meter-HSN zu gelangen, habe ich heute abend noch in der Küche geschlagen.

Talwärts stehen dann noch die beiden Bäume, die inzwischen bis in 15 Metern Höhe mit Sisal-Seilen 'eingerüstet' sind.


TageBuch am 97-03-19: KassenSturz

Das 10-Meter-Nest erstreckt sich mit seinen SeilAusläufern jetzt bereits zum großen Teil über das 6-Meter-Nest. Gestern habe ich, nach dem am 9. März erprobten Verfahren, mit der AnlegeLeiter vom 6-Meter-Nest die talseitige FortSetzung des 10-Meter-Nestes begonnen. Dort, wo die Seile um den Baum geschlungen werden, sind sie etwa 12 Meter über Grund. Ich konnte gut arbeiten, weil kaum Wind war - heute ist das schon wieder anders.

Der Wald ist bei Wind nun ständig vom Knarren reibender Seile erfüllt - Romantik oder nicht, das ist ein Symptom mechanischer NachLässigkeit, das eigentlich vermieden werden sollte.

Ein weiteres Problem für die Zukunft, das ich noch nicht in die Praxis umgesetzt habe: SeilSchlingen um BaumStämme sollten vielleicht bei Seilen mit langer LebensDauer mit AbstandsHaltern geschlungen werden - den schon woanders verwendeten Knuddeln eben. Das Wachstum des Stammes sollte nicht eingeschränkt werden. Aber da muß ich mich mangels eigener Kenntnisse irgendwann doch einmal mit einem HolzSpezialisten unterhalten.

Ein KassenSturz brachte jetzt folgendes Ergebnis:

        Diverse BindFäden                   300.-
        Sisal bestellt                      200.-
        Sisal bevorratet                    400.-
        Sisal verbaut                     2_500.-
        PolyHanf bestellt                   850.-
        PolyHanf bevorratet               2_500.-
        PolyHanf verbaut                    300.-
        Alpines SicherungsMaterial        1_000.-
        Decken                              500.-
        AnlegeLeiter                        309.-
        Allgemeines WarnSchild               10.-
        WarnSchilder bestellt               100.-
        WaldPacht 1997 bis 1999             900.-
        Literatur                           200.-
        Relevanter InternetZugang           600.-
        Relevante Telefonate                 25.-
        Relevantes Porto                      6.-
        InsektenSpray                        50.-
        WerkZeug                             70.-
                                          -------
                                         10_820.-

Periphere Ausgaben wie etwa das NachtSichtGerät oder schon vorhandenes WerkZeug oder RechnerAbschreibung rechne ich nicht in das Projekt hinein, ebenso nicht meine ArbeitsZeit, weil ich die ja auch nicht genau erfaßt habe und auch nicht weiß, welchen StundenSatz man anwenden sollte. Einige Zahlen sind nur ungenau zu erfassen, die tatsächliche Kosten könnten um DM 2_000.- höher oder tiefer liegen.

Diese Zahlen kontrastieren natürlich mit den Kosten von vielleicht DM 300.- für das einfachste, übernachtungsfähige SeilNest. Was es in die Höhe treibt sind natürlich:
- meine Arbeiten an mehreren Nestern, des Experimentierens halber,
- die große Fläche einiger Nester,
- die hohe Bevorratung, die das tatsächlich gebrauchte Material sicher übersteigt,
- die große Höhe einiger Nester.

Diese Zahlen sollte man sich also zu Gemüte führen, wenn man ähnliche Projekte durchziehen möchte!


TageBuch am 97-03-25: Polypropylen?

Vor einiger Zeit fiel mir auf, daß einige der PolyHanf-Rollen uneinheitlich beschriftet waren: Polypropylen steht meistens drauf, einmal jedoch Polyester. RückFrage bei Kienmoser in München brachte die Auskunft, daß die Herstellung von PolyHanf aus Polyester technisch unmöglich sei. Also war eine der Rollen falsch beschriftet.

Damit ergeben sich jedoch sofort einige Folgerungen: Polypropylen ist abolut feuchtigkeitsunempfindlich, aber es mag kein UltraViolett. Das heißt, daß sich eine KnotenStrategie ändert: Große KnotenKonglomerate, auch wenn ein Zeichen unüberlegten Knüpfens, sind kein Unding mehr. Der längere Verbleib des RegenWassers in den Knoten stört nicht, hingegen schützen sie sich besser gegen LichtEinwirkung. Dünnes TauWerk dürfte am meisten durch Licht gefährdet sein.

Nicht nur theoretisch, auch praktisch knotet PolyHanf sich ganz anders. Es ist deutlich angenehmer. Dafür habe ich aber auch schon Knoten gesehen, die sich wieder lose gearbeitet hatten - Hinweis auf meine NachLässigkeit, oder auf schlechtere KnotenHaltbarkeit des Materials? Eine der Folgerungen: der mehrfache WebleinenStek / rolling hitch wird häufiger verwendet, verglichen mit früher, und der AchtKoten wird manchmal doppelt, in TandemKonfiguration, verwendet. Strategie: Damit ein Seil statisch nutzlos wird, muß es sich vorher aus sehr vielen Knoten herauswinden.

Nach einer windigen und regnerischen Nacht hing ein Teil des schon fertigen PolyHanfNetzes ärgerlich durch - es kann aber sein, daß das Sisal-Nest darunter die Bäume aufeinander zugezogen hat. Es wird sich zeigen, woran es liegt.

Mit Erreichen des lebenden AstWerkes der großen Fichten stellt sich allmählich heraus, daß dieses zwar optisch angenehm, aber sehr lästig ist. Natürlich will ich Äste nicht beseitigen, bloß weil sie mir beim Knoten dauernd den Nacken kratzen. Aber man muß ständig auf der Hut sein, daß man nicht durch eine eigene Reflex-Bewegung in die Tiefe geschleudert wird. Und - mein Empfinden - vermitteln die Äste ein Gefühl trügerischer Sicherheit. Vielleicht, weil man die nackten Stämme nicht mehr in jeder Richtung sieht. Oder weil ich inzwischen höher als die etwas niedrigeren Bäume des im Süden anschließenden Waldes bin - der ganze optische Eindruck ändert sich mit jedem Meter erreichter Höhe. Viel schneller als beim Besteigen eines Berges.

Das merkt man auch an einem anderen, verblüffenden Effekt, den man sich eigentlich vorher hätte klarmachen können. Wenn man auf dem Rücken auf dem 10 Meter Nest liegt, um zu dösen, geht einem ein bißchen das 'HochWald-Gefühl' abhanden: Die Bäume, die man aus diesem BlickWinkel sieht, sind alle 10 m kürzer als gewohnt!

Der weitere Ausbau läßt noch etwas deutlich werden: Ich muß darauf achten, daß die SeilNester nicht zu groß werden. Ich will ja schließlich ein SeilNest in einem Wald haben und nicht ein SeilNest mit etwas residualen BaumBestand drumrum. Natürlich ist das im Moment eine Folge der TatSache, daß verschiedene Nester mit verschiedenem EntwicklungsStand gleichzeitig vorhanden sind. Wenn die beiden Sisal-eingerüsteten Bäume wieder frei sind und die jetzt unteren Sisal-Nester abgebaut werden (müssen), dann wird das HochNest für sich alleine wieder unauffälliger aussehen.

Andererseits - es gibt noch einen Grund für das Belassen mehrerer Nester: Ich werde nicht jünger. Es ist einfacher und sicherer, in Stufen das jeweils oberste SeilNest zu erreichen. Was, wenn ich - oder jemand - da oben erkranke? Oder kurze OhnMachtsAnfälle auf einer StrickLeiter? - Nicht, daß ich siech wäre, aber alles ist möglich.

Über Ostern soll es ein paar brauchbare Tage geben, wettermäßig. Aber je näher Ostern rückt, desto defensiver werden die AusSagen der Meteorologen.


TageBuch am 97-03-28: KarFreitagSturm

Unbelästigt von ArbeitGeber und sonstigen VerPflichtungen könnte ich heute ordentlich was tun. Aber Sturm und Regen lassen mich nicht raus. Wie geht's meinem Wald? Wie egal mir das früher war!

Das sind übrigens die 'sonnigen 22 C', die uns die Meteorologen noch vor einer Woche versprochen haben!


TageBuch am 97-04-05: Unfall

Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung. Nein, ich bin nicht abgestürzt. Nach getaner Arbeit habe ich mir vor einigen Tagen eine Flasche LöwenBräu alkoholfrei gegönnt. Während ich mit dem TaschenMesser den KronKorken von einer Flasche abgehebelt habe - sicher auf festem Boden stehend - sah ich nach oben auf meine letzten NestArbeiten. Den Daumen habe ich auf den KronKorken gedrückt, damit er nicht runterfällt - in meinem Wald liegen keine KronKorken rum!

Naja, dabei bin ich mit dem Messer ein bißchen abgerutscht. Der Mediziner würde von einer sauber chirurgisch gesetzten Wunde sprechen. Das TaschenMesser war steril weil frisch geschliffen - deshalb ging es ja auch so problemlos tief in den Daumen hinein. WundVersorgung durch einfaches Zusammendrücken und Heftpflaster für 24 h reichte aus. Aber das KnotenLegen geht für etliche Tage nicht besonders gut.

Glück im Unglück: Das Tief Undine schüttelt Deutschland zur Zeit ein bißchen durch - Wind und SchneeRegen. Man kann sowieso nichts machen. Die Frustation habe ich über einen jungen Mann - übrigens der Freund der schon erwähnten frühreifen Lydia - entladen, der es gewagt hatte, eine leere MilchTüte in der Nähe meines Waldes wegzuwerfen. Zeitweise steigt die Agression dann so, daß man am liebsten den ganzen Wald einschildern möchte: "Rauchen verboten", "Schutt abladen verboten", "Betreten auf eigene Gefahr, Eltern haften für ihre Kinder", "Zelten verboten", "Vögeln verboten". Aber ich möchte nicht gerade das am Walde zerstören was ich eigentlich beschützen möchte. Es liegt sowieso schon zu viel Zeug herum - da braucht es nicht noch zahllose gelbe Schilder.

Auf einem meiner wichtigsten Bäume habe ich jetzt Läsionen (RindenSchäden) in 8 bis 14 Metern Höhe entdeckt - Südseite. Ein HolzFachMann - übrigens der Vater der ziemlich kleinen Sophie - klärte mich darüber auf, daß es sich um SonnenBrand handele, nicht um BorkenKäfer. Bäume haben auch SonnenBrand? - Wieder was gelernt.

Ein paar Meter des Pfades zum HochSeilNest habe ich durch FeldSteine eingefaßt, damit der WaldBoden nicht noch weiter durch Tritte aufgerissen wird. Es sieht fast professionell aus, besonders nachdem ich mich entschieden hatte, mit einer BromBeerRankenVernichtungsScheere den Pfad etwas durchgängiger zu machen.

Ganz am Anfang dieses Berichtes habe ich etwas über die FlechtMethode für Netze erwähnt. Die Erfahrungen sind immer noch gültig, aber ich sollte für die NachAhmerin noch ein paar Dinge mehr dazu sagen.

Immer wieder stelle ich fest, daß ich selbst die Vorgabe, eine vorhandene Masche mit maximaler KörperKraft zusammenzuziehen, nicht befolge - nicht wegen Faulheit, sondern weil ich immer wieder das Material selber 'in Schutz nehme'. Besonders, wenn durch das ÜberBrücken und Zusammenziehen vorhandener Maschen starke Knicks in den Seilen entstehen, meint man, etwas falsch zu machen.

Das ist Unfug, sowohl bei Sisal als auch bei PolyHanf. Auch das 6 mm Material kann man nicht mit KörperKraft zerreißen. Das Netz erhält durch Seilknicke auch keine zusätzlichen Schwachstellen - es macht sowieso in jedem Knoten starke Knicke. Und außerdem ist es bei den Netzen in größerer Höhe die Regel, daß man selber auf dem gerade geflochtenen Nest sitzt - ein Teil der Kraft wird dazu gebraucht, sich selbst anzuheben und nicht das Netz zu spannen.

Wenn man sich die KraftFlüsse in einem Netz, auf dem man sitzt, klarmacht, kann man daraus auch sofort einige Schlüsse ableiten. Man sitzt ja immer in einer Art Mulde, wie man sie etwa aus PhysikBüchern kennt, wenn das GravitationsPotential einer kugelförmgen Masse demonstriert wird. (Genaugenommen handelt es sich ja auch darum.) In dieser Mulde wird das Netz anisotrop verzerrt, und zwar dergestalt, daß das Netz radial gedehnt und tangential gestaucht wird. Das heißt, daß das ZusammenZiehen der Maschen in tangentialer Richtung durch das eigene Körpergewicht bereits eingeleitet ist - wenn man also weitere Seile in das Netz einflechtet, sollten sie im wesentlichen tangential zum eigenen SitzPunkt verlaufen. Diesen allerdings muß man ab und zu verlegen.

Seile radial einzuflechten bringt überhaupt nichts - diese MaschenÜberBrückungen hängen meistens durch, sowie man sich woanders hinsetzt.

Etwas anderes, worauf man beim Flechten unbedingt achten muß, ist die ReibungsKraft-mässige Ausgeglichenheit aller Nicht-Knoten-Verbindungen, also aller Stellen, wo Seile sich nur einfach umschlingen (was für viele SeilVerbindungen innerhalb des Netzes durchaus sinnvoll ist). Da das Netz sich durch Benutzung und durch Wind dauernd bewegt, wird irgendwann eine neue, energetisch ausgeglichenere Konfiguration erreicht werden - und das heißt dann meistens schlaffes DurchHängen einiger Maschen.


TageBuch am 97-04-12: IG HochSeilNestBau

Tief Waltraud hat die Temperaturen gedrückt, pünktlich zum WochenEnde, während wir die ganze Woche ein BombenWetter hatten - muß ja so sein, nach Murphy.

Das gibt Gelegenheit, daran zu denken, wie unangenehm der HochSeilNestBau wäre, würde man dies in einem abhängig beschäftigten ArbeitsVerhältnis tun. So ärgert man sich nur, wenn irgendwelche Umstände die Arbeit verlangsamen oder unterbrechen. Müßte man einem Vorgesetzten noch Rede und Antwort stehen, dann hätte man die Notwendigkeit, all dies auch noch zu begründen.

Begründungen aber fallen schwer, wenn die Hindernisse zu sehr im subjektiven Bereich sind. Es mag Menschen geben, die bei nur wenigen Grad über Null noch genügend Gefühl in den Fingern haben, zuverlässige Knoten zu legen, vielleicht sogar stundenlang. Ich gehöre nicht dazu. Diese Art von zufälliger Individualität wird aber in der GroßFirmen im IndustrieStandOrt Deutschland oft als ein CharakterFehler des betreffenden ArbeitNehmers gedeutet. Das hat für Vorgesetzte die angenehme Eigenschaft, nichts tun zu müssen, wenn denn etwas möglich wäre (im vorliegenden Beispiel ist das ja nicht der Fall).

Diese Haltung, alles, was anders ist als man selbst, gleich mal zu verteufeln oder wenigstens herabzuwürdigen, ist eine Vorstufe faschistischen, menschenverachtenden Denkens. Am Ende dieses Weges steht die Vernichtung andersartiger Menschen.

Warum gibt es diese GeistesHaltung in unserer ArbeitsWelt so oft? Warum tauchen solche Leute sooft in FührungsPositionen auf?

Das Thema hat eigentlich nichts mit dem HochSeilNestBau zu tun. Es ist halt nur der Ärger über jede ArbeitsVerhinderung, und wenn ich mich ärgere, dann steigen solche Überlegungen eben auf.

Könnte es sein, daß die Josella ähnliche CharakterDefizite herauskehren würde, wenn sie Angestellte hätte, die für sie HochSeilNester bauten? Könnte es sein, daß sie nur deshalb in die einsame ArbeitsUmwelt des isolierten HochSeilNestBaus flieht, weil sie sich die Kooperation mit anderen Menschen nicht zutraut?

Introspektiver Abschnitt Ende. Eben habe ich den Wald nach SturmDurchGang inspiziert und keine Schäden gefunden. Wegen der niedrigen Temperatur habe ich mich dann gleich wieder getrollt.

Einige andere WaldRänder zeigen aber deutliche Schäden. Das ist mir schon früher aufgefallen, daß immer dann, wenn WaldRandBäume gefällt wurde, die dahinter stehenden Bäume dazu neigen, beim nächsten Sturm umzuknicken. WaldRandBäume sind auch tiefer beastet und etwas gedrungener. Ich fürchte, wenn ein Sturm meine LuvSeitenBäume knicken sollte, daß ich dann ein echtes Problem habe, die verbleibenden Bäume festzuhalten.

Ein Gutes haben die ArbeitsVerhinderungen durch das Wetter der letzten Tage aber: Ich habe mir die Zeit genommen, einige mathematische Überlegungen zum Thema FlaschenZug zu (html-)Papier zu bringen. Einige weitere Überlegungen zum Thema NestBelastung kommen noch.


TageBuch am 97-04-30: Die LBG Obb.

Das heißt Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft Oberbayern. Die haben irgendwie Wind von meinen Aktivitäten bekommen und wollten wissen, wie ich die 0.18 ha. Wald nutze. Habe zurückgeschrieben: 'forsttechnische GrundLagenForschung und NaturSchutz', weil 'FreiZeitGelände' mir zu unernst erschien. Mal sehen, was passiert.

RumFummeln mit einem Stück ReepSchnur in der Firma brachte in den letzten Tagen eine ganze Reihe neuer Knoten, um zwei Enden zu verbinden:

Man mache eine Bucht und umschlinge die beiden nun parallel liegenden SeilStücke mit einem der Knoten, die eigentlich dafür gedacht sind, ein Seil um eine Stange oder ein anderes (dickeres) Seil zu legen (WebLeinenStek, Rolling Hitch, FischerStek, Prusik, etc.). Das Ende, das dabei immer übersteht, kann man durch das so entstandene Auge ziehen und das Ganze steiffholen.

Die Klasse der so entstandenen Knoten kann man vielleicht als SchotStek höherer Ordnung bezeichnen. Einige bekneifen sich ganz ordentlich, und es hat den Anschein, daß sie für die LebensDauer des Seils unter wechselnder Belastung halten könnten.

Allerdings weiß ich nicht, ob diese Knoten nicht doch auch im Ashley [11] beschrieben sind.

Die Lage an meinem HochSeilNest: Das 10 m Nest hat inzwischen ein niederes Geländer, und es ist fertig, wenn auch stellenweise mit großer MaschenWeite. Immerhin ist es jetzt schon möglich, überall auf dem Nest zu stehen oder zu gehen.

Wo immer es möglich war, habe ich ein PolyHanfTau, das sich um einen BaumStamm schlingt, locker mit (alten) SisalTauStücken umschlungen, um dem Stamm WachstumsSpielRaum zu geben und die Rinde nur punktuell zu belasten.


TageBuch am 97-05-16: HochSeilMaus

Pointe schon verraten: eine unerwartete MitBewohnerin des HochSeilNestes. Als ich am 9. Mai sinnend (das heißt, nichtstuend) auf dem 8-Meter-Nest saß, raschelte es in den PlastikTüten, die auf dem 6-Meter-Nest meine SeilVorräte bedecken, und eine kleine, braune Maus kam zum Vorschein. Die muß die BaumStämme hochgeklettert sein - daß ich sie versehentlich transportiert habe ist unwahrscheinlich, und die MetallLeiter kann sie nicht hochgekommen sein.

Beim Nachsuchen habe ich sie dann nicht mehr gefunden, aber dafür Ansätze eines Nestbaues. Ich werde in Zukunft darauf achten - von oben sehe ich häufig Mause auf dem Waldboden, da diese wahrscheinlich meine Witterung und GeräuschEmission nicht mehr wahrnehmen, aber eine kletternde Maus habe ich noch nie gesehen.

Auch einen anderen Nachbarn habe ich vor einigen Tagen gesehen - einen der Dachse, der in einem der Löcher keine 40 Meter von meinem HochSeilNest entfernt wohnt - und zwar immer noch wohnt. Die Behauptung des JagdPächters, ich vertreibe die Tiere aus dem Walde, ist damit widerlegt. Diese Tiere zu vertreiben ist sowieso schwierig, da sie zwar erst in der Dämmerung aktiv werden, dort aber Schwierigkeiten haben, einen Menschen - oder wenigstens mich - wahrzunehmen: Ich habe einen in der Dunkelheit bis auf einen Meter vor meine Füße herankommen lassen, und sogar die aufflammende TaschenLampe hat ihn nicht besonders aufgeregt - erst meine Stimme.

Zwei Tage nach der Maus tauchte ein anderes MitGeschöpf in meinem Wald auf: Ein SkinHead, vermutlich auf dem Wege zu den GrillPlätzen im MangfallTal. Vielleicht hat er nur austreten müssen. Was er gesehen hat, weiß ich nicht, da diesem urdeutschen Geschöpf die Beherrschung der deutschen Sprache etwas abging. Bin beunruhigt.

Eine 'NiederLage': Das 16-Meter-Nest ist zugunsten eines 12-Meter-Nestes aufgegeben worden. Defensive Exploration der Statik. Es ist noch nicht fertig, und es wird sich frei zu dem Paar eingerüsteter Bäume spannen. Das dortige Ende ist dann über 14 Meter über dem WaldBoden.

Eine PolyHanfErfahrung wird allmählich deutlich: Das gedrehte Material behält nach Belastung eine größere permanente Streckung bei als das geflochtene. Das hatte mir auch der Herr Kienmoser aus der Sendlinger Straße so angedeutet. PolyHanf ist sowieso um GrößenOrdnungen angenehmer zu verarbeiten als Sisal, aber das geflochtene Material ist damit die erste Wahl - trotz der etwas geringeren Bruchlast bei gleichem Durchmesser.

Meine gesamten bisherigen Nester sind hauptsächlich mit gedrehtem Material gefertigt worden - das wird sich dann ändern, wenn die Vorräte verbaut worden sind.

Ein weiteres Vorhaben ist beschlossene Sache: Das 6-Meter-Nest wird aufgegeben. Nach längerer Trockenheit ist es so schlaff, daß es kaum noch zu begehen ist. Der Zugang wird über das 8-Meter-Nest realisiert, das zu diesem Zweck zu einem einzelnen, starken Baum bergwärts verlängert wird. Das ist auch in Arbeit. Wenn das fertig ist, ist außer der AnlegeLeiter keine weitere (längere) Leiter mehr erforderlich, um jedes Nest zu erreichen - Zugeständnis an mögliche körperliche Einschränkungen in den nächsten Jahren. Das 8-Meter-Nest wird zunächst noch in Sisal gemacht, um die restlichen Sisal-Vorräte zu verbrauchen.

Der Abbau des 6-Meter-Nestes wird noch schwierig, weil ich das schwere Ding nicht auf die JungBäume darunter fallen lassen will. Aber damit kann ich naturgemäß erst anfangen, wenn der alternative Zugang fertig ist.

Wenn das jedoch geschehen ist, dann wird die gesamte Kette von HochSeilNestern wesentlich unauffälliger sein als das jetzt der Fall ist.


TageBuch am 97-06-14: Im SteinBruch

Vom 9. auf den 10. Juni habe ich das erste Mal das 12 Meter Nest zum ÜberNachten benutzt. Wegen der Schwierigkeiten beim Bau ist das Nest nicht so straff wie das 10 Meter Nest, und der Arsch hängt beim Schlafen weit durch. Da ist noch viel Arbeit nötig. Es gibt auf dem 12 Meter Nest auch noch kein Geländer, und es ist zum jetzigen ZeitPunkt auch noch nicht möglich, die beiden westlichen Bäume zu erreichen - soweit geht die Einflechtung noch nicht.

Im letzten Monat habe ich mir noch eine weitere Sache aufgehalst - eine richtige SträflingsArbeit: Häufig begangene Stellen auf dem Waldboden werden mit Erde überschüttet, um Baumwurzeln zu schonen. Die StandFestigkeit von Bäumen wird auf diese Weise auch erhöht, aber mit beklagenswert geringen WirkungsGrad: Um ein Kilogramm auf dem Nest zu tragen, müssen die Bäume - je nach Nestspannung - 5 bis 10 KiloPond seitliche Kraft aufbringen. Bei 14 Metern Höhe und 1 bis 2 Metern Abstand einer Aufschüttung vom Stamm muß diese Aufschüttung 35 bis 140 KiloGramm schwer sein, und das für jeden Baum, der am Nest beteiligt ist.

Um auf diese Weise die schwere Josella in der Schwebe zu halten, müßten also schlimmstenfalls bis zu 7 (Anzahl Bäume) * 14 (HebelArm) * 10 (NetzSpannungsFaktor) * 70 kg (ich) aufgeschüttet werden! Das sind fast 70 Tonnen!

Ich gehe deshalb davon aus, daß die Bäume sich in FriedensZeiten (= kein Sturm) selbst anständig in der Erde festklammern können. Außerdem ist das ja nur eine worst-case-Betrachtung.

Trotz dieser weisen Zurückhaltung habe ich bereits mehr als eine Tonne Erde bewegt. Natürlich muß man überlegen, wo die Entnahme von Erde dem Wald am wenigsten schadet - wenn man in die Tiefe gräbt, hackt man immer irgendwelche Wurzeln durch. Und in die Tiefe muß man graben, um nicht zu großflächige Schäden zu verursachen.

Ohnehin ist dies ein Beispiel eines zweifelhaften EinGriffes in die Natur: Eine LehmAufschüttung ist schlechter begehbar als der natürliche Waldboden, der diese übliche Schicht von alten FichtenNadeln trägt. Weiterhin muß man aufpassen, daß man nicht versehentlich ein WasserUmlenkungsWall konstruiert, der dann bei einem Gewitterregen Errosion in die Wege leiten kann. Gegen diese wieder etwas zu unternehmen macht dann noch mehr Arbeit.


TageBuch am 97-07-05: RaubSaat

Da gibt es auf halbem Wege zum HSN einen abschüssigen HohlWeg. Der ist vor etwa einem Jahrzehnt asphaltiert worden, weil sonst bei LandRegen SchlagLöcher groß wie SchützenGräben entstehen. Weil dieser HohlWeg abschüssig ist, wird er im Winter von den örtlichen Kindern immer zur RodelBahn umfunktioniert. Also wird er glatt.

Da wir diesen Weg öfter benutzen, mußten wir etwas tun, um nicht im Winter bei GlattEis dauernd auf die Fresse zu fallen. Unser Einfall war genial: Wir streuen heimlich SonnenBlumenKerne in großer Menge. Die SchlittenKufen werden blockiert, und das Rodeln dort hat ein Ende. Wenn Vögel kommen, um die Kerne wegzufressen, lassen sie auch etwas da, und es stellt sich heraus, daß VogelScheiße die SchlittenKufen noch wirksamer verkleistert.

Im FrühJahr habe ich die restlichen paar Kilo SonnenBlumenKerne auf einem BrachFeld unmittelbar an meinem Wald verteilt. Hintergedanke: Die VogelPopulation hochzufüttern könnte sich im Sommer günstig auf die InsektenPopulation auswirken. Und die paar SonnenBlumen, die durchkommen, lockern die Landschaft auf.

Soweit die Theorie. Ein paar Stunden, nachdem ich die SonnenBlumenKerne auf dieser Brache verteilt hatte, kam der Bauer, dem das Feld gehört, und hat das Feld noch einmal umgepflügt - um dort ein Kraut auszusähn, daß die Errosion auf diesem brachliegenden Feld verhindert.

Dieses Pflügen hat all meine SonnenBlumenKerne vor pickenden VogelSchnäbeln in Sicherheit gebracht und ihnen beste KeimBedingungen gegeben. So etwa vor einem Monat fiel es mir dann allmählich auf: Es sind nicht 50 SonnenBlumen durchgekommen, wie in den anderen Jahren, sondern etwa 3_600!

In etwa einem Monat werden die alle blühen und Leute in gefährliche Nähe des HSN locken. Josella mußte dem Eigentümer des Feldes zerknirscht diese RaubSaat gestehen - eventuell könnte ja Ärger ins Haus stehen, wenn ein aus Subventions-Gründen brachliegendes Feld doch genutzt wird. Aber der betreffende LandWirt hat das ganz locker und eher amüsiert gesehen, und jetzt dürfen die SonnenBlumen groß werden - sie werden ja nicht geerntet noch sonstwie wirtschaftlich genutzt, also ist das Ganze kein SubventionsBetrug.

Wenn nicht die Lydia und die Babsie wären. Die Lydia ist mit ihrem Freund offenbar fertig, und nun müssen die beiden Mädchen die sex-freie Zeit wieder mit anderen Dingen totschlagen. Da haben sie sich mal wieder für das HSN interessiert und sind dort in meiner Abwesenheit hingegangen. Allerdings hat die Lydia ein SchuhProfil, das in der ganzen Gegend sonst niemand hat - dieser heimliche Besuch blieb mir also nicht verborgen.

Es kam jedoch noch schlimmer: Die beiden haben sich vor einigen Wochen angeschlichen, während ich auf dem HSN tätig war. Sie haben aber vermutlich nie Karl-May gelesen, denn sonst hätten sie gewußt, daß Winnetou NichtRaucher war. Wie kann man bloß glauben, daß man sich mit chronischer RaucherBronchitis erfolgreich An- und AbSchleichen kann? Schlimmer: Das AbSchleichen quer durch mein SonnenBlumenMeer! Resultat: etwa 100 niedergetretene SonnenBlumen.

Natürlich habe ich die Eltern gerügt. Resultat: Die Eltern kamen irgendwann einmal nachsehen - und haben ebenfalls eine HandVoll SonnenBlumen getötet. Es ist so traurig.

Auf dem HSN verbrachte ich einige weitere Nächte. Die SommerSonnenWendNacht war schwül und vollmondig - aber es haben trotzdem keine Insekten den Weg zu mir rauf gefunden! Das alleine rechtfertigt jeden Meter zusätzlicher Höhe.

Um nicht dauernd die Decken hin- und herschleppen zu müssen - auf dem 12-Meter-Nest artet das in echte Arbeit aus - lasse ich meine Decken jetzt vor Ort. Das kann, je nach WetterLage, Wochen dauern.

Erfahrungen: Eine (natürlich unbeschädigte) große PlastikFolie als Regenschutz ist ungeeignet. Manche Insekten verirren sich mehr oder weniger absichtlich in die trockenen Decken, und ein starker Wind deckt die Folie immer irgendwo ab, egal, wie gut man verschnürrt.

Jetzt verwende ich große, blaue 60-Liter MüllTüten - Je drei für zwei Decken, antiparallel verwendet. Die jeweils innere muß immer neu sein, wenn man die Decken braucht und zeitweise ausgepackt hat. Diese Packerl liegen durch ihr EigenGewicht sicher auf dem Nest, und daß Wasser eindringt ist sehr unwahrscheinlich.

Für die ErdArbeiten habe ich jetzt meinem Spaten eine SpitzHacke zur Seite gestellt - diese Formulierung klingt so, als ob die von selbst arbeiten, aber natürlich bin ich es, die malocht. Lehm mit viel FeldSteinen drin ist nur so leidlich angenehm abzubauen.

Ein anderes Projekt wurde jetzt beerdigt, bevor es angefangen hatte. Ein SchulFreund ist heute in der ForstBehörde von NiederSachsen tätig. Vor einigen Monaten hat er uns von etwas berichtet, das eine Anwendung des HSN sein könnte: Anläßlich der EXPO2000 soll etwas WaldLehrPfad-ähnliches gebaut werden - ForstWirtSchaft quer durch die Geschichte, oder so ähnlich. Ein Teil dieses WaldLehrPfades könnte man sich hoch über dem WaldBoden vorstellen - vielleicht mit einer HSN-ähnlichen Technik.

Ich habe diesen SchulFreund jetzt angeschrieben und von der Verwendung der HSN-Technik abgeraten. Zu risikoreich für Einrichtungen mit PublikumsVerkehr. Es wird wohl auch nicht so gemacht. Aber drüber nachdenken hat man ja wohl mal dürfen.

An einem der letzten regenfreien Tage habe ich LassoWerfen geübt, weil man es vielleicht doch mal brauchen könnte - sorgsam eine Stelle aussuchend, an der man mich nicht sehen konnte. - Die Physik des LassoWerfens ist zweifellos interessant, aber ich bin nicht weit gekommen. Ich bin noch weit davon entfernt, es zum HSN-Bau einsetzen zu können. Aber dieses ist eine Tätigkeit, die Menschen erlernt haben, und so muß es auch mir möglich sein.

Zwar habe ich Menschen als Zuschauer vermeiden können, aber einige Kühe haben doch zugesehen. Ob in diesen KuhHirnen der Gedanke, daß diese Tätigkeit bei weiterem FortSchreiten andere Ziele als ZaunPfähle verlangt, entstanden ist? Weiß jemand, ob eine gute MilchKuh in ihrer WiederKäuLeistung durch eine Tätigkeit als Lasso-ZielDarstellung beeinträchtigt wird? Ist die entgeltliche ZurVerfügungStellung einer Kuh für diesen Zweck ein Miet- oder ein PachtVertrag?

Paulownia & Paulownia: Ein ZufallsFund im Internet. Ein Baum mit irrsinnigen WachstumsEigenschaften - vielleicht geeignet auch für unsere Breiten. Die Idee, einen eigenen Wald hochzuziehen juckt mir in den Fingern. Auf jeden Fall werde ich die forstliche Verwendung der Paulownia in diesem Lande weiter verfolgen.

Etwas anderes, das seit dem 20. Juni uns eine Zeitlang beschäftigt hat, auch wenn es keine direkte Relevanz zum HochSeilNest hat, sind angebliche HöhlenZeichnungsFunde in der südniedersächsischen JettenHöhle. Es stellte sich als eine Ente heraus, die durch die TAZ in die Welt gesetzt wurde. GlücklicherWeise hat ein Sturm am 29. Juni durch umgestürzte Bäume den EinGang zur JettenHöhle zeitweise verlegt - glücklich für die Höhle, weniger glücklich für das Naturschutzgebiet drumrum: Wenn in dem Wald jemand ein HSN hatte, dann ist es jetzt kaput - und wenn der/diejenige sich während der 20 min in dem HSN aufgehalten hatte, sind die ÜberlebensChancen gering. - Der Anblick vieler gestürzter Bäume, darunter 200 Jahre alter Eichen, ist traurig, nicht nur für eine HSN-Bauerin. Diese Bäume haben zwei WeltKriege überlebt - und dann so ein blödes WärmeGewitter. Jammerschade.

Ein anderer Punkt - demnächst hier: Die HochSeilNest-Netiquette. Meiner Überzeugung nach ist ein HSN etwas, wovon alle Beteiligten profitieren können: WaldBesitzer, Naturschutz, Allgemeinheit. Ich will den Begriff 'HochSeilNest' mit einer ganz besonderen Art der naturschonenden Nutzung verbinden - untrennbar verbinden. Natürlich ist das ein EtiquettenSchwindel, da es keine NaturGesetze gibt, die umweldschädliches Verhalten auf einem HSN unterbinden. Es wird mehr auf eine rechtliche Konstruktion hinauslaufen.

Das Resultat dieser Überlegungen wird demnächst hier zu finden sein.


TageBuch am 97-07-19: WaldFrevel

WaldFrevel - noch nicht ganz, aber fast: Jemand ist am 97-07-14 so massiv durch mein SonnenBlumenFeld gelatscht, daß es diesmal eine Schneise von 20 Metern gerissen hat - etwa 500 niedergetretene Pflanzen. Ist das nun InstinktLosigkeit oder Vandalismus? Ich kann nicht glauben, daß es schon wieder die Lydia und die Babsie waren - den 17. Geburtstag der Lydia am 97-07-12 durch eine solche VerwüstungsOrgie zu feiern sieht ihnen nicht ähnlich. Andererseit - wenn Teenager das ErwachsenWerden als eine Sukzession von fortwährend erweiterten FreiRäumen betrachten, die dann notwendigerweise auch in illegitime Tätigkeiten ausarten, dann könnte sowas dabei rauskommen. Aber ich glaube es nicht.

Hoffentlich sind die beiden bald wieder sexuell ausgelastet, damit sie mich in Ruhe lassen!

Das 12 Meter Nest hat jetzt fast rundherum ein Geländer. Es ist mir bis jetzt nicht gelungen, es nachträglich so nachzuspannen, daß es so straff wird wie das 10 Meter Nest - das liegt auch daran, daß ich keine weiteren KraftKomponenten von Norden oder von Süden nehmen will, um die RandBäume nicht noch mehr zu belasten.

Dies Geländer ist wesentlich stärker nach außen geneigt als dies auf dem 10 MeterNest der Fall ist. Das liegt zum einen an der geringeren Spannung des 12 Meter Nestes, was eine stärkere Krümmung der RandSeile bewirkt, und zum anderen daran, daß das Geländer die begrenzenden Bäume außen umfaßt. Deshalb sieht das 12 Meter Nest eher wie eine stark gekrümmte Schale aus. Aber diese Lektion habe ich ja schon früher gelernt: Es ist völlig zwecklos, sich vor dem Bau eines HSN zu konkrete VorStellungen über dessen entgültige Geometrie zu machen.

Es gibt jetzt auf dem 12 Meter Nest auch einen ToilettenRing, denn man weiß: 4 Millionen Menschen müssen nachts raus. Der Ring muß so klein sein, daß man unmöglich mit dem ganzen Körper durchrutschen kann, aber nicht viel kleiner. - Ein Mann hätte es einfacher, weil er zumindest für das kleine Geschäft jede beliebige NetzMasche verwenden könnte.

Apropos Pissen: Seit einigen Tagen pißt es wieder herunter, als ob der Himmel die WasserLöslichkeit der Erde - oder wenigstens die meine - testen will. Aus Polen, Tschechien und aus dem InnTal gibt's Meldungen von Überschwemmungen. Der aufgeschüttete Weg in meinem Wald ist eine einzige SchlammBahn. Und ich mußte das noch forcieren, da ich am 97-07-17 eine Buche verpflanzen mußte - die stand so nahe am Rand meines 'SteinBruches', daß sie umzufallen drohte.

Josella war also gezwungen, ganz ohne fremde Hilfe dieser etwa 3 Meter hohen Buche mit SpitzHacke und Spaten zu Stamme zu rücken. Der Wurzelballen wurde rechts und links und unten freigelegt, dann hinten. Schließlich kippte sie. Ich fürchte, ich habe doch mehr Wurzeln durchgehackt als es für eine JungBuche gesund ist. Am neuen Platz, unterhalb meines aufgeschütteten Weges, steht sie jetzt fest in einem massiven LehmHaufen, der zudem noch mit 4 KiloGramm KaffeeSatz veredelt ist. Der Regen sollte ihr über die AnwachsSchwierigkeiten hinweghelfen. Noch sieht sie gut aus.

Bei diesem Regen ist nicht nur die Arbeit auf dem HSN unangenehm, der SteinBruch wird echt zur Zumutung: Lehm klebt in dicken Klumpen an den Schuhen und auch am Spaten: Ich habe schon eine Schippe, so voll, daß ich sie kaum heben konnte, über dem Eimer umgedreht - und nichts fiel herunter!

Der Regen wird auch die AufBewahrung meiner Decken auf dem HSN gründlich testen. Bis jetzt habe ich die Decken immer noch trocken wieder rausgeholt, wenn ich da schlafen wollte - jetzt ist das aber schon wieder Wochen her. Unbeschädigte Mülltüten sollten sowenig Wasser durchlassen, daß die Decken ein ganzes Jahr dort liegen können - aber der Teufel liegt im unerwarteten Detail: Eine kleine Perforation durch Insekten, Nagetiere oder andere mechanische Beschädigung, vielleicht noch an einer Stelle oben auf dem Packerl, wo eine Delle eine permanente Mini-Pfütze gebildet hat - und schon rottet der TütenInhalt vor sich hin.


TageBuch am 97-07-28: AbbruchAktion

Keine Angst, ich habe die HSN-Tätigkeit nicht eingestellt. Aber die beiden mit Sisal-Seilen eingerüsteten Bäume sind wieder von ihrem Gerüst befreit, weil das obere Ende ja über das 12 Meter Nest voll zugänglich ist.

4 Stunden hat es gedauert und eine Blase am MittelFinger der rechten Hand gebracht. Außerdem einen Berg von verschmutzten und teils harzigen, wild verknoteten SeilResten, die außer für die Stabilisierung von Erdaufschüttungen für nichts mehr zu gebrauchen sind. Das heißt, es werden in Kürze fast tausend DM in der Erde vergraben werden!

Die vom SeilGerüst befreiten BaumStämme zeigen Spuren dieser SeilEinrüstung, wenn auch nicht viele: unter den Seilen ist die Borke glattgedrückt oder vielleicht glattgescheuert worden, und an einigen Stellen sieht es so aus, als ob Harz aus dem Stamm ausgetreten ist - ob da ein kausaler ZusammenHang ist, weiß ich nicht. Es gibt an jeder normalen Fichte Stellen, wo Harz austritt.

Die verpflanzte Buche zeigt 11 Tage nach ihrem Umzug keine definitiven Anzeichen von Schwierigkeiten - vielleicht wäre das anders, wenn wir mal wieder eine TrockenPeriode hätten.

Ein Problem wird evident: An zwei Stellen, wo sich TrageSeile um einen BaumStamm schlingen, sind die statischen Verhältnisse so, daß die Seile ins horizontale Rutschen kommen, wenn man sich in unmittelbarer Nähe dieser Stellen bewegt. Das wird irgendwann die Borke ganz durchscheuern. Da muß ich mir noch etwas einfallen lassen.


TageBuch am 97-08-06: WingAttack

Im Moment stagniert der Bau des HSN etwas, weil es wieder LieferProbleme mit Sisal gibt. Außerdem sind etliche Tage sehr schwül gewesen, was einer forschen Arbeitsweise sehr abträglich ist.

In den letzten JuliTagen habe ich mich dann noch einmal gründlich verschätzt: Nach Aufbau meines NachtLagers bin ich dann mit einer Bekannten in ein hiesiges Restaurant gegangen. Während des Essens zeigte sich, daß die Nacht doch nicht so klar war wie die Meteorologen leichtfertig verbreitet hatten: Der SturzRegen des Gewitters war ganz ordentlich.

Natürlich habe ich dann auf eine AußenÜbernachtung verzichtet.

Bei der TrocknungsAktion am nächsten Tag hatte ich dann gründlich Gelegenheit, die EntwringungsEigenschaften der verschiedenen Stoffe, aus denen mein DeckenInventar besteht, zu beobachten. (Außerdem werden zufällige Wanderer, die sich in meinen Wald verirrt haben sollten, sich ziemlich über die bunten Fetzen in den BaumWipfeln gewundert haben.)

Wenn man häufiger mit DurchRegnen des DeckenInventars rechnet, ist man mit Kunstfaser erwartungsgemäß am besten bedient. Die notwendigen IsolierEigenschaften muß man dann durch entsprechende Mengen an Decken erreichen. Die Decken, die direkten Körperkontakt haben, sollten dann eben aus dem dafür angenehmsten Material sein, und man muß sie eben häufiger mit nach Hause zum Waschen nehmen.

Man muß es ja auch mal realistisch sehen: Jedesmal, wenn man das Bett auf- oder abbaut, eine knappe Stunde zum AusSchütteln und zum Eintüten zu spendieren, das geht schon ganz schön auf den Keks. Das Material muß einfach ein bißchen robust sein.

Die schnellste Methode scheint mir einfach folgende zu sein: ZusammenRollen des ganzen DeckenStapels, so daß dieser auch mit einer (doppelt genommenen) PlastikFolie bescheidener Größe vollständig abgedeckt werden kann. Nicht ganz einwickeln, sondern Zuluft von unten zulassen, und am Rande des DeckenStapels einen breiten Streifen Folie-auf-Netz zulassen. Es besteht nämlich immer die Gefahr, daß man geschickterweise eine FaltenKonstruktion in der PlastikFolie hinkriegt, die das Wasser dann doch in den StoffBallen leitet. Außerdem wandert das Wasser ja auch eine gewisse Strecke durch die Seile, die das Netz bilden.

Das Ganze wird dann mit einem immer bereitliegenden Seil ordentlich festgezurrt - es muß ja sturmfest sein. - Bei langen StandZeiten dieser Konstruktion muß man allerdings mit Insekten rechnen - Ausschütteln vor und nach Benutzung, genaue Inspektion der Decken und ab und zu eine zum Waschen mit nach Hause nehmen sind die Therapie.

LuftAngriff heißt diese Abschnitt nicht, weil der 52. JahresTag von Hiroshima ist, sondern wegen neuer InsektenErfahrungen.

Bisher galt: Insekten, die richtig lästig sind, verirren sich nur sehr unwahrscheinlich in die BaumWipfel. Plausibel, denn die Evolution sollte den InsektenVerhaltensWeisen dieser BlutSauger beigebracht haben, dort keine Opfer zu vermuten.

Von vorgestern auf gestern: Sehr schwüle und warme Nacht. Kaum Wind. Und ständig die HochTonMusik von angreifenden Mücken. Wegen der Hitze kaum Gelegenheit, unter die Decken in Deckung zu gehen. Die Viecher haben mich stundenlang wachgehalten. Gut, daß MückenStiche relativ schnell wieder abschwellen - jedenfalls bei mir.

Therapie: Keine Idee. Ich habe meinen Wald heute mit PARAL eingenebelt - eine ganze Flasche - aber ich weiß noch nicht, ob's wirkt. Autan (SchleichWerbung) ist klebrig und unangenehm auf der Haut, auch wenn es wirkt - und die hautfreundliche Version von Autan scheint auch insektenfreundlich zu sein. Außerdem weiß ich nicht, ob ich heute draußen schlafe - der Himmel ist völlig klar, aber entlang der ganzen AlpenKette stehen Gewitter und wetterleuchten um die Wette.

Etwas erfreuliches: ein gewisser Alan Philips hat einen FreeWare-Editor für Windows 3.1x und Wind95 und WinNT geschrieben, der einen recht guten Eindruck macht. Ich verwende ihn gerade. Er geht weit über das NotePad von Windows hinaus (was nicht schwer ist) und vermeidet aber den finanzielle und funktionellen Overhead des Borland-C++-Editors. Der Emacs(19.34)-Port auf Windows 95 war nie völlig befriedigend. Ich erwähne das, weil Editoren für SchriftStellerinnen so wichtig sind wie Seile für HSN-Bauerinnen. Relevant ist es ja auch direkt, weil ich mir überlegen muß, wie ich den sparsamen PlattenPlatz auf meinem Laptop verwalte, um möglichst viel Resourcen zur Hand zu haben, wenn ich im HSN arbeite. Was schon lange nicht mehr vorgekommen ist.

Information am Rande: Auf meinem dienstlichen PC, wo ich den PFE auch eingeführt habe, habe ich eine Datei von 3_406_000 Zeilen a 127 Zeichen erzeugt und editiert - die dann auf die Platte zurückgeschrieben deutlich über 400 MB groß war. Das entspricht etwa 800 Taschenbüchern. Die wollen erst einmal geschrieben sein - wann soll man das denn tun, wenn man dauernd HochSeilNester baut?

Immer wieder laufe ich der Lydia und manchmal der Babsie über den Weg. Eisiges Anschweigen. Unsere Beschwerden an ihre Eltern wegen weggeworfenem Müll auf der Wiese waren dem BetriebsKlima nicht sehr förderlich. Aber die beiden haben sich entschieden, ihr ErwachsenSein mit NikotinAbusus und vermehrten sozialen ReibungsFlächen zu zelebrieren. Ihre bevorzugte Umgebung ist jetzt dumpfe Kneipen- (Disko-, Bistro-)Atmosphäre. Dann können sie nicht mehr erwarten, in das Abenteuer HochSeilNest eingebunden zu werden.

Und wie enthusiastisch die beiden noch vor zwei Jahren waren ... Kindheit ist vorbei :-(


TageBuch am 97-08-06: Formaldehyd

Wenig ist passiert in diesem August - es hat eine ganze Reihe schwüler Tage gegeben, und das HauptProblem beim Übernachten bleiben die Insekten.

Ein Bekannter hat mit übrigens den Tip gegeben, das Übernachten in den BaumWipfeln nicht als 'AbenteuerSchlafen' zu bezeichnen, weil dieses völlig falsche Assoziationen weckt - er hat natürlich, fürchte ich, recht ;-)

Wegen des DurchHängens des 12 Meter Nests habe ich einige weitere Decken erstanden - einige davon enorm billig. Der scharfe Geruch ging nicht einmal durch einen WaschMaschinenGang raus, schien sich aber dann positiv auf die InsektenHäufigkeit auszuwirken. Diese BilligDecken werden nun beim regendichten EinPacken des gesamten DeckenInventars über die PlastikFolie gelegt und damit der DurchFeuchtung absichtlich geopfert. Das wirkt sich dahingehend aus, daß man WasserPfützen auf der PlastikFolie vermeidet, weil diese dann sofort aufgesogen werden - daß dann noch Wasser in die Decken durchsickert, die man eigentlich trocken halten will, ist extrem unwahrscheinlich.

Außerdem sind diese BilligstDecken häufig als 'Fußboden' im Einsatz: Wenn man so einfach aus dem Nest herumkriecht, rutscht dauernd etwas aus der Tasche. Und wenn das ohne Unterlage durch die NetzMaschen torkelt, darf man gleich noch einmal runtersteigen und wieder aufentern.

Bei ganz trockenem Wetter habe ich gelegentlich schon einen elektrischen Schlag bekommen, wenn ich wieder, vom Nest runtersteigend, einen Baum anfasse. Das liegt natürlich an der Isolierfähigkeit von Polypropylen. Ob bei knochentrockenem Wetter dadurch die WaltBrandGefahr steigt glaube ich nicht, weil diese Art Funken sehr klein ist.

Ein anderer Unterschied zwischen PolyHanf und Sisal fällt mir allmählich auf: Ein SisalNest knarrt, wenn man darauf geht - ein PolyHanfNest nicht.

Mein 'BergWerk' blüht und gedeiht - wenn man diese Ausdrücke auf ein Loch in der Erde anwenden möchte. Wenn einmal die Wände einstürzen sollten, könnte das fatal für mich enden. Aber woher soll ich sonst die Erde nehmen, die für den LeiterSockel für den neuen Zugang erforderlich ist? - Dem kommunalen Aufruf zur EigenKompostierung folgend habe ich in diesem Sockel mein gesamtes, bisher abgebautes Sisal-Material eingegraben. Möge seine Verrottung den Wald nähren.

Ein Buch [14] über Bäume entpuppte sich leider als bloße Anleitung, um Bäume zu identifizieren - meine Fichten, Eichen, Robinien und BromBeeren konnte ich aber schon vorher auseinanderhalten. Ich suche weiter, wenn mich der geldausgebungsmotivierte Zufall zum Hugendubel führt.


TageBuch am 97-10-03: NestAuge

Seit Montag, dem 97-09-15, nenne ich eine kleine Olympus CAMEDIA 410L (SchleichWerbung) mein eigen. Unter http://home.t-online.de/home/Josella.Simone.Playton/ kann man sich da bereits einige Bilder vom HSN ansehen. So richtig hin- und hergelinkt ist das alles aber noch nicht. Kommt noch.

Zwischen HSN und 'BergWerk' entsteht wieder ein bodennahes Sisal-Nest. Zweck ist eigentlich nur die WerkzeugAblage, vielleicht auch eine andere Ablage der AnlegeLeiter. Dieses Nest ist nicht dazu gedacht, mich zu tragen - tut es aber. Aus den Angaben 6 mm Sisal geflochten und dreifache MaschenGröße wie das HSN kann man abschätzen, daß es ungefähr 12 mal schwächer sein muß als das HSN. Da es mich trotzdem trägt, weiß ich damit den SicherheitsFaktor des HSN! - Nebenbei, andere Rechnungen weisen sogar einen noch höheren SicherheitsFaktor aus.

Mehrfach habe ich inzwischen wieder Mäuse oben angetroffen - selbst nach Nächten, in denen ich selbst oben geschlafen habe. Die Viecher haben offenbar einen Narren an den blauen MüllTüten gefressen. Konsequenz: beim regenfesten EinTüten des BettZeuges auch auf Unzugänglichkeit für Mäuse achten!

Die trockenen und klaren Nächte Ende September waren kalt und damit Mücken-frei - der reine Luxus zum DraußenÜbernachten.


TageBuch am 97-10-04: Shriek!

Wasser - Seife - DesinfektionsMittel - BrandBomben! Die Mäuse haben mein Bett erreicht! Gerade als ich heute, nach ein paar RegenTagen, mein Bett enttütete, fiel mir eine Stelle auf, wo der Wind zwei von den drei PlastikFolienSchichten weggedrückt hatte. Wenig später schauten mich zwei herzallerliebst braune Augen aus meinen eigenen Decken an.

Meine Solidarität zu den anderen TittenTrägern (SäugeTieren) im TierReich ist begrenzt. Besonders nach Inspektion der vielen kleinen MäuseKöttel. Drei der Decken waren angekaut. Der Gedanke an diese Nacht im Freien verflüchtigte sich.

Jetzt geht erst einmal das gesamte DeckenInventar durch die WaschMaschine. Die Maus habe ich natürlich noch etwas gejagt, und sie mußte mir umständehalber vorführen, wie man an senkrechter BaumRinde klettern kann. Morgen - das heißt, heute - werde ich alle statisch wichtigen Seile inspizieren müssen. Warum auch immer, sie mögen KunstStoffe!

Von einem Bekannten Tips eingeholt, wie man bei am Kai vertäuten Schiffen verhindert, daß Mäuse an den Tauen entlang an Bord klettern. Eine Variation dieses Verfahrens muß die Lösung bringen. Warum es erst jetzt soweit gekommen ist? Wahrscheinlich waren im August die Temperaturen unter den Folien tagsüber viel zu hoch, als daß sich da Mäuse dauernd aufhalten hätten können.


TageBuch am 97-11-16: Schulbank

Am 3. November habe ich endlich den schon lange fälligen Überfall bei Hugendubel in München gemacht und einen Haufen Literatur über Forst- und Landwirtschaft gekauft. Es sollte meinem Ego nicht allzusehr schaden, zu lernen, was ich alles schon falsch gemacht habe:

Die Idee, wenigstens ein bißchen von dem sturmbedingten DrehMoment in den BaumKronen dadurch zu kompensieren, daß man dem Baum ein paar Schippen Lehm auf die Wurzeln wirft, könnte kontraproduktiv sein. Zusätzliches Gewicht auf dem Boden verdichtet diesen und schränkt so die SauerStoff-Verfügbarkeit im Boden ein. Schlimmstenfalls können Wurzeln absterben und so die StandFestigkeit des Baumes vermindern anstatt sie zu vergrößern! - Allerdings dürfte dieser Effekt erst dann eintreten, wenn es um ErdBewegungen geht, die in der GrößenOrdnung der Masse eines Baumes und darüber liegen.

Freiliegende Wurzeln einer Baumes dadurch zu schützen, daß man Erde auf sie wirft, ist nur sinnvoll, solange die Wurzeln noch nicht beschädigt sind. Sind sie es, dann würde ein Belag mit Erde die Fäulnis fördern, und der Schaden für den Baum wäre größer als der Nutzen.

Die Umschlingung eines BaumStammes durch Seile hingegen scheint, wenn abtragende Reibung vermieden wird, schadlos zu sein, da die Seile sich dehnen, wenn das Kambium wächst und der Baum dadurch dicker wird. Bei StahlSeilen hingegen wäre das problematischer - auch wenn diese überwuchert werden, schließt sich nicht in allen Fällen das Kambium über dem Seil. Mit einer StahlSeilSchlinge kann man einen Baum offenbar erwürgen.

BorkenKäferBekämpfung: Eigentlich nie nötig, solange der Baum wirklich gesund ist. TrockenPerioden können ihn so schädigen, daß er dann nicht mehr genug Harz entwickeln kann, um sich der Schädlinge zu erwehren. - Um die 55 Liter Wasser pro Baum und Tag heranzuschaffen müßte ich dann ganz ordentlich laufen!

Düngung: Unnötig. Überreichliches NährStoffAngebot könnte den Baum zu einem geringeren WurzelWachstum verleiten, und das kommt der StandFestigkeit nicht zugute.

Etliche Bäume in und um meinem Wald haben in der vergangenen Jahren ihre Kronen durch Abbruch in über 20 Meter Höhe eingebüßt. Erklärung: Die stabilen und tief beasteten WaldRandBäume an der WindSeite drücken Wind nach oben und erzeugen dadurch Wirbel. Die schlagen hinter dem WaldRand wieder in den KronenBereich ein und können dort Schäden anrichten. Mögliche Gegenmaßnahme: Wegnehmen des Astwerkes bis in einige Meter Höhe bei den WaldRandBäumen, um einen TeilStrom durch den Wald selber zu führen. - Die Idee gefällt mir nicht.

Stabilität der Bäume im Innern eines Bestandes: Wenn solche Bäume durch WindBruch an den Rand des Waldes gerückt sind, ist ihr BruchRisiko für lange Zeit groß. Licht und WindTraining bewirken allerdings, daß sie im Laufe der Zeit stabiler werden.

Folgerungen für die Zukunft: Nicht viele. Die Wiese an der WestSeite des Waldes würde ich gerne aufforsten, aber der WaldVerpächter braucht sie als Wiese. Außerdem sind behördliche Hürden zu überwinden, wenn man GrünLand oder Acker in Forst umwandeln möchte.

Im Moment mache ich wenig am HSN, weil das Wetter meistens unwirsch ist und es abends wieder so früh dunkel wird.


TageBuch am 97-12-22: WinterSchlaf

Weitere Bücher sind angeschafft worden, um mich über das Wetter hinwegzutrösten. Alle paar Tage nach dem Rechten sehen - das ist alles.

Eine einzige WollDecke haben wir dagelassen - ein von der Mutter meines TeilZeitLebensAbschnittsGefährten seinerzeit selbstgestricktes Monstrum, das nicht WaschMaschinenfest ist und sich in der BadeWanne so vollsaugt, daß man es nicht mehr mit KörperKräften herausheben kann - nicht einmal ich. Es hängt über einem einzigen, waagerecht gespannten SisalSeil in acht Meter Höhe und hat kaum Berührung mit einem anderen Seil oder mit einem Zweig. Trotzdem haben wir in der letzten Zeit verfolgen können, wie diese Decke allmählich aufgedröselt wird. Selbst in FrostPerioden scheinen die Mäuse höchst aktiv zu sein. Eine genaue Inspektion aller tragenden Seile wird im FrühJahr unabdinglich.

Der Winter wird auch benutzt, weitere TypoScripte vom GroßVater meines MitBewohners ins Internet zu stellen. Als ob man nichts eigenes zu tun hätte.

Eig GedankenExperiment zum Thema: Können Bäume fühlen? Ich bin weit davon entfernt, zu den Leuten zu gehören, die Pflanzen streicheln, um sie zum Gedeihen zu bringen. Aber ein GedankenExperiment ist doch interessant: Die Zeit schneller ablaufen lassen - etwa einen Tag in einer Sekunde.

Dann könnte man die Bäume allerdings in lebhafter Bewegung sehen. Die LichtWendigkeit, das zielgerichtete Wachstum der Wurzeln dahin, wo es Wasser und NährStoffe gibt, das Überwuchern von Wunden, die Bildung von Druck- und ZugHolz als Reaktion auf Belastungen, die schnelle Reaktion auf alle EnvironmentalBedingungen. Im ZeitRaffer flitzen alle chemischen Parameter blitzartig durch den ganzen Baum - und von denen gibt es einige. Nun weiß man, daß zu einem System von wechselwirkenden StoffKonzentrationen eine isomorphe neuronale Darstellung existiert - allerdings zeigt diese Darstellung ein nur sehr einfaches neuronales Netz. Auch im Zeitraffer können Bäume keine Lieder dichten oder verbal ausfallend werden - Aber die Vorstellung, daß einem der Fuß durchwurzelt werden könnte, wenn man ihn zu lange an derselben Stelle stehen läßt, ist irgendwie unsympathisch. Auch wenn dieses bei einem lebenden Fuß nicht zu befürchten ist.

Ach ja: Seit etwa dem 3. Dezember habe ich mir einige FichtenSetzlinge aus NaturVerjüngung vom BahnDamm geholt - die BundesBahn würde sie sowieso bald umbringen. Sie werden in meiner Küche in Licht gebadet. Zwei treiben bereits aus, weil sie 'denken', daß Frühling ist. Die Idee, die ich habe, ist, durch differentielle Beleuchtung etwas über die PhotoSynthese bei hohen BeleuchtungsStärken rauszukriegen. Mit LeuchtStoffRöhren erhält man 50 bis 65 Lumen pro Watt, und direkt in der Nähe der LeuchtKörper erreicht man 20_000 bis 50_000 Lux. Eine GanzKörperBestrahlung der Setzlinge mit 100_000 Lux (etwa volles SonnenLicht) braucht noch andere LeuchtKörper - da muß ich noch überlegen.

Ob das Thema für meinen Wald von praktischer Bedeutung ist ist noch nicht raus. Ein Ergebnis hat es aber schon gehabt: Die Lydia von gegenüber (siehe oben) ließ mir eine Beschwerde zukommen. Manche Teenager gehen zwar selten nüchtern ins Bett, aber ich habe ihr wohl zum Einschlafen zuviel SchlagSchatten ins Zimmer gezaubert.

In der ganzen Literatur, die ich bis jetzt gesichtet habe, ist aber nichts davon bekannt, daß man die Festigkeit des Holzes irgendeiner BaumArt über das hinaus, was dieser Baum im gesunden Zustand von selbst erzeugt, noch steigern kann. Oder daß man WachstumsGeschwindigkeit noch wesentlich steigern kann (dieses ein bißchen schon).

Aber als Vorwand, auch einmal Pflanzen im Zimmer zu haben, ist das nicht schlecht.


TageBuch am 98-03-01: NatriumDampf

Wenig Aktivität am HSN. Im Februar hat es einige warme Tage gegeben, und ich habe die Seile inspiziert. Die WollDecke findet weiterhin das Interesse der Mäuse, aber an das PolyHanf und Sisal gehen sie offenbar nicht ran. Einige aufgeschossene PolyHanf-Leinen waren voller Spinnen, aber auch ohne sichtbare Beschädigungen.

Dafür sind in diesem FrühestJahr die Dachse sehr aktiv und graben immer weiteren Bäumen im WurzelRaum herum. Da müßte man was tun.

Die Fichten in meiner Küche haben ihren vollen und dichten Satz von Trieben bekommen - außer zweien, die krepiert sind. Eine Eiche, die ich mir reingeholt habe, und die im letzten Jahr im Freien es auf drei ganze Blätter gebracht hat, trieb um Weihnachten erneut aus, und dann immer wieder. Jetzt hat sie 38 Blätter, aber es kommt bei jedem Zählen etwas anderes heraus.

Seit 3. Dezember laufen 200 Watt weiße LeuchtStoffRöhren klassischer BauArt rund um die Uhr. Dazu kamen ziemlich schnell 108 Watt in DULUX EL Lampen. Vor fast einem Monat vermachte mir ein östereichischer HöllenForscher eine 89-Watt 'WachstumsLampe', welche wahrscheinlich eine kleine QuecksilberDampfLampe ist. Zeitweise sind ein oder zwei 300 Watt Osram Vitalux zusätzlich in Betrieb - aber nicht oft wegen des UV-Anteils. Am letzten Freitag erwarb ich eine 400 Watt NatriumDampfLampe, die jetzt den LöwenAnteil des Lichtes in meiner Küche liefert - selbst bei gleichzeitigem Betrieb aller anderen Lampen (1.39 kW!). Bin neugierig, was meine Pflanzen mit dieser LichtMenge anstellen.

Problematisch ist, daß die meisten Kunden, die diese starken Lampen brauchen, entweder professionelle Gärtner oder BaumSchulenBetreiber sind, oder Zeitgenossen, die illegal Hanf anbauen wollen. Deshalb ein Disclaimer gleich hier: Auch der Vorsatz, aus HanfPflanzen Seile herstellen zu wollen, um so sämtliche Phasen des HochSeilNestBaus selbst zu betreiben, macht die HanfZüchterei nicht legal! So reizvoll dieser Gedanke des von-Scratch-aus Vorgehens auch sein mag.

Noch eine Warnung vor einem ganz anderen Effekt: Sämtliche Decken, die ich über den Winter vom HSN reingeholt habe, habe ich einmal durchgewaschen. Danach wurden sie auf einem Sofa gestapelt, und der Stapel ist über einen Meter hoch. Als ich dort für Besuch eine Decke herausfischte, erhielt ich einen gewaltigen, fühlbaren elektrischen Schlag - das Verdampfen der RestFeuchte muß eine ganz ordentliche LadungsTrennung bewirkt haben. Daß man Schläge aus Textilien fühlen kann ist mir vorher noch nie passiert. Kann ich da belangt werden, wenn einer Leserin, die das nachmacht (Also einen Haufen KunstFaserDecken wäscht und stapelt), einen tödlichen Schlag kriegt?


TageBuch am 98-03-30: Die HüpfEiche

Die Relevanz zum HSN-Thema ist marginal. Immerhin: Meine Eiche hat am 10 Dezember im letzten Jahr einen StammDurchMesser von 4 mm und eine Höhe von etwa 15 cm gehabt. Jetzt ist der StammDurchMesser 10 mm und eine Höhe von 65 cm. Dazu hat sie 109 Tage gebraucht. In den 5257 Tagen, bis ich 60 bin und wahrscheinlich noch auf Bäume klettern kann, sagt die lineare Extrapolation einen StammDurchMesser von 33 cm und eine Höhe von 25 Metern voraus - also ein HSN-fähiger Baum.

Sollte mir vielleicht doch Paulownia-Setzlinge beschaffen, wenn ich rascher Ergebnisse sehen will!

Heute haben wir das 6 Meter Sisal Nest, zur Zeit das unterste, abgebaut. Da das 10 Meter PolyHanf Nest genau drüber liegt, sind damit die Bäume entlastet worden, und nach der Tat war das 10 m Nest beim DrüberSchreiten spürbar stärker gespannt.

Die Tat selber war zeitweise spannend. Zuerst werden die Abspannungen, die nur vom 6 m Nest erreichbar waren, entfernt oder umgebaut. Das habe ich am VorTag gemacht. Nächster Schritt: Geländer entfernen. Und plötzlich werden aus den harmlosen 6 Meter Höhe über Grund wieder Ursache bohrenden Unbehagens: Man gewöhnt sich wirklich ab, über jeden Schritt genau nachzudenken, wenn wegen eines Geländers rundherum nichts passieren kann.

Das Nest selber zu entfernen, während man noch drauf hockt, würden wohl nur sehr naive Naturen versuchen. Also viermal AnlegeLeiter - beim 6 Meter Nest geht das - und über Kopf arbeiten.

Es ist nicht direkt schwer und eigentlich auch schnell gemacht - aber es ist auch nicht gefahrlos. Beim DurchSchneiden des letzten Seiles peitscht die NestEcke runter und kann einen treffen. Man muß sich gut festhalten, und die Leiter sichern ist ja selbstverständlich. Nachher, wenn man auf dem Boden das Geflecht einrollt, dann merkt man erst, wie schwer es ist.

Ein Nest in 12 Meter Höhe abbauen? - Keine Ahnung. Einzige Idee, die ich habe: Ein Nest dicht drüber bauen und mit langem Arm durch dessen Maschen arbeiten. - Noch stellt sich das Problem nicht.

Einige der Sisal-Schlingen um die Stämme waren stark verharzt und ließen sich nicht mehr entfernen. Das lag aber nicht daran, daß die betreffenden SeilSchlingen die Borke durchscheuert hätten. Es hatte aus irgendeinem anderen Grund einen HarzAustritt gegeben. Solcherart verklebte Schlingen können überhaupt nicht mehr rutschen.

Jedenfalls hat man diesen Effekt bei NadelHölzern. Laubhölzer haben kein Harz, und eine der Abspannungen, die ich verlegen mußte, haben einen 5 cm starken BuchenAst im Laufe der Zeit tatsächlich angesägt. Die Wunden sind 2 cm lang, oval und blank poliert, bei dem abgescheuerten Material müsste es sich etwa um 0.1 KubikZentimeter handeln. In Anbetracht dessen, daß dazu die Stürme von einem ganzen Jahr erforderlich waren, ist das eigentlich nicht viel.

Die hängengebliebenen SisalSchlingen um die Stämme stören die Bäume nicht, wohl aber mein ästhethisches Empfinden. Einige davon werden noch Jahre hängenbleiben und jedem SpazierGänger Rätsel aufgeben.

Sonst gibt es wenig Neues. So wie das Nest jetzt aussieht, sollte es für lange Zeit benutzbar sein. WeiterArbeit nur noch an der SturmAbspannung, und natürlich an einer vernünftigen BettStatt - für letzteren Zweck habe ich einen nicht verstellbaren LattenRost 2 m * 1 m gekauft - war der billigste - und mit einem SeilGeflecht verstärkt. Dieses wird demnächst nach HängeBrücken-Art über dem höchsten Nest aufgehängt, und zwar nur an zwei TrageSeilen. Die können dann leichter gegen Mäuse geschützt werden. Details müssen noch ausgearbeitet werden.


TageBuch am 98-04-12: HängeBrücke

Die HängeBrücke hängt. Und so einfach, wie sich die AufgabenStellung anhört, so schwierig war sie.

Zusätzlich zu dem LattenRost habe ich 24 mm PolyHanf-Seil beschafft - das gibt es in dieser Stärke nur gedreht. Preis pro 200 m etwas über DM 1_000.- und ReißLast etwa 4.3 Tonnen. Gleich vorneweg: Ein so starkes Seil scheint mir für die meisten Zwecke im HochSeilNestBau völlig übertrieben. Nur da, wo das Leben an einem EinzelSeil hängt, wo verstärkter AbRieb zu befürchten ist und wo Griffigkeit angenehm wäre ist solch eine SeitStärke gerechtfertigt.

Weiterhin habe ich eine zweite AnlegeLeiter gekauft - diesmal nur 12 statt 18 Sprossen und ca. 6 kg schwer. Läßt sich leichter handhaben. Diese zweite Leiter wird nur oben im HSN verwendet und auch dort aufbewahrt.

Drei der Bäume, die das höchste Nest tragen (die Auswahl ist nicht groß), sind als TrageBäume für die BettStatt ausersehen. Die Seile sollen in einem steilen Winkel zum Bett runtergehen, so daß die HorizontalKräfte gering sind. Das heißt aber auch, daß sie hoch am Baum befestigt werden müssen. Dazu die zweite AnlegeLeiter.

Der westlichste Baum (der zweitwestlichste vom HSN überhaupt) trägt zwei TrageSeile, die beiden östlichen je eins, so daß die beiden TrageSeile nicht parallel, sondern in einem spitzen Winkel zueinander stehen. Also dreimal die AnlegeLeiter auf dem höchsten Nest aufrichten, je dreimal gegen Umfallen sichern und am AufSetzPunkt, wo die beiden Holme durch das MaschenWerk stoßen, jeweils zusätzliche Sicherungen gegen das DurchRutschen der Leiter anbringen - letztlich ruht die Leiter bei diesem Verfahren auf den paar MaschenSeilen, die sich unter der unteren Sprosse befinden.

So war es gefahrlos möglich, die Leiter bis oben zu besteigen, wobei ich das schützende Geländer des HSN unter mir ließ. Ich hätte noch weiter raufkönnen, da die Bäume in dieser Höhe stark beastet sind. Immerhin kann von diesen gesunden und starken Ästen Gebrauch gemacht werden - ich brachte eine AchterSchlaufe um den Stamm an, die nicht ganz so fest gezurrt war wie sonst beim HSN-Bau üblich. Diese Schlaufen sind gegen das RunterRutschen durch den AstQuirl geschützt.

Diese Arbeit war anstrengend, weil ich dauernd über Kopf arbeiten mußte, und das 24 mm Seil braucht schon wegen seines EigenGewichtes große Kraft beim HandHaben. Nach AnBringen der AchterSchlaufe wurde diese durch ein SekundärTau verengt, um Reibung zu minimieren.

Wegen des AstWerks hatte ich bei dieser Arbeit oft keine Sicht nach unten, und selbst dort, wo ich sie hatte, hat mich die 18 Meter potentielle FallStrecke kaum beunruhigt. HSN-Bewohner werden vielleicht irgendwann doch vollständig schwindelfrei! - Dafür großartige Aussicht auf BenediktenWand und ZugSpitze im SüdWesten.

Zwei Tage Arbeit bis hier. Netto. Wenn immer ein stärkerer Wind ging, war die Benutzung der Leiter nicht angezeigt, weil sie ständig am Stamm scheuerte.

Der nächste Schritt: Der LattenRost. AufHängungeMethode der Wahl sind acht SeilStücke 12 mm geflochten PolyHanf von je etwa 4 Meter Länge. Befestigung an den TrageSeilen mit mehrfachem WebLeinenstek, zweimal rauf und runter, immer wieder nachjustieren, bis der LattenRost bei mittiger Belastung horizontal liegt und alle AufHängeSeile etwa gleich straff gespannt scheinen.

Natürlich ist das 12 mm PolyHanf-Material für diesen Zweck heillos überdimensioniert - an jeder Seite 16 SeilAbschnitte zum TrageSeil hoch - aber das häufige UmKnoten, NachJustieren und das Führen dieser SeilStücke über die Kanten des LattenRostes rechtfertigen dieses. Pro Seil kommen im DurchSchnitt nur ein paar Kilo Belastung zustande, und einen mehrfachen WebLeinenStek kann man da bequem unter Last lösen. Außerdem bilden diese AufhängeSeile das SeitenGeländer dieser BettStatt.

Dann die Auflage des LattenRostes: Meine vier IsolierMatten, durch ein weitmaschiges und straffes Netz auf dem Rost festgehalten. Bleibt nun dauernd an Ort und Stelle und muß eben häufiger von FichtenNadeln, PollenAblagerungen und InsektenLeichen gereinigt werden.

Der erste LiegeTest schon am 10. April: Die LattenRostDynamik ist gewöhnungsbedürftig. Im HSN schläft man immer in einer Kuhle, aus der man nicht herausrollen kann. Wenn man hingegen auf dem LattenRost zur Seite rollt, neigt sich die Fläche auf dieser Seite nach unten. Außerdem sind die Schwankungen durch den Wind noch größer.

Derzeit ist der LattenRost etwa 1.40 Meter über dem obersten HSN. Macht das Besteigen etwas akrobatisch, aber ich bin ja noch keine 50. Die erste echte Übernachtung steht noch aus, ebenso die MäuseSicherung. Demnächst mehr an dieser Stelle.

Das alte 6 Meter SisalNest habe ich über die am meisten beanspruchten Stellen des WaldBodens gelegt und schütte es langsam auf, bis von den Seilen nichts mehr zu sehen ist.

Es gibt eine neue Möglichkeit, HSN an unerreichbaren Stellen aufzuhängen, die ich hier mal zur Diskussion stelle. Als erstes eine Karte (alles andere als maßstäblich):

                                   B1




                               B2
                                    B3





              (10 / 12 m) B4-----------B5 (7 / 9 m)
                        / |            | \
                      /   |            |   \
                    /     |            |     \
                 /        |            |       \
              /           |            |         \
        B6    B7          |            |           B8
    (14.70 m) \           |            |         / (5.00 m)
                 \        |            |       /
                    \     |            |     /
                      \   |            |   /
                        \ |            | /
                          B9----B10----B11

              12 m HSN       10 m HSN      8 m HSN


Norden ist oben, hangabwärts gehts nach links.

Die Bäume B2 und B3 sind ordentlich stark und könnten ein Nest tragen, das über das 10 m und 12 m HSN zu erreichen ist. Außerdem könnte dies Nest dann 14 bis 16 Meter hoch sein. Übliches Problem: auf die Bäume kommt man nicht rauf, und etwas über die Äste von B2 und B3 zu werfen führt zu heilloser Verhedderung und unsicherer SeilFührung. Die Äste sind wie üblich zu schwach, um in eine HSN-Konstruktion mit einbezogen zu werden, stehen aber bei jeder anderen Tätigkeit ernsthaft im Wege.

Aber glücklicherweise ist da noch Baum B1 (sogar mehrere davon zur Auswahl). B1 ist hoch genug, und mehr brauchen wir nicht. Über die höchsten Äste von B1 werfen wir eine SisalSchnur - unsere FahrStuhlSchnur. Im Norden rauf, im Süden runter. Oder umgekehrt. Nach Abschluß der ganzen Sache wird sie wieder entfernt werden.

Mit dieser Schnur ziehen wir eine zweite an der SüdSeite des Baumes mittig hoch bis in die BaumKrone von B1 - also auf der NordSeite von B1 stehend und ziehend. Die beiden Enden dieser sehr langen Schnur werden auf das HSN gebracht - ist ein bißchen Lauferei - und dort oben bereit gelegt und gegen WegRutschen gesichert.

Jetzt kommt ein Novum: Ich brauche Assistenz. Habe auch schon eine ungefähre Vorstellng davon, wer das sein könnte (Er weiß noch nichts davon!). Er wird nämlich an der NordSeite von B1 stehen und auf ZuRuf (die DenkArbeit mache ja ich) die 'FahrStuhlSchnur' mehr oder weniger anziehen und nachlassen, während ich vom HSN aus mit den beiden Enden des Seiles jeweils am Baum B6 und B5 das gleiche mache. Damit kann erreicht werden, daß dieses FührungsSeil von B6 zu B1 zu B5 in der gewünschten Höhe läuft und dabei zunächst respektvollen Abstand vom ZweigWerk der Bäume B2 und B3 hält: Es wird also gerade gespannt sein können.

Dann wird durch NachLassen des FahrStuhlSeils das FührungsSeil an B2 und B3 rangeholt, was mit geringem Verlust an ZweigWerk abgehen kann. Wenn das geschehen ist, wird mit dem FührungsSeil ein DoppelStrang von 12 mm PolyHanfSeil nachgezogen - das sollte reichen. Vielleicht werde ich auch das 24 mm Seil nehmen, aber ich glaube eher nicht.

Nun kann ich meine Assistenz entlassen und vergessen, was ich mir in den vergangenen Stunden habe anhören müssen. Denn nun beginnt die Muße: Das Knüpfen des neuen HSN. Daß die TrageSeile um B2 und B3 nur auf einem geringen Umfang der jeweiligen Stämme aufliegen soll uns da nicht weiter stören - FichtenRinde und Astwerk hindern bei starken SeilZug zuverlässig genug am Abrutschen, und wenn ich dann erst einmal an B2 und B3 angekommen bin, werden sowieso weitere Sicherungs- und TrageSeile gelegt. Außerdem werden alle seitlichen AbSpannungen modifiziert oder neu gelegt.

Soweit bis jetzt die Planung. Der einzige UnsicherheitsFaktor, den ich sehe, ist, ob es überhaupt gelingt, die FahrStuhlSchnur hinaufzuwerfen. Das Vorhaben ist ja nicht dringlich.


TageBuch am 98-05-23: Einweihung

Die ersten AußenÜbernachtungen in dem neuen HängeBrückenBett gingen ohne Probleme von sich. Die negative Stabilität stellte entgegen meinen Befürchtungen kein Problem dar, die Schaukelei - ob selbstverursacht oder durch Wind - ist erwartungsgemäß größer als auf dem HSN selbst - aber das ist mir eher angenehm.

Auf dem LattenRost zu stehen - etwa beim Einpacken der Decken - fördert jedoch ganz neue Reflexe. Das KunstStück ist, den LattenRost die meiste Zeit zwischen sich und dem ErdMittelPunkt zu halten - wahrscheinlich ist es bei größerer Dynamik der motorischen Ungeschicklichkeit leicht möglich, sogar über den Rand des 14 Meter Nestes hinauszuhüpfen.

Erkenntnis: ein längerer LattenRost wäre sinnvoll gewesen. Die AnGabe
1 m * 2 m betrifft den HolzRahmen - die AufLageFläche ist kleiner.

Eine längere SchönWetterPeriode in der ersten MaiHälfte benutzte ich für das erste WaldRettungsTraining für Zeiten stärkerer Dürre. Ein großer Solitär kann bei ausreichendem WasserAngebot im HochSommer 55 Kilogramm Wasser am Tage verdampfen - im Bestand werden es für einen ausgewachsenen Baum noch etwa 10 bis 20 Kilogramm sein (Schätzung aus geringerer BeAstung und geringerer Temperatur im Bestand).

Mein wichtigster weil unverzichtbarer Baum (B9 in der Skizze) hat einige Tage lang jeden Tag 20 Liter Wasser extra bekommen. Diese TrockenheitsPeriode war noch nicht lang genug als daß man einen Unterschied zu den anderen hätte bemerken können. Aber klare Erkenntnis: im Ernstfall einer wochenlangen TrockenPeriode müßte ich jeden Tag etwa eine halbe Tonne in den Wald schleppen (50 * einen 10-Liter-Tank). Wahrscheinlich nicht machbar, dafür aber der GerüchteKüche dieses Dorfes förderlich. Wenn man in der FachLiteratur nachliest, welche gewaltige WasserMengen im Boden gebunden sind, dann erscheint eine WasserVersorgung eines Waldes mit MuskelKraft eher lustig.

Heute dann noch ein Schreck in der AbendStunde: Nach einigen Stunden Lektuere ("TCP/IP für Dummies", aber das ist eigentlich nicht relevant) auf dem LattenRost, halb in den Decken sitzend, sprang mir beim Eintüten der Decken in die PlastikFolie wieder eine Maus entgegen. Entweder, sie hatte sich die ganze Zeit in den Decken versteckt oder sie ist anmarschiert, während ich dort saß.

Irgendwie fühle ich meinen AbschreckungsWert nicht gewürdigt. Natürlich habe ich die SchutzScheiben auf den vier TrageSeilen noch nicht angebracht, aber um in das Bett zu gelangen gibt es im Moment nur noch die vier 24 mm PolyHanf-Taue. Und auf denen herankletternd sieht man mich. Wie kann so ein kleines Tier einen so großen Mut haben?

Daß es sich dann immer gerade unter meinen eigenen FußSohlen vor mir verstecken wollte, als ich dann auf dem 14 m HSN stand, mag Kühnheit oder anatomische Unkenntnis gewesen sein - oder die Furcht vor 14 m freiem Fall. Jedenfalls sind sie MausSchutzScheiben dringlich - wo in meiner Wohnung habe ich bloß PlexiGlasRest geeigneter Größe?

DurchWühlen aller Decken ergaben eine durchgekaute Decke und drei weitere, die einen WaschGang benötigen. Man hat es ja.

Weitere Photos kommen demnächst in das Internet - von der Maus wahrscheinlich keines, weil diese Olympus die Batterien im NullKommaNix leert - damit kann man sich nicht auf die Pirsch legen. Und ein TeleObjektiv habe ich für diese Kamera auch nicht.


TageBuch am 98-07-01: Routine

EreignisLosigkeit in den letzten Wochen - naja, nicht ganz: Am 3. Juni fand ich Abfall und eine ZigarettenKippe am HSN verstreut. Einige Tage später stellte ich zwei Mädchen - Alter etwa 11 und 12 - die es natürlich nicht gewesen waren. Ein kurzes TelefonGespräch mit den ErziehungsVerpflichteten brachte dann soviele WiderSprüche zuTage, dass die beiden praktisch überführt sind - und damit am HSN unerwünscht. Haben sie inzwischen auch wohl begriffen.

Die MausSpiralen: Der Versuch, Scheiben aus Plastik zu schneiden, um daraus ein MausHindernis zu machen, schlug leider fehl. Zu unregelmäßig, und die Kanten würden die Seile beschädigen. Aber etwas anderes ging: Ich bog Spiralen aus einem starken Draht, WindungsDurchMesser etwa 4 cm. So eine Spirale von etwa 30 cm Länge kann man leicht um ein Seil wickeln und in sich selbst verschränken. Hält, und offenbar ein brauchbares Hindernis. Für zwei TrageSeile braucht man also 4 Stück.

Eine weitere Einsicht: Die 'Unsitte', SeilEnden mit eventuellen Stopper- Knoten einfach nach unten aus dem Nest raushaengen zu lassen, ist gar keine. Diese vielen Schlingen, die die Nester von unten etwas unordentlich aussehne lassen, spielen eine Rolle beim Abtropfen von Wasser aus dem NestMaterial: sie beschleunigen das Trocknen. Überhaupt wird PolyHanf wahnsinnig schnell trocken. Das Material ist super - trotz des schlechten Rufes, den Polypropylen hat.

Am 9. Juni flatterte mir eine email auf den KüchenTisch, die mir wieder Auftrieb gab: Jemand aus dem RuhrPott war ueber meine HSN-Seite gestolpert und wußte selbst von solchen Experimenten zu berichten. Unter anderem hatte er schon eine Übernachtung in 18 Meter Höhe in einer Pappel zustande gebracht.

Euphorie: Es gibt noch mehr solche wie mich! Eine KontaktAdresse eines BaumPflegers, der ihm - und dann auch mir - hilfreiche Tips geben konnte, kann ich hier noch nicht weitergeben - dazu muß ich erst die Erlaubnis einholen.

Die AußenÜbernachtungen im HSN sind Routine. Schön, aber Routine. LattenRost bewährt sich weiter. Es ist mit etwas Übung leicht möglich, die senkrechten TrageSeile zu justieren, während man draufsitzt.

Was hat ein HSN mit dem SeeWolf von Jack London zu tun? Nichts, außer daß ich oben nach langer Zeit wieder einmal einen Blick in dieses Buch geworfen habe. Von einem Herrn Wissdorf lernte ich, daß Jack London sich nicht umgebracht hat. Da haben offenbar alle BioGrafen voneinander abgeschrieben.

Vielleicht sollten wir Autoren unsere Biografien schon zu LebZeiten zuende schreiben - ich möchte nicht, daß mir so etwas passiert wie dem Kollegen Jack London.

Was hätte er zu einem HSN wohl gesagt?


TageBuch am 98-07-11: Das H-Netz

Das H-Netz ist eine eigentlich sonnenklare Einrichtung. Das bodennahe LastenNest, das eigentlich nicht zum HSN- Komplex gehört, sondern nur dazu da ist, Dinge drauf abzulegen, und das auch nicht gegen unauthorisiertes Besteigen geschützt ist, ist ein H- Netz geworden, wenn auch zufällig.

Beim H-Nest verlaufen die KraftLinien im Netz so, das eine längliche Kuhle entsteht, in der man horizontal liegen kann. Das Netz ist einfach unter der KörperMitte sehr stark gespannt, während Fuß- und KopfBereich schlaffer geknüpft sind. Würde man die KraftFlüsse im Nest aufzeichnen, sähe man ein ungefähres 'H'. Außerdem ist das äußere Zeichen eines H- Nestes der ungleichmäßige KrümmungsRadius der RandSeile - diese müssen einen größeren SeilZug unter der KörperMitte hindurch unterstützen als einen Meter daneben.

Das H-Nest hat nur eine einzige LiegePosition, in der man von dieser Eigenschaft profitiert. Damit könnte man aber leben. Was aber nötig ist, ein H-Nest absichtlich knüpfen zu können - das habe ich ja noch nicht gemacht. Es sollte aber möglich sein, in ein vorhandenes Nest die notwendigen Inhomogenitäten der Kraftflüsse hineinknüpfen zu können. Vielleicht werde ich das 14 Meter Nest in dieser Richtung umarbeiten.

Vor einigen Tagen fand ich eine Stelle am 14 Meter Nest, wo ein Ast und ein 10 mm PolyHanfSeil sich gegenseitig tief durchgescheuert haben. Diese Stelle bewegt sich schon bei leichtem Wind merkbar, und der gegenseitige Druck von Ast auf Seil ist gerade so groß, daß der Schaden maximal wird.

Es war keine große Tat, diese Stelle gegen weiteres Scheuern zu sichern und die KraftFlüsse über andere Seile umzuleiten. Es belegt aber mein Mißtrauen gegen die Verwendung der Äste: Es ist zu unübersichtlich, wie Äste sich bei Wind bewegen.

Am zweiten Juli fing ich dann eine Gruppe von vier Jungen ab, die definitiv mit Kurs auf das HSN durch den Wald antrabten. Die beiden Mädchen vom Anfang Juni waren sofort rehabilitiert. Kurze RechtsBelehrung - dann trollten sie sich wieder. Am schlimmsten schien meine FestStellung zu wirken, daß sie in diesem Wald immer damit rechnen müssten, beobachtet zu werden.

Als ich heute aufs HSN kletterte, bemerkte ich, daß die Tüte, in die ich eine Rolle 6 mm PolyHanf-Tau eingewickelt hatte, angeknappert war. Natürlich dachte ich an eine Maus, aber beim Anheben hing ein EichHörnchen unter dem Netz - ein OachKatz, wie man hierzulande sagt. Wir haben uns acht Minuten lang einander angesehen, um rauszufinden, wer zuerst wegrennt. Von Anfang an hatte das Tier die schlechteren Karten. - Das PolyHanf-Tau selber hatte es nicht angefressen.

Eine Warnung, die mir neulich per email zuging, ist bislang gegenstandslos geblieben: Marder scheint es in dieser Gegend nicht zu geben.

Gegen Abend brach eine der LattenBefestigungen im LattenRost. Billige Konstruktion: KunstStoffHalterungen, die mit nur zwei Krampen in den SeitenBalken eingeschlagen waren. BüroMaterialMethode, gewissermaßen. Dieser LattenRost ist sicher nicht für Regen und ständige WindBewegungen gemacht - kein Grund, der Firma Quelle den Vertrieb von Pfusch vorzuwerfen. Die Beschädigung ist aber noch nicht kritisch und kann leicht mit einem Hammer behandelt werden.

Schlechtes Wetter verhindert seit Tagen jede AußenÜbernachtung. Ich bin verstimmt.


TageBuch am 98-07-25: Noch ein Umbau

Gleich nach einem GewitterRegen fand ich heute das untere Sisal-Nest stahlhart gespannt - bis zur letzten Faser vollgesogen. Es gab unter dem eigenen KörperGewicht nur wenige cm nach. Da kann man sich leicht die HorizontalKräfte ausrechnen.

Ich hielt mich nicht lange mit Überlegungen auf, ob das Nest nur heute so ausgesprochen stark gespannt war, oder ob das kurz nach einem reichlichen WolkenBruch immer der Fall ist: Ich brachte sofort ein paar EntlastungsSchnitte an - nun hatte das 8 Meter Nest teilweise kein Geländer mehr.

Daß das 8 Meter Sisal durch ein nur wenig höher gelegenes PolyHanfNest ersetzt wird stand sowieso in meiner WarteSchlange. Diese Aktion mußte jetzt nur - teilweise - zeitlich vorgezogen werden.

Wie am 30. März muß ein Teil des 8 Meter Nestes weg, und zwar das DreiEck zwischen den Bäumen B5 und B10 und B11 (siehe Skizze oben). Nun ist allerdings die Befestigung um B10 so hoch, daß man von unten nicht mehr mit der AnlegeLeiter rankommt. Das neue Nest drüber ist etwas mehr als einen Meter höher, so daß es auch von diesem aus mit Messer an langem Arm schwierig sein wird.

Also hatte die Operation stattzufinden, während ich auf dem 8 Meter Nest sitze.

Methode der Wahl ist eine provisorische Befestigung des 8 Meter Netzes am Baum B10. Man hat sich das so vorzustellen, daß eine ganze Reihe von 6 mm und 10 mm Sisal-Seilen den Stamm umschlingen - diese müssen alle durchgeschnitten werden. Besonders an der Kante des Netzes häufen sich diese SeilStränge, weil da die größten KraftFlüsse laufen.

Vor dem Baum B10 rittlings auf dem Nest sitzend befestigte ich, etwa 30 cm vom Stamm entfernt, ein 12 mm PolyHanfSeil mit einem vielfachen WebleinenStek um den aus mehreren Seilen bestehenden AußenStrang des Nestes. Dieses PolyHanfSeil führte ich mit einer Steigung von 15 Grad um den Stamm vor mir herum, stand dann auf und ging nach hinten, auf den Teil des SisalNestes, der heute noch nicht abgebaut werden sollte. Dort wurde das Seil unter straffer Sannung festgelegt.

Ganz genau dasselbe findet noch einmal in spiegelverkehrter Weise statt.

Als nächstes wurden ein paar 10 mm PolyHanfSeile zwischen 10 Meter Nest und der Kante des zu entfernenden 8 Meter Nestes gelegt. Diese konnten allein vom 10 Meter Nest aus wieder gelöst werden und dienen nur zur zusätzlichen Sicherung. Beim beabsichtigten Vorgehen sollten sie gar nicht unter Kraft kommen.

Dann ist es soweit: Josella sägt den Ast (=Nest) ab, auf dem sie sitzt!

Zweifellos eine recht spannende Angelegenheit. Aber ich fühlte mich so sicher, daß ich sogar auf jede weitere Sicherung verzichtete. Was natürlich als stäflicher LeichtSinn zu bewerten ist. Nicht zur Nachahmung empfohlen.

Ich saß also wieder rittlings vor dem Baum B10 auf dem 8 Meter Nest und begann zu schneiden. Und immer der Gedanke: Bloß nicht die PolyHanfSeile mitdurchschneiden!

Als nur noch wenige Seile übrig waren, gab es bei jedem Schnitt einen Ruck, und ich sank tiefer. Beim letzten Schnitt - ein 20 mm SisalTau - verlor ich etwa 15 cm an Höhe - dann waren die beiden PolyHanfSeile straff. Sie hatten mich zuverlässig aufgefangen.

Aufstehen, nach hinten gehen - am Leben zu bleiben ist erst einmal geschafft. Dann vom 10 Meter Nest die SicherungsSeile loesen und schließlich die beiden PolyHanfSeile, die die HauptRolle spielten, nachlassen - und wie geplant klappte ein DreiEck des 8 Meter Nestes nach unten.

Der Versuch, das DreiEck hochzuziehen, schlug fehl - das immer noch vollgesogene Material war zu schwer. Also wurde entlang der Kante von B10 nach B5 das 8 Meter Nest mit einem Messer durchtrennt. Danach konnte es an den beiden HalteSeilen zu Boden gelassen werden, leider jedoch nicht ohne zuvor der kleinen Buche unter dem 8 Meter Nest noch einige Zweige zu brechen.

Nun kam noch, im letzten Licht des Tages, ein NotGeländer zwischen dem nun verkleinerten 8 m Nest und seinem noch grobmaschigen PolyHanf- NachFolger - leidlich schlaff, um keinen Beitrag zum SeilZug zu liefern. Das neue 8 Meter Nest - also eigentlich ein 9 Meter Nest - ist nach der Demission des SisalNestes darunter nun selbst sehr scharf gespannt - aber das SeilMaterial wird noch nachgeben, wie die Erfahrung lehrt.

Morgen geht's weiter. Sonst ist nur zu berichten, daß Josella heute und in den letzten Tagen sich immer mal wieder genötigt sah, den kleinen See, der sich in der Folie um ihre Decken sammelte, auszukippen. Dieser 50 Liter-WasserFall wäre sicher noch unterhaltsamer, wenn man wüßte, daß sich unten in dem BuchenUnterStand jemand verbirgt. Man kann nicht alles haben.

Ich hatte allerdings schon die Idee, aus der Not vielleicht eine Tugend zu machen: Eine große Folie im 12 Meter Nest ausgelegt könnte nach einigen regnerischen Tagen ein kleines SchwimmBad zwischen den Bäumen bilden - erinnert etwas an meine Story "Ein Wintermärchen". Aber einige hundert Liter (200 Liter ist die übliche BadeWannenFüllung) da oben zu halten braucht noch mehr statisch flankierende Maßnahmen. Wahrscheinlich würden Bäume und Nest halten, aber ich will es nicht drauf ankommen lassen.


TageBuch am 98-12-31: Sylvester

Überblick über die letzten fünf Monate.

Die letzte große Birke in meinem Wald drohte in das HSN hineinzustürzen. Schon vor über einem Jahr abgestorben, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann es passieren würde. Da mußte etwas geschehen. So etwa Ende Juli fing ich an, zu arbeiten.

Um die Fallstrecke zu verkürzen, hieb ich etwa 2 Meter über Grund in den Stamm. Um diese zwei Meter würde der Baum kürzer fallen - was noch keinen Einfluß auf die FallRichtung bedeutete: Der Baum neigte sich eindeutig in Richtung HSN!

Als die Axt sich endlich erfolgreich durch 30 cmStamm gebissen hatte, neigte sich der Baum noch weiter - und blieb in der Krone einer benachbarten Fichte hängen.

Der nächste Einhieb dicht über Grund - bis kurz vor Umbrechen des Stammes. Wenn diese Konfiguration brach, dann konnte es sein, daß der Stamm sich so schnell bewegt, daß ich nicht mehr zur Seite springen kann. Also war es am besten, den Baum in meiner Abwesenheit umzubrechen.

Kein Problem - als endlich aus trockenem Wetter heraus ein ordentlicher Schauer drohte, spannte ich zwischen der SollKnickStelle und einem 5 Meter entfernten Baum zwei 12 mm SisalSeile. Als ich nach dem Regen den Wald wieder betrat, hatte der Baum tatsächlich seinen angestammten Platz verlassen und war drei Meter weitergehüpft - und ein 2 Meter langes StammStück lag flach.

Nur der Baum selber nicht, der stand noch, wenn auch zwei Meter niedriger als zu LebZeiten.

Manöver nochmal. Insgesamt viermal wendete ich den EinHieb über Kopf mit nachfolgendem UmDrücken durch SisalSeile und Regen an, bis endlich der ganze Rest fiel. Eine HeidenArbeit - wahrscheinlich arbeiten richtige Holzarbeiterinnen effektiver - aber die müssen ja auch nicht darauf achten, das Beschädigen eines HSN zu vermeiden.

Das Holz selber ist sogar für FeuerungsZwecke unbrauchbar und wanderte in den Erdhaufen unter dem HSN-Zustieg - allerdings mußte ich alle Stücke noch einmal halbieren, um sie transportieren zu können.

Abgesehen von dieser Aktion geschah nicht viel - auch nicht allzuviele AußenÜbernachtungen. Ein neuer Mitbewohner wurde am 11. September angeliefert: Pentium II mit 300 MHz, 128 MB HauptSpeicher, 4.3 GB Platte, wenig später baute ich eine weitere 10.2 GB Platte ein. Selbstverständlich kam ein Linux auf die Platte, und ich mußte auch alle meine Sachen neuorganisieren und von den zwei anderen Rechnern zusammenbringen. So manche Nacht, die ich im Freien hätte verbringen können, war ich nun am Rechner. Vielleicht wird es mir noch einmal leidtun, nicht jede Möglichkeit zur AußenÜbernachtung genutzt zu haben - aber irgendjemand muß sich ja um diesen ganzen Krempel kümmern.

Im Dezember gab es dann den weiteren Erfolg, nämlich die vollständige TCP/IP Vernetzung mit meinem alten Rechner, der auch ein SuSE-Linux aufgespielt bekam. Letztlich ist es auch nicht schwer - und es ist die Vorbereitung für die WebKamera in meinem Wald, die nicht nur mir, sondern auch dem Rest der Welt einen ständigen Blick auf das HSN ermöglichen wird. Voraussetzung ist eine andere TarifStruktur bei der Telekom, ein wetterfester Laptop, eine StromVersorgung mit langer StandZeit und die RichtFunkStrecke bis zu meiner Wohnung (also eine Art drahtloses Modem). Wie das aussehen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Nur das BetrebsSystem - das wird Linux heißen. Irgendwelche bunten BIOS-Erweiterungen sind mir nicht sicher genug.

Wenn das alles eingerichtet ist, dann wird es möglich sein, zu sehen, wie es bei WindStärke 12 auf dem HSN zugeht, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen!

Naja, an dieser Stelle müßte ich vielleicht korrekterweise darauf hinweisen, daß ich eine ganz brauchbare Assistenz hatte, was den datentechnischen Kram betrifft.


TageBuch am 99-04-11: Kosovo

Als diensttuender WebMaster führe ich diesen Bericht weiter, da Josella auf (vielfachen?) LeserWunsch am dritten Teil der WeltHöhlen-Trilogie arbeitet und sich deshalb nach SchottLand zurückgezogen hat.

Die Überschrift besagt an sich nichts, denn wir haben mit dem Kosovo-Konflikt etwa genauso viel und genauso wenig zu tun wie jeder andere Bewohner dieses Landes. Sie dient zur zeitlichen EinOrdnung. Wer immer dieser Überschrift doch eine Semantik hinzufügen möchte, mag sich - wie wir - überlegen, ob ein HSN eine Methode wäre, Flüchtlinge unterzubringen. Sehr schnell wird dann deutlich, daß unter beliebigen WetterBedingungen, ohne Rückhalt einer richtigen Wohnung, ohne ZukunftsAusichten und eventuell mit einer nur notdürftigen Versogung ein HSN-Aufenthalt eine deprimierende Erfahrung wäre - wie vielleicht auch jeder andere Camping-Aufenthalt. Dazu kommt, daß unsere Investitionen für einen Flüchtling aus einem armen Lande nicht aufzubringen wäre - weder von diesem selbst noch von außen. Drittens zeigt die Erfahrung, daß FlüchtlingsLager in der Nachbarschaft nirgends auf GegenLiebe stoßen - wievielweniger denn, wenn diese FlüchtlingsLager gerade die Bäume des StadtWaldes zierten, und das zu ZehnTausenden!

Abschweifung Ende, zurück zum Thema. In den fast vier Monaten seit Sylvester ist erwartungsgemäß wenig passiert. Beginnend mit März haben wir das untere (8 m)-Nest weiter an den Geländern verstärkt, so daß eigentlich nirgends ein versehentliches Über-die-Kante-Taumeln möglich ist. Das PolyHanf-Material zeigt nirgends wesentliche AbnutzungsErscheinungen, und die einmal gespannten Nester lassen in ihrer mechanischen DauerSpannung kaum merkbar nach - im GegenSatz zu SisalNestern. Lediglich die AbspannSeile, die bei Sturm ganz wesentlich durchgewalkt werden, müssen ab und zu neu gespannt werden.

Darüberhinaus gibt es ein VerschmutzungsProblem, das sich aber in Grenzen hält. Die MausAbwehrSpiralen sind bei einem der WinterStürme teilweise demontiert worden. Da muß uns noch was einfallen. In diesem Jahr haben wir auch wieder EichKatzerl im Wald, was bedeutet, daß man an ganz unerwarteten Stellen mit zerlegten FichtenZapfen zu rechnen hat.

Der aufgehängte LattenRost verträgt das Wetter schwer. An den AufhangStellen wird er von den StützSeilen allmählich angesägt, und diesen bekommt das Schleifen über HolzKanten auch nicht so besonders gut. Das Ding wird zwei Jahre nicht mehr überleben, und einen geeigneten Ersatz aus etwa dem GartenMöbelBereich haben wir (noch) nicht gefunden.

Die Planung für eine WebCamera im HSN ist immer noch eine solche. Die Geheimnisse des Networkings erschliessen sich uns langsam - erst gestern gelang mir endlich, unser HausNetz über Masquerading an das Internet anzuschließen - und die softwaremäßige Bewältigung wird mit Linux problemlos sein. Die Hardware ist für diesen EinsatzFall aber noch nicht billig genug.

Der hiesige ReitStall hat eine AußenKoppel in etwa 100 Meter Entfernung vom HSN eingerichtet. Das bedeutet naturgemäß ein höheres Teenager-Aufkommen in der Nähe unseres Waldes. Vielleicht werde ich unseren WaldVerpächter bitten müssen, die zum Wald gehörige Wiese öfter mal zu odeln - das verscheucht diese Städter wirkungsvoll.

Die Grube - unser BergWerk - ist weiter abgeflacht und damit größer geworden. Eine der umgrabenen JungBuchen - 7 Meter hoch und StammDurchMesser etwa 8 cm - ist eines Tages mitsamt WurzelBallen umgekippt. Nicht mal mit Josella zusammen hätte ich einen über eine Tonne schweren WurzelBallen bewegen können - also blieb nur, durch UnterGraben den WurzelBallen zurückrollen zu lassen. Das habe ich auch geschafft, und nach vielen Tagen die Buche wieder aufgerichtet - sie steht wieder absolut senkrecht, und etwa einen Meter tiefer als vorher. Wir werden sehen, wie das ihrem WurzelSystem bekommen ist. Die AufForstung in der Grube werde ich vielleicht noch in diesem Jahr angehen.

Abschließend weise ich noch auf die neue WebSite BaumZeit hin, von der wir erst vor wenigen Tagen erfahren haben.

Mit der Stabilität des HSN und der Beschränkung auf WartungsArbeiten wird zu diesem Bericht in der nächsten Zeit wenig hinzukommen.


TageBuch am 00-01-15: Lothar

Auch diesen Abschnitt schreibe ich, da Josella auf absehbare Zeit nicht hier ist.

Es ist zu erwarten, daß die Abnutzung des HSN durch mechanische EinWirkungen (Wind, EichHörnchen, eigentliche Benutzung) langsamer ist als die Verschlechterung des SeilMaterials durch UV. Einen Hinweis darauf gibt zum Beispiel der Sturm an den WeihnachtsFeierTagen dieses Jahres. Keiner von uns war im Lande, und die Bilder im Fernsehen gaben zu der Befürchtung Anlaß, daß es eventuell den ganzen Wald flachgelegt haben könnte.

Dem war nicht so. "Lothar" hatte den Süden von München nur mit AusLäufern erwischt, und die AusWirkungen waren weitaus weniger schlimm als zum Beispiel etwa der Orkan "Wiebke" vor etwa 10 Jahren. Als ich nach Weihnachten das erste Mal das HSN bestieg, waren am eigentlichen Netz keine Beschädigungen festzustellen.

Allerdings hatte ich schon vor einigen Monaten den zweiten LattenRost (diesmal 2.2 m * 1 m) nach oben gebracht, und wenig später war ich von der KlarsichtFolie zu einer robusteren KunstStoffMatte als WetterSchutz übergegangen. Dieses Material ist für DM 17.- für 2 * 3 Meter zu haben, und mit 10 MetallÖsen kann man es um jeden GegenStand hervorragend festzurren. Außerdem hing ich den LattenRost nicht durch direkte VerKnotung an die HängeBrückenAufHängung, sondern legte sie in die horizontal miteinander verknüfpten TrageSeile. Bevor diese Konstruktion in den Einsatz geht, muß natürlich der LattenRost noch gegen die horizontale, die RandHolme zusammendrückende KraftKomponente verstärkt werden, was mit einigen GewindeStangen von 1.10 Metern Länge und 12 mm DurchMesser geschehen wird. Daß dieses noch nicht gemacht worden ist, spielte jetzt aber keine Rolle.

Solange dieser neue LattenRost über dem 16 m Nest noch nicht einsatzbereit ist, habe ich gelegentlich den alten LattenRost, der jetzt ganz einfach auf dem 8 m Nest liegt, für Übernachtungen verwendet.

"Lothar" hat sich nun über die 2.5 QuadratMeter SegelFläche des neuen, wohl eingepackten LattenRostes hergemacht und diesen über die TrageSeile hinaus nach außerhalb des 16 Meter Nestes befördert. Von da war das Ding äußerst schwer zu bergen.

Tatsächlich war es ziemlich unklar, welche Seile aus dem Gewirr überhaupt den LattenRost trugen. So band ich mit einer ganzen Reihe temporärer KurzSeile den LattenRost außerhalb des Geländers des 16 Meter Nestes fest, um dann die eigentlichen Trageseile lösen und entwirren zu können. Danach war es dann möglich, nach Lösen der temporären Sicherung das Ding wieder über das Geländer ins Nest zurückzuheben und dann für die nächsten Monate gegen Wind und Regen zu sichern.

Zwei interessante Dinge haben wir in diesem Jahr im Internet gefunden: Da ist zum einen die Story der Julia Hill, die in Kalifornien über zwei Jahre ununterbrochen in einem Baum gelebt hat, um diesen vor Holzeinschlag zu schützen. Und dann fand ein Leser noch die Western Red Cedar Canopy Research Site and Access System, eine BaumPlattForm für ForschungsZwecke.


TageBuch am 00-07-19: Wieder Sturm - und DumpfBacken

Seit einigen Wochen ist der neue LattenRost fertig. Die 14 Bohrungen haben einiges an Arbeit gekostet, aber die 7 GewindeStangen haben ihn wirksam versteift. Die Enden der GewindeStangen stehen etwa 7 cm über, was nicht beabsichtigt war - aber das verhindert das AbRutschen der TrageSeile nach vorne oder hinten. Dafür erschweren sie das EinKlemmen der SchutzPlane - was aber trotzdem einfacher ist als früher: Das Abdecken kostet nur noch wenige Minuten.

Der alte LattenRost wurde entsorgt, ebenso die IsolierMatten, da sich dazwischen ein ganzes MäuseNest befand. Übernachtungen finden also wieder an der höchsten Stelle des HSN statt.

Wobei ich jedoch eine neue Stufe der ErlebnisDichte einer solchen Übernachtung fand.

Es war die Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2000. Der WetterBericht hatte mit nächtlichen Gewittern gedroht, aber als ich um 2 Uhr nachts das Haus verließ, war der Himmel sternenklar. Nicht einmal WetterLeuchten von den Bergen her, die man in dieser NeuMondNacht weithin gesehen hätte.

Dann ist jedenfalls nicht mit WärmeGewittern zu rechnen. Dachte ich. Und enterte auf und schlief alsbald, wie schon so oft.

Vielleicht hätte ich die WetterKarte genauer ansehen sollen.

Um vier Uhr wachte ich von einigen vereinzelten Tropfen im Gesicht auf. Da es ja kein Gewitter sein konnte, dachte ich daran, weiter zu schlafen - eine bescheidene Menge von RegenTropfen können die Decken ohne weiteres aufnehmen, ohne daß das "BettKlima" darunter leidet.

Außerdem war Josella ja nicht anwesend, was alle EntscheidungsProzesse ja enorm vereinfacht.

Der Regen wurde heftiger, und ich versuchte nun, immer noch schlaftrunken, die Plane raufzuziehen, wobei ich erst einmal vom Bett auf das oberste Nest stürzte. In einem nächtlichen GewitterRegen splitternackt im Wald zwischen den BaumKronen sich aufzuhalten ist mir an meiner Wiege nicht gesungen worden - und so fiel es mir schwer, Prioritäten zu setzen: Anziehen, oder schnellstmöglich das Bett und mich selbst unter die Plane bringen? Und hing überhaupt die Tüte mit dem Handy noch da, wo ich sie vermutete? Und sollte ich nicht aufpassen, daß diese Tüte nicht voll Wasser läuft?

Innerhalb von Minuten waren alle diese Prioritäten von der Wirklichkeit eingenordet: Ich war zwar angezogen, hatte aber keinen trockenen Faden mehr am Leibe, die Plane war durch eine Böe irgendwohin geweht, aber ich sah im Dunkeln nichts, und der SturzRegen ersäufte die Decken lagenweise.

Die BlitzEinschläge kamen immer näher, und erstmals empfand ich - naja: nicht direkt Angst. Sagen wir, gemessene Besorgnis.

Ich entschloß mich, das HSN und alle Decken aufzugeben und von Bord zu gehen.

Weder die Dunkelheit noch die Blitze, die mich nur blendeten, waren besonders hilfreich beim AbSteigen. Aber ich hatte schon früher vermutet, daß ich mich auf dem HSN blind bewegen kann, und jetzt bewies ich dies. In der Tüte mit dem Handy war die TaschenLampe drin, die ich aber nicht benutzte - auch wenn ich nichts sah, wußte ich, was ich durch meine Regenbekleisterte Brille sehen würde, wenn ich nur versuchte, die Lampe zu benutzen.

Es war einer der schwersten RegenFälle meines Lebens - normalerweise versucht man ja, solchen auszuweichen. Nach AbStieg vom HSN suchte ich am Fuße der Leiter - die ich auch stehen ließ - meine Schuhe, schlüpfte rein und legte den FluchtKurs fest. Durch den dunklen Wald absteigen hieß nochmal, etliche Kratzer kassieren, aber auf der Wiese unten wurde es einfacher. Allerdings wußte ich, daß dort gerade geodelt worden war, hatte aber die begründete Hoffnung, daß die WasserMengen eine ordentliche Verdünnung bewirken würden.

Die Strecke zwischen Wald und dem HelfenDorfer ReitStall legte ich gebückt im LaufSchritt zurück. Dann war ich im elektrostatischen Schatten der nächsten Bäume und konnte bis nach Hause geruhsamer gehen.

Natürlich habe ich in der Nacht noch Schlaf bekommen - es ist ja auch eigentlich gar nichts passiert. Gegen acht Uhr war ich wieder draußen - inzwischen trockenes Wetter, aufklarender Himmel - um das HSN wieder zu besteigen und alle Decken zum Trocknen aufzuhängen. Danach gab es noch ein paar Stunden Schlaf. Und später die Überlegung, ob man es nicht doch hätte aussitzen können: Die Plane rechtzeitig über Kopf und Bett gezogen und nach einer Stunde beiseitegeworfen. Das wäre alles gewesen, was nötig war.

Dies war die Auseinandersetzung mit der Natur. Eine Auseinandersetzung mit MitMenschen sollte folgen.

Schon am 20. Mai hatte ich eine ZigarettenKippe neben der abgeschlossenen Leiter zum HSN gefunden. Sowas fällt mir auf, da wir den Wald inzwischen leidlich Müll-frei haben. Die Marke war "Galoises", und niemand, den ich kenne, ließ sich dieser Marke zuordnen. Außerdem war einer der vier Eimer im "BergWerk" umgestoßen worden. Vermutung: Ein Raucher, wahrscheinlich mit Hund, hatte, neben dem Zugang zum HSN stehend, einen längeren Blick darauf geworfen.

Im Laufe der Zeit war ich nachlässiger geworden. Die sichere Methode, die Leiter abzusperren, ist die seitliche Lagerung und das horizontale FestSchließen an zwei Bäumen mit zwei Ketten und zwei VorhängeSchlössern. Die weniger sichere - für kurze Zeiten der Abwesenheit - ist das Anheben der Leiter und das EinHängen eines der Holme in eine SisalSchlinge in etwa einem Meter Höhe an dem östlichsten Baum. Zusätzlich wird sie mit einer der Ketten um diesen Baum herum festgeschlossen.

Natürlich bestand die theoretische Möglichkeit, daß jemand, der sehr sportlich ist, da raufsteigen kann. Aber dann würde das gesamte Gewicht auf der SisalSchlinge lasten, und die war dafür nicht vorgesehen. Niemand würde so dämlich sein, seine Gesundheit so zu riskieren - denn wenn in dieser Position diese SisalSchlinge reißt, dann rutscht die Leiter oben aus dem Loch heraus. Bis zu 7 Meter FallStrecke wären drin: Exitus oder QuerSchnittLähmung.

Am Samstag, dem 8. Juli kamen wir um etwa 19 Uhr vom Reitstall her auf den Wald zu. Da sahen wir zwei Buben mit FahrRädern an der oberen WaldKante. Außerdem war ein Hund dabei.

Ich sprintete los. Dabei bemerkte ich, daß die beiden nicht im mindesten beunruhigt schienen. Sie kannten uns nicht. Erst, als ich ihnen auf der Wiese nördlich vom HSN entgegen kam, wurden sie aufmerksam.

Ich stellte sie zur Rede, da sie mitten über die Wiese gefahren waren, und das sieht der Bauer nicht gerne. Wie immer ist bei einer kontroversen Diskussion mit Teenagern kaum etwas ordentlich artikuliertes zu hören. Ich ging dann weiter, um den Wald zu inspizieren.

Die SpurenAnalyse ergab, daß sie gar nicht bis zum HSN vorgedrungen waren. Allerdings waren sie im Wald drin gewesen und mußten das HSN gesehen haben. Ich sammelte ein paar kleine KunstStoffFolien an einer durchwühlten Stelle des WaldBodens auf und ging zurück.

Die beiden waren noch am Weg vor meinem Haus. Ich verpaßte ihnen einen weiteren Anschiß, denn daß man nicht mit einem FahrRad durch ein ErbsenFeld fährt, sollte man eigentlich wissen, wenn man im Dorf aufgewachsen ist, wie einer der beiden behauptete. Den Müll stritten sie ab, das ErbsenFeld nicht.

Als ich zehn Minuten später noch einen Blick auf den Weg warf, waren beide verschwunden. Ich nahm an, daß sie den Wald aus ihrem AufenthaltsSzenarien gestrichen hatten, alldieweil man da doch immer geschimpft wird.

Dieses war ein Irrtum.

Am Mittwoch, dem 12 Juli, war ich den ganzen Tag zu Hause und saß meistens am Computer. Das Wetter war gemischt, schwerpunktmäßig mit Regen. Erst gegen Abend rang ich mich dazu durch, den üblichen WaldLauf anzutreten. Vorher ging ich, wie üblich, am HSN vorbei.

Es kann sein, daß ich im AnMarsch etwas hörte. Ich rechnete nicht damit, und ich war nicht aufmerksam. Allerdings bemerkte ich auch, daß am Rand der Wiese FußSpuren waren, die nicht die meinen sein konnten.

Am HSN war einer der kleinen SchaschlickStabZäune zertreten, die ich verwende, um einzelne FichtenSetzlinge vor Verbiß zu schützen (das ist ein Experiment mit bislang unklarer Wirkung). Am Fuße der halbsicher abgeschlossenen Leiter fand ich tief eingedrückte FußSpuren, außerdem war eine der BambusStangen, die auf dem mittleren Nest gelegen hatten, von oben runtergefallen.

Ich verließ den Wald nach unten, um den Punkt zu erreichen, von wo ich viele meiner WaldLäufe, der besseren Vermessbarkeit wegen, antrete. Dabei bemerkte ich deutliche Spuren von zwei Personen, die den Wald dort verlassen hatten.

Während des Laufes wurde mir klar, daß es eigentlich keinen Wind gegeben hatte, der stark genug war, die BambusStange herunterzuschleudern. also entschloß ich mich, vor EinBruch der Dunkelheit das HSN noch einmal zu besteigen.

Kaum, daß ich die Leiter zum Besteigen aufgesetzt hatte, fiel mir auf jeder Sprosse asymmetrisch Lehm auf, bis auf die vier obersten Sprossen. Da keiner von uns das HSN mit Schuhen betritt, war klar, daß da jemand tatsächlich einen wagemutigen Stunt vollbracht hatte. Sonst war alles auf dem HSN leidlich unverändert, bis auf die kürzere AluminiumLeiter, die unter dem HängeBrückenBett lag - diese war ebenfalls mit Lehm verschmiert.

Damit war klar, daß der ungebetene Besucher ganz oben gewesen war.

Später konnte ich mir auch einen Reim auf Art und Positionierung der SchuhEindrücke am Fuße der ZugangsLeiter machen: einer hatte offenbar die Leiter gestützt, währen der andere rauf- und runtergeklettert war.

Natürlich habe ich die Leiter sofort horizontal weggeschlossen, und der ganze nächste Tag ging mit der Reinigung der Leitern und der NestUntersuchung drauf. Außerdem entschloß ich mich zur StrafAnzeige, da sowas eine gewisse erzieherische Wirkung hat. Dieses allerdings war nicht möglich - eine Anzeige wegen HausFriedensBruch gegen Unbekannt ist nicht möglich, weil es sich um ein AntragsDelikt handelte, und der aufnehmende PolizeiHauptkommisar war sich über den Begriff "umfriedet" im StGB § 123 und dessen Anwendbarkeit auf das HSN (das ich ihm erst einmal erklären mußte) nicht klar. Die Empfehlung, die beiden (ich bin mir sicher, daß es die beiden Buben vom Samstag waren) bei zufälligen Begegnen nach StPO § 127(1) selber vorläufig festzunehmen geht natürlich etwas weit, weil die Voraussetzungen des StPO § 127(1) nicht erfüllt sind ("auf frischer Tat").

Die Sache ist also noch ungelöst. Folgerungen sind: außer bei wirklich nur minutenlanger Abwesenheit wird die Leiter in der sicheren Stellung weggeschlossen.

Aber es gibt auch erfreulicheres zu berichten. Meine alte DigitalKamera Olympus C-410L, die nur 30 Bilder a 640 * 480 *24 kann, hat eine würdige NachFolgerin bekommen: eine Olympus C-860L. Diese, von einigen Kollegen bereits als "veraltet" bezeichnete Kamera erlaubt mit der 64 MB Karte etwa 293 Bilder a 1280 * 960 * 24. Demnächst werden hier einige Bilder des HSN in dieser neuen AufLösung zu sehen sein.

Nicht relevant zum HSN-Thema aber genauso wichtig: Beide Kameras lassen sich fast problemlos mit ObenSource-Werkzeugen von Linux aus bedienen (gphoto und photopc). Das kann wichtig werden, wenn ich einen WebServer im HSN einrichten werde. Die von Olympus mitgelieferte Software kann man nämlich vergessen.


TageBuch am 00-07-29: HochSeilLabyrinth?

Hier in der Nähe hat vor kurzem ein Labyrinth im MaisFeld eröffnet, für das ich eine provisorische HomePage eingerichtet habe.

Dabei habe ich mir - nicht zum ersten Male - durch den Kopf gehen lassen, ob man sowas mit HochSeilNest-Technologie machen kann. Früher dachten wir eher an einen WaldLehrPfad zwischen den BaumWipfeln, aber das Ganze als Labyrinth auszugestalten gäbe der Sache noch einen Extra-Kick.

Aber schon rudimentäre KostenÜbelegungen bringen einen auf den Boden der Wirklichkeit zurück - und die SicherheitsBedenken sind schon früher in diesem Beitrag angesprochen worden. Wenn man weiß, was man tut (eingefahrene Technologie und Methodik), kann man den Meter HochSeilNest-Gang für DM 100.- MaterialKosten und ein mehrfaches dessen an PersonalKosten haben. Ein Labyrinth mit einigen KiloMetern WegLänge bräuchte also Investitionen im Bereich einer Million. Plus noch mal permanente PersonalKosten für Wartung und PublikumsZugang. Das heißt, daß das Labyinth im Jahr DM 200_000.- bis ??? verdienen muß. Also muß man an den 100 wettermäßig besten Tagen täglich über DM 2_000.- einfahren, und wenn der EinTritt nicht über DM 10.- liegt, heißt das, daß man täglich über 200 Kunden anlocken muß.

Das hieße aber auch, daß nicht mehr als einige Dutzend Menschen sich gleichzeitig in einem solchen Labyrinth aufhalten würden, was wohl noch erträglich ist.

Es wäre ein RiesenProjekt. Man sollte es mal genau durchüberlegen.


TageBuch am 02-02-13: Mehr DumpfBacken

Im ganzen Jahr 2001 keinen einzigen TageBuchEintrag zu Netz gebracht - stramme Leistung! Wenn doch aber nichts passiert!

Oder wenig passiert. Die gelegentlichen AußenÜbernachtungen rechtfertigen nicht die Erwähnung. Da muß man schon fast für die örtliche Vandalismus-geneigte Jugend dankbar sein, damit es nicht zu langweilig wird. - Wenn ich einen von denen erwische, wird mein Dank keine Grenzen kennen - und meine Bereitschaft, die ErziehungsDefizite mit milder Hand auszugleichen. Wenn die Eltern schon nicht dazu in der Lage sind.

Am 1. Oktober 2001 fand ich Spuren im Wald von mir bis dato nicht bekannten Fußsohlen. Schon am dritten Oktober sammelte ich die Reste von sieben SylvesterKrachern - zwei davon hatten nicht gezündet, diese stellte ich sicher. Einer der Kracher war in der AbfallTüte gezündet worden und hatte die dort deponierten benutzen ToilettenPapierBladl auf dem WaldBoden verteilt. Ein weiterer war in einem SteinHaufen zur Detonation gebracht worden und hatte - wahrscheinlich zur EntTäuschung der Täter - diesen nicht zerlegt.

Einige Tage später, am 10. Oktober, stellte ich fest, daß etliche Seile am SisalNest durchschnitten waren - dies kann aber auch schon einige Tage früher passiert sein.

Die Analyse der Spuren ergab, daß die Täter - etwa zwei oder drei - über das westliche Feld auf meinen Wald zumarschiert waren. Auch auf diesem Feld hatten sie mit PyroTechnik gespielt. Ich konnte die Spuren bis zur FahrStraße nach Grub zurückverfolgen.

Am 18. Oktober war nochmal einer da, ohne aber etwas anzurichten. Am 20. Oktober hatte ich alle Schäden wieder repariert.

Da es in diesen Tagen zeitweilig föhnig trocken war, war dieser ganze pyrotechnische Zauber mit BrandGefahr verbunden - schon deshalb werde ich nicht so nachsichtig sein, wie mir Josella das nahegelegt hat: Wenn im Umfeld des HSN etwa ein WaldBrand ausbricht, dann werde ich auch Rede und Antwort stehen müssen.

Ein zweiter VorFall in 2001 war weniger destruktiv: Eine der SeitenHolme des alten LattenRostes war entwendet und fast 500 Meter entfernt am HelfenDorfer WasserHäusl südlich der FritzMeier-Fabrik deponiert worden - wozu das gut sein sollte, weiß ich nicht.

Am Anfang 2002 stellte ich fest, daß der neue LattenRost so sehr durch Mäuse und MausVerbiß geschädigt war, daß ich die SchutzPlane wegnahm und das Ding dem Wetter überließ. Da muß eine ganz andere Konstruktion hin - etwas absolut wetterfestes, was keine SchutzPlane braucht.

Heute fand ich wieder VandalismusSpuren vor. Zwei Kippen, KauGummiPapier, das Magazin einer SpielZeugPistole, kleine blaue Kugeln - wahrscheinlich Munition für die Pistole - außerdem ist sowohl das WarnSchild am SisalNest als auch die SpitzHacke gestohlen worden. Die FußSpuren weisen auf drei oder vier Täter hin, einer davon identisch mit denen vom Oktober letzten Jahres. Sie sind über die nördliche Wiese anmarschiert, aber trotzdem über das Feld östlich des Waldes getrampelt.

Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß es in der Dunkelheit passiert ist, aber die Hinweise verrate ich hier noch nicht. Der Diebstahl wird diesmal jedenfalls eine vorläufige Festnahme rechtfertigen, wenn ich die Täter erwische - besonders, wenn diese noch im Besitz von Drogen oder Waffen sind. Glücklicherweise ist der D1-MobilBetrieb vom HSN meistens möglich.

Abgesehen von diesen VorFällen verirren sich äußerst selten Menschen in meinen Wald hinein - die relative Ereignislosigkeit ist mir auch lieber.


TageBuch am 2003-07-27: Update

Im Laufe des letzten Jahres hat der ReitStall Markus Becker immer mehr Flächen für seine PferdeKoppeln angepachtet. Darunter sind auch einige Wiesen, auf denen unser VerPächter früher Kühe stehen hatte. Das WaldStück mit dem HochSeilNest ist so jetzt von Westen eingezäunt. Ob das unerwünschte Gäste fernhalten wird, weiss ich nicht - im letzten Jahr war nichts Bemerkenswertes in dieser Hinsicht. Und jetzt, wo an der OstSeite ein weites MaisFeld steht, ist das HochSeilNest richtig gut versteckt.

Das untere SisalNest habe ich in diesem Monat wegen Verottung vollständig abgerissen und ein Neues gebaut. Dabei kam ich auf einen Trick, auf den wir eigentlich früher hätten kommen können:

Das Problem ist ja, dass das Nest, auf dem man gerade sitzt, durch das EigenGewicht so eingedellt wird, dass die neu einzuflechtenden Seile nicht mit maximaler Spannung geführt werden können. Es geht aber viel leichter, wenn man die Leiter als horizontal über das Netz gelegte ArbeitsBühne benutzt - die verteilt das eigene Gewicht auf grosse Teile des Netzes, und so ist die EinDellung kaum ein Problem.

Warum bin ich erst jetzt drauf gekommen?

Dann noch etwas, was weniger mit dem HochSeilNest zu tun hat: Seit 24. Oktober 2002 baue ich eine WebSite ueber die QuantenRente auf. Dieses Konzept kann die Gesellschaft beträchtlich verändern - im Guten wie im Bösen. Es hängt davon ab, wie sich die wirtschaftliche Lage in diesem Lande weiterentwickelt, und in wieweit es mir gelingt, bestimmte Aspekte der GrundLagenEntwicklung in der Theoretischen Physik weiterzuverfolgen.


TageBuch am 2004-08-01: Update

Im August 2003 habe ich mit der Begehung des MittenWalder HöhenWeges und mit der Überschreitung der AlpSpitze über die Via Ferrata neue persönliche ErlebnisHorizonte erschlossen. Das HochSeilNest musste da zurückstehen. Aber nach der RückKehr aus dem Urlaub drängte es sich wieder ins BewusstSein: Mein WaldVerPächter informierte mich, dass ich den Lineatus im Walde habe. Ein Baum musste weg.

Gottseidank war es kein Baum, der das HSN trägt. Allerdings wurde ein AbspannSeil nach Süden durch die FällArbeiten zerstört.

In den letzten Monaten jedoch fiel mir auf, dass einer der HSN-Bäume, eine Licht-Mangel-bedingt verkümmerte Fichte, abgestorben war. Es war ein eher schwächerer Baum, der in der o.a. Grafik gar nicht eingezeichnet ist - er steht zwischen den Bäumen B5 und B8, und sein statischer Beitrag ist gering, obwohl er BestandTeil des HSN ist.

Letzteres machte aber das Entfernen des Baums etwas schwierig.

Die erste Idee, den Baum über dem HSN abzuschneiden, verwarf ich schnell wieder - im HSN mit der Axt rumzufuchteln und dann nicht schnell zur Seite springen zu können, wenn das Ding fällt, das schien mir zu gefährlich.

Also schnitt ich den Baum etwa einen Meter über dem Boden ab. An der Stelle hatte der Stamm einen DurchMesser von etwa 25 ZentiMetern. Während der RumWirbelns mit der Axt wurde der Baum in 3 Meter Höhe durch das Sisal-MaterialNest und in 8 Meter Höhe durch das HSN selbst festgehalten und konnte nicht fallen. Gegen Ende der AxtArbeit, als der Stamm bereits durchtrennt war, sicherte ich durch weitere temporäre Seile zu umliegenden Bäumen den Baum gegen Bewegung.

Dann "entkernte" ich den Baum im HSN, indem ich alle ihn umfassenden Seile zerschnitt und die KraftFlüsse von B5 und B8 provisorisch umleitete. Dadurch stand der Baum frei, konnte aber nur nach Norden umfallen. Weiterhin befestigte ich eine 6 Millimeter SisalSchnur in dieser Höhe am Baum. Diese führte ich dann quer durch den Wald zu einem Ort etwa 30 Meter vom HSN nach Norden entfernt.

Dort stehend waren einige kräftige Züge an dieser Schnur nötig - und der Baum krachte auf das Sisal-MaterialNest. Dieses ist damit unbrauchbar geworden, und der Baum selbst liegt im Moment leidlich sicher horizontal in zwei bis vier Metern Höhe arretiert. Das ist der derzeitige Stand der Dinge.

Über das weitere Vorgehen habe ich noch nicht entschieden.


TageBuch am 2007-02-12: Update

WahnSinn - seit dem letzten Update sind schon wieder ueber zwei Jahre ins Land gegangen ...

Das HochSeilNest gibt es noch. Josella laesst sich nicht mehr in Deutschland blicken, und ich selbst habe auch selten Zeit dafuer. Uebernachtungen sind schon viele Jahre nicht mehr vorgekommen.

Die Alpen haben wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen - wunderbare Wanderungen im Berchtesgadener Land: Rinnkendl-Steig, FeuerPalven, ArchenKanzel, Mooslahner Kopf, FuntenSee, und das HochEck Mitte 2006 - also der WatzMann! Ueberall der fachmaennische Blick: Wo kann ein HochSeilNest hin? - Aber natuerlich, die fluechtige Anwesenheit in dieser Landschaft ist nur zum Wandern und Bergsteigen da. Ein HSN wird es da nicht geben.

Das HSN selber ist noch in gutem Zustand - jetzt im zehnten Jahr! - aber die Baeume drum herum nicht mehr. Im September gab es massive Einschlaege wegen des Lineatus-Kaefers. Dir statisch wichtigen Baeume des HSN sind noch nicht betroffen - aber man kann nicht mehr von einem geschlossenen Bestand reden. Und der Sturm im Januar hat gezeigt, wie gefaehrdet aufgerissene Bestaende sind.

Es koennte sein, dass heuer (2007) das HochSeilNest rueckgebaut wird.

Das hat nicht nur technische Gruende. Das BerufsEnde naehert sich. Die teure Umgebung von Muenchen kann ich mir als Rentner nicht mehr leisten. Josella wird nie wieder nach Deutschland ziehen, meine LebensAbschnittsGefaehrtin will auch nicht hierher. Ob dort, wohin es mich verschlagen wird, nochmal ein HochSeilNest gebaut werden wird, darf bezweifelt werden.

Das Abenteuer HochSeilNest ist vorbei. Ich weiss, wie man eines baut, hier ist ein bischen darueber weitergegeben worden - und wenn jetzt noch jemand eins sehen will, muss er selber eins bauen - irgendwo.

Andere Ziele im Leben will ich noch angehen - es ist kein Geheimnis, dass ich mich noch intensiver mit der QuantenRente befassen muss, damit die Politik mit diesem konzept keine Dummheiten anstellt. Deshalb bin ich auch der erste QuantenScharfRichter der Welt und, in gewissem Sinne, der erste ScharfRichter in Deutschland im dritten JahrTausend. Die Aufgabe erfordert Zeit und Einsatz. Das HochSeilNest wuerde sowieso verwaisen.

Diese Seite verbleibt im Internet. Aber es wird nicht mehr sehr viel hinzukommen.


TageBuch am 2008-10-05: Das Ende des HochSeilNests

Das HochSeilNest ist Geschichte. Mein besonderer Dank dafuer gilt der Spezies BorkenKaefer.

Als ich am 9. September von einem KurzUrlaub zurueckkam, fand ich eine Nachricht von meinem Vermieter vor - ich erfuhr etwas von schweren Schaeden durch den BorkenKaefer. Es war schon dunkel, und als ich kurz den Wald durchstreifte, war nichts zu sehen.

Am naechsten Tag, im TagesLicht, war das schon anders.

Zwei der acht Baeume, die mein HSN trugen (B5 und B11), waren vollkommen tot und Nadel-frei - die anderen moeglicherweise infiziert. Noch Anfang August hatte ich von dieser Entwicklung der Dinge nichts bemerkt. Auf die beiden toten Baeume konnte aus statischen Gruenden nicht verzichtet werden.

Es war somit notwendig, das HSN abzubauen, um die obligatorische Faellung der betroffenen Baeume zu ermoeglichen.

Es hat noch niemand in der Welt ein HSN abgebaut. Ich betrat NeuLand. Und das NeuLand besteht aus Seilen, die noch tragen, und aus solchen, die nicht mehr tragen, und die Faehigkeit, sich zu merken, welche welche sind. Ein Fehler, und ich habe zwei Sekunden lang Zeit, mich zu aergern, bis der CFIT erfolgt.

Die Arbeiten begannen am 13. September und dauerten bis zum 22. September.

Am letzten Tag war dann noch mal Adrenalin angesagt.

Die hoeheren Teile des HSN wurden immer nach demselben Schema abgeschnitten: Nach ZusatzSicherung wurde das zu einem Baum hinfuehrende DreiEck abgeschnitten, waehrend ich mich auf dem naechsten so zu behandelnden DreiEck aufhielt.

Das war bei dem letzten DreiEck nicht mehr moeglich. Also sicherte ich eine der letzten drei DreiEck-Ecken durch zwei doppelt gelegte 10 mmm SisalSeile, die einfach um den FichtenStamm herum gelegt wurden und dann schraeg nach unten fuehrten, um dann an einem anderen Baum befestigt zu werden. So war es dann moeglich, spaeter diese Ecke des HSN vom Boden aus loszuwerfen.

Dann hiess es, auf das HSN zu klettern und die solcherart gesicherte Ecke bis auf diese SicherungsSeile vollstaendig vom FichtenStamm losszuschneiden.

Dabei kommt es zu ruckartigen Absenkungen des Netzes, die nur durch die 4 * 560 kp BruckLast-starken SisalSeile gehalten wurden.

Danach wurde die Ecke am ZugangsBaum losgeschnitten - das war das HSN nur 5 Meter ueber Grund, und die AnlegeLeiter reichte dahin. Der letzte Akt: LosWerfen der Sisal-SicherungsSeile - und das HSN war nicht mehr.

Ein bischen stoerend sind jetzt die HSN-Reste, die in den FichtenKronen haengen, und die nur bei den zu faellenden Baeumen weggenommen werden koennen.

Vielleicht gibt es im naechsten Jahr ein neues HSN, wenn wir wissen, wieviel Wald der BorkenKaefer uebrig gelassen hat. Die AluminiumLeitern verbleiben zunaechst noch vor Ort, der SeilabFall wird in kleinen Portionen abgeholt.

Mit weiteren Informationen ueber HochSeilNester braucht auf dieser WebSeite nicht mehr gerechnet zu werden.


Wie kommt die Leserin zu einem eigenen HochSeilNest?

(Dieses Kapitel ist immer noch unvollständig.)

Eigentlich bin ich der Leserin schuldig, ein paar konkrete Tips zu geben, wie man zu einem eigenen HochSeilNest kommt. Dazu dieses Kapitel, das ich immer am Ende des TageBuchAbschnitts halten werde.

Mein TeilZeitLebensAbschnittsGefährte hat zugesagt, in seiner HomePage Daten und Preise und BezugsQuellen von Seilen zu veröffentlichen, und wie ich sehe, hat er es endlich getan - dann gibt's auch einen Link auf ihn. (Er hat sogar versprochen, eine mathematische Abhandlung über reibungsgestörte FlaschenZüge zu schreiben - aber wir wollen unsere Erwartungen nicht zu hoch aufhängen: Faulheit ist durchaus komparativ-fähig. Man sehe sich nur die dürftige TeilZeitHomePage dieses GiftZwergs an.)

Als erstes muß sich die Leserin darüber klar werden, was sie will. Soll es nur ein Nest in KopfHöhe werden, oder noch niedriger, oder in schwindelerregenden 20 Metern? Oder irgendwo dazwischen? Und was will sie mit wie vielen Leuten auf dem Netz tun? Danach richtet sich zum Beispiel die Größe. Wie lange soll es halten? Das bestimmt, zusammen mit der Höhe, das Material. Wie gelenkig sind die Leute, die Zugang zum Nest haben werden? Wie leichtsinnig?

Und dann: Wieviel Geld steht zur Verfügung, gibt es einen geeigneten Wald, Rücksprache mit dem WaldBesitzer nötig?

Egal, ob man ein kleines oder ein großes Nest, ein niedriges oder ein hohes haben will - ich würde mit einem Nest zwischen drei Bäumen in KopfHöhe anfangen. Des Übens wegen. Drei bis fünf QuadratMeter sind optimal. Reicht für ein NachtLager und ein paar Klamotten. Material: Eine Rolle Sisal 100 m von 10 mm Stärke und eine Rolle 250 m von 6 mm Stärke. Oder nur 500 m von dem 6 mm Material, da sich das dickere Tauwerk durch das dünnere, mehrfach verwendet, ersetzen läßt.

Daß pro QuadratMeter etwa 50 Meter des 6 mm Materials erforderlich sind, sieht man leicht ein: Man stelle sich ein rechtwinklig geflochtenes Netz mit 5 cm MaschenAbstand vor - das sind auf einer Fläche von 1 * 1 Meter 20 Meter quer und 20 Meter längs. Macht mit Knoten unter Schwestern 50 Meter. Plus ein paar Meter von 10 mm oder 12 mm Material, anteilig für jeden QuadratMeter. Alles zusammen DM 25.- bis DM 40.-. Da die Bäume nie da stehen, wo man sie eigentlich braucht, wird das Nest größer als eigentlich beabsichtigt, und so kommen ganz zwanglos die etwa DM 300.- für dieses 'StandardNest' zusammen.

Daran denken, daß am Nest ständig ein Vorrat von TauWerk für kleinere Reparaturen bereitliegen sollte! NaturSeile müssen dabei wasserdicht eingepackt sein.

Besteigen entweder durch geschlagene StrickLeiter - bei dieser geringen Höhe läßt sich die Verwendung schon mal gefahrlos üben - oder sehr straff gespannte Seile (20 mm Durchmesser-Äquivalent) zwischen zweien der Bäume. (Belastet die Bäume aber unnötig.)

Ein SeilNest in so geringer Höhe kann gefahrlos an kleineren Bäumen befestigt werden - 10 cm StammDurchMesser sollten an sich ausreichen.

Wald: Mit Besitzer abklären. Bei StaatsForst: ForstAmt anrufen. Für längere und umfangreichere Nutzung empfiehlt sich ein Gespräch mit dem GrundStücksReferenten der ForstVerwaltungen - auch für die ForstVerwaltungen ist die Verpachtung von Wald ein routinemäßiger Vorgang, weil auch eine Behörde PachtEinnahmen nicht gänzlich abgeneigt ist. Außerdem ist man dann sicher, nicht versehentlich in einem SchutzGebiet zu bauen.

Soweit zur EinstiegsLösung. HaftungsProbleme kann es schon bei sehr niedrigen Netzen geben - schließlich kann man über ewas in KnieHöhe stolpern und sich verletzen. Vielleicht ist ein provisorischerZaun aus zwei Seilen in 50 cm und in 1 m Höhe das Mittel der Wahl - man kann jederzeit durch, womit dem BundesNaturschutzGesetz Genüge getan ist, aber man merkt, daß da etwas ist, wo man aufpassen sollte. - Das muß man aber bei allen lokalen Gegebenheiten gesondert überlegen.

Wenn man mit einem niedrigen Nest aus NaturSeilen Erfahrung gesammelt hat, kann man - wie ich es getan habe - sich an höhere Nester wagen. Dann ist auch die Verwendung von PolyHanf-Seilen angezeigt. PolyHanf- Seile heißt ja auch: Verschnitt und Abfall ist nicht mehr als BodenUnterlage oder Mulch zu verwenden, sondern als SonderMüll zu entsorgen! - Da man schon Erfahrung gesammelt hat, wird es nicht mehr viel Verschnitt geben.

Ich fahre mit diesem Kapitel später fort, weil ich jetzt müde bin, und eine andere Ausrede habe ich nicht.


Rechtliches

Jetzt muß ich aber noch - ganz zum Schluß - ein paar andere Dinge loswerden, und zwar aus rechtlichen Gründen - in diesem unserem Lande kann man haftbar gemacht werden, wenn man jemandem ein FernGlas verkauft und in der Gebrauchsanweisung es unterläßt, darauf hinzuweisen, daß man damit nicht in die Sonne sehen sollte.

  1. Also: Die Arbeit mit Seilen und der Bau eines Netzes zwischen den Bäumen bergen wirkliche, echte Gefahren (Zum wievielten Male erwähne ich das?). Deshalb kommen hier einige wertvolle Warnungen und Hinweise:
  2. Niemals mit einer SeilSchlinge 'Henker' spielen, insbesondere nicht mit den SeilSchlingen, die sich zuziehen können: Das Henken ist eine zuverläßige HinrichtungsMethode, es wird also wahrscheinlich funktionieren!
  3. Niemals in Richtung eines unter maximaler Last gespannten Seiles stehen! Wenn es reißt, dann kann es totschlagen! (Es haben sich sogar schon Geiger verletzt, weil ihnen die e-Saite gerissen ist - die steht unter etwa 10 kp ZugSpannung!)
  4. Niemals aus großer Höhe aus einem Netz oder Baum abspringen! (Eigentlich selbstverständlich, nicht?) Außer den Verletzungen durch den Aufprall auf dem Boden können in einem Wald noch widerliche PfählungsVerletzungen hinzukommen.
  5. Vertrautmachen mit alpinen SicherungsMethoden, und diese im ZweifelsFall anwenden! (Siehe z.B. [6] und [7] der LiteraturListe) Für die zum Sichern notwendigen Seile richtige BergSeile verwenden - nicht das SeilMaterial, das zum NetzBauen verwendet wird. Eine sichere Strategie ist, niemals 'off rope' zu sein, es sei denn, man liegt sicher mitten auf einem Netz - zuviele Dinge können unerwarteter Weise passieren: Insekten-Stiche, unerwartete Krämpfe, erwartete GrundSatzDiskussionen und Streitigkeiten mit TeilZeitLebensAbschnittsGefährten, Stolpern und Schluckauf und epileptische Anfälle.
  6. Auch bei bestehender Sicherung keine Stürze provozieren! Wenn man Pech hat, ist der Weg bis zum WaldBoden nicht weit genug, und außerdem können in den SturzPfad Äste hineinragen - ein Problem, das Alpinisten nicht haben.
  7. Damit zusammenhängend: Niemals unter Alkohol-Einfluß oder gar nach Genuß anderer RauschMittel in großer Höhe arbeiten - das ist genauso leichtsinnig wie besoffen Autofahren.
  8. Niemals die vom Hersteller angegebene ReißKraft eines Seiles als zuverläßige GrundLage für irgendwelche Konstruktionen benutzen. Besser, man legt 1 / 6 (in Worten: ein Sechstel!) zugrunde! Tatsächlich können KnotenBelastung, Verrottung und Abrieb ein Seil soweit schädigen.
  9. Niemals bei Gewitter und Sturm im Wald oder gar auf einem BaumNetz bleiben!
  10. Bei Übernachtungen im Walde, ob auf einem BaumNetz oder auf dem Boden: Auch ohne Wind können kleinere AstStücke herunterfallen und zu AugenVerletzungen führen.
  11. Wieder ausgebaute, also gebrauchte Seile sollten woanders nicht mehr für statisch wichtige Aufgaben eingesetzt werden - sie sind durch Knoten und Knicke stellenweise geschwächt.
  12. UmweltSchutz: Den Wald und die Bäume nicht mehr als notwendig belasten. Keinen Müll liegen lassen. Keine Nägel in die Bäume schlagen (was bei SeilNetzen ja auch glücklicherweise gar nicht nötig ist). Lärm vermeiden. Kein offenes Feuer. Nicht Rauchen. Keine PyroTechnik.
  13. Wenn ErdArbeiten nötig sind: SpitzHacke niemals gegen den eigenen Körper führen! So arbeiten, daß die SpitzHacke, wenn sie denn doch ausrutschen sollte, sich sicher verfängt, bevor sie den eigenen Körper erreichen kann. Außerdem den Stil festhalten, denn selbst dann, wenn die Hacke ausrutscht ohne zu verletzen, kann der Stil sehr heftige Bewegungen machen. Beim Heben von schweren Lasten auf anatomisch korrektes Bücken achten. WirbelSäule beim Anheben von schweren Lasten nicht gleichzeitig verdrehen. Brille oder SchutzBrille, wenn man auf Holz oder andere Dinge einschlägt, die in alle Richtungen mit Splittern spritzen können.
  14. Ab welchem Alter sollte man Kinder alleine auf ein HochSeilNest lassen? Ich weiß es nicht. Ich denke, NestHöhe in Metern mal 20 Jahre. Bei Jungen 40 Jahre. FachInformationen über das Thema können beim TierPark Hellabrunn in München eingeholt werden, da dieser sich wegen des geplanten Teenager-Geheges darüber auch Gedanken machen muß.
  15. Last not least: Wir haben in Deutschland stellenweise ein ZeckenProblem. Daran denken: Die Lyme-Krankheit ist immer noch unheilbar!

Netiquette

Zusätzlich zu den GefahrenQuellen, die ich eben dargestellt habe, und die man schon aus puren EigenInteresse beachten sollte, will ich jetzt noch einige Regeln auflisten, die das HochSeilNest-(Un)Wesen umwelt- und sozialverträglich gestallten sollen. Dies ist zunächst mal als Kladde zu betrachten, für VorSchläge bin ich dankbar.

Ökologische ÜberKompensation

Der HochSeilNestBetreiber muß sich in besonderer Weise dem ihm anvertrauten WaldStück widmen. Der 'Schaden', den ein HochSeilNest durch Bau und Benutzung bewirkt, muß durch sonstige MaßNahmen überkompensiert werden.

Allgemeiner WaldZugang

Ein Wald ist kein Garten. Jedermann darf ihn betreten. Wege dürfen nicht versperrt werden und echte ZugangsHindernisse nicht erichtet werden.

Betriebswirtschaftliche Kompensation

Bei gründlicher WaldNutzung ist eine Abmachung mit dem jeweiligen WaldBesitzer mit eventueller PachtZinsZahlung selbstverständlich.


Literatur:

Ich gebe noch 32 Bücher bez. Broschüren über Knoten und Seile und Alpinismus und ForstWirtschaft an, die mir im Laufe der Zeit zufällig in die Hände gefallen sind:

[1]     Floris Hin, Theo Kampa, Jaap Hille:
        "Knoten, Fancywork und Spleiße"
        Übersetzung Wulf Barow
        Delius Klasing Verlag

[2]     Peter Owen:
        "Outdoor Knotenfibel - die 70 wichtigsten
        Knoten Step by Step"
        Übersetzung Gabriele Graf
        BLV Verlagsgesellschaft mbH, München

[3]     Peter Owen:
        "Knoten - Mehr als 50 der gebräuchlichsten
        Knoten für Camping, Segeln, Angeln und Klettern"
        Übersetzung Cornelia Osterbrauck
        Idee und Konzept Verlag, München

[4]     Arved und Conrad H. v. Sengbusch:
        "Arbeiten mit Tauwerk -
        kunstgewerblich praktisch seemännisch"
        Frech-Verlag Stuttgart

[5]     Firma Edelrid (Broschüre):
        "Seilkunde"
        Edelrid & Rider GmbH + Co.
        88305 Isny / Allgäu

[6]     Gustav Harder, Dieter Elsner:
        "Bergsport Handbuch
        Felsklettern - Eisklettern - Skitouren"
        Rowohlt - rororo sport - 1993

[7]     Pit Schubert:
        "Alpine Felstechnik - Alpenvereinslehrschrift"
        Bergverlag Rudolf Rother - München

[8]     John Long: "Praxis Sportklettern -
        Ausrüstung - Technik - Training"
        Übersetzung Horst Heller
        Vorwort Reinhold Messner
        BLV - München - 1992

[9]     J. Tom Burgess:
        "Die praktische Knotenfibel -
        Knoten, Schlingen, Spleißen"
        BLV - München - 1996

[10]    Mario Bigon, Guido Regazzoni:
        "Das Knotenbuch"
        Übersetzer Helmut Pätz
        Edition Maritim - Hamburg - 1996

[11]    Clifford W. Ashley:
        "Das Ashley-Buch der Knoten"
        Edition Maritim - Hamburg
        (Deutsche Ausgabe lt. Hugendubel in München vergriffen,
        englisches Original kostet satte DM 128.-!)

[12]    Joachim Buff:
        "500 Jahre Osteroder Stadtwald"
        Herausgegeben von der Stadt Osterode am Harz - 1987
        Verlag Giebel & Oehlschlägel - Osterode am Harz
        ISBN 3-87259

[13]    Jake Page:
        "Wälder" aus der Reihe "Der Planet Erde"
        Time-Life Bücher, Amsterdam
        ISBN 90-6182-493-1

[14]    Gregor Aas, Andreas Riedmiller:
        "GU Naturführer Bäume
        Laub- und Nadelbäume Europas
        erkennen und bestimmen"
        Gräfe und Unzer

[15]    Hans Lamprecht:
        "Waldbau in den Tropen"
        Verlag Paul Parey
        Hamburg & Berlin

[16]    Peter Burschel, Jürgen Huss:
        "Grundriß des Waldbaus"
        Parey Buchverlag Berlin 1997

[17]    Anton Fischer:
        "Forstliche Vegetationskunde"
        Blackwell Wissenschafts-Verlag
        Berlin & Wien 1995

[18]    Karl E. Rehfuess:
        "Waldböden"
        Verlag Paul Parey
        Hamburg & Berlin

[19]    Ernst Schlichting:
        "Einführung in die Bodenkunde"
        Verlag Paul Parey
        Hamburg & Berlin

[20]    Aloys Bernatzky:
        "Baumkunde und Baumpflege"
        Bernhard Thalacker Verlag Braunschweig

[21]    "Grundstufe Agrarwirtschaft"
        Band 1
        BLV Verlagsgesellschaft München
        Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup

[22]    Kurt Rieder:
        "Ratgeber für den Nebenerwerbslandwirt"
        BLV Verlagsgesellschaft München
        DLG-Verlag Frankfurt (Main)
        Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup
        Österreichischer Agrarverlag Wien
        BUGRA SUISSE Wabern-Bern

[23]    Volker Drolshagen / Karin Hohhmann:
        "Die Sprache der Bäume"
        Mosaik Verlag GmbH. München 1997

[24]    Rolf Zundel:
        "Einführung in die Forstwissenschaft"
        Stuttgart : Ulmer, 1990
        ISBN 3-8001-2612-5

[25]    Horst Bartels:
        "Gehölzkunde"
        Stuttgart : Ulmer, 1993
        ISBN 3-8252-1720-5

[26]    Hans-Jürgen Otto:
        "Waldökologie"
        Stuttgart : Ulmer, 1994
        ISBN 3-8252-8077-2

[27]    Alfred Dengler:
        "Waldbau"
        Zweiter Band, 6. Auflage
        Verlag Paul Parey - Hamburg und Berlin
        ISBN 3-490-01016-7

[28]    Gerd Krüssmann:
        "Die Nadelgehölze
        - eine Nadelgehölzkunde für die Praxis"
        3. Auflage 1979
        Verlag Paul Parey - Berlin und Hamburg
        ISBN 3-489-60222-6

[29]    Ulrich Ammer & Ulrike Pröbstl:
        "Freizeit und Natur"
        1991
        Verlag Paul Parey - Hamburg und Berlin
        ISBN 3-490-02616-0

[30]    Gerd Krüssmann:
        "Die Baumschule"
        6. Auflage 1997
        Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin - Wien
        ISBN 3-8263-3048-X

[31]    Geoffrey Budworth:
        "Knoten"
        Könemann, Köln
        ISBN 3-8290-0322-6

[32]    Ulrich Gabler:
        "Unterseebootbau"
        Bernard & Graefe Verlag
        ISBN 3-7637-5958-1

[2] und [3] sind inhaltlich weitgehend identisch. [12] bis [22] habe ich aufgeführt, weil ich auch Literatur zur Land- und ForstWirtschaft benennen will. [12] habe ich zufällig in die Hände bekommen, weil ich einen WaldSchrat kenne, der im Harz aufgewachsen ist.

[14] ist nur gut, um Bäume zu erkennen, über BioMechanik steht da nichts.

[15] bis [22] habe ich erst am 1997-11-03 gekauft, kann also nur wenig Empfehlungen geben. Für praktische Folgerungen im Bereich ForstWirtschaft sind [16], [20] und [23] am interessantesten. [23] ist ansprechend bebildert.

[21] und [22] geben einen EinBlick in das - mir zumindestens - etwas fernstehende Gebiet der LandWirtSchaft.

[17], [18] und [19] scheinen sehr theoretisch - ich würde diese Bücher für die Anfängerin nicht empfehlen.

[24] und [25] sind billig und jeweils eine gute Einführung, die nicht im Oberflächlichen stecken bleibt.

[28] geht weitaus mehr in die Tiefe als [14].

[29] zeigt, wie und wo man sich schon weitgehende Gedanken über die FreiZeitNutzung unserer Umwelt gemacht hat. [30] ist professionelle und umfassende Information.

Wer unbedingt eigene Bäume für ein HSN züchten will, braucht [30]. Sehr umfassend. Teuer! Schwer.

[32] Was haben ein HochSeilNest und ein UnterSeeBoot gemeinsam? - Wenn's reinregnet, hat man Probleme. - Im Ernst: Das Buch haette ich gebraucht, als ich WeltHöhle - Projekt CHARMION schrieb. Das Buch ist hier aufgeführt, weil dieses das einzige LiteraturVerzeichnis auf meinen WebSeiten ist.

Außerdem gibts noch ein paar wenige relevante Adressen. Die Links nehme ich raus wegen der bekannten Problematik - die Juristen haben uns das Internet kaputt gemacht.

        Speleotek
        WidenMayerStraße 2
        80538 München
        Fritzi und Jörg ObenDorf
        phone:  089 / 22 00 14
        fax   : 089 / 29 135 18

        Krimmer Outdoor Systems
        RauffeisenStraße 4
        86567 Tandern
        phone : 08250 / 548
        fax   : 08250 / 1484

        PETZL International
        PETZL Distribution Sport
        Zone Industrielle
        38920 CROLLES
        phone : 33 (0) 4 76 92 09 00
        fax   : 33 (0) 4 76 08 82 04


© 1997 .. 2008 Josella Simone Playton 2004-08-01 02:30:00 +0200
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